Gestern wurden in Frankfurt erste Ergebnisse der zweiten bundesweiten und internationalen Studie zur Konfirmandenarbeit präsentiert, die am Lehrstuhl von Prof. Schweitzer von Tübingen aus koordiniert wird. Auf die Ergebnisse waren alle Fachleute, die in großer Zahl gekommen waren, sehr gespannt. Als Tischvorlage wurden erste ausgewählte Ergebnisse verteilt, die vollständige Dokumentation wird erst 2015 in Buchform vorliegen.

Hier ein paar Beobachtungen, die mir von allgemeinem Interesse scheinen, und z. T. gleich in den Workshops diskutiert wurden:

  • Beim Thema Gottesdienst scheint sich manches zum Positiven hin entwickelt zu haben. Hat hier der Schock aus der ersten Studie scheinbar schon gewirkt, haben Pfarrer/innen sich mehr Mühe gegeben?
  • Die Zufriedenheit mit der Konfirmandenzeit insgesamt ist weiterhin auf einem extrem hohen Niveau (75%), das viele überrascht, die selbst Konfirmandenarbeit machen. Der Positive Eindruck überwiegt und bleibt.
  • Deutlich wurde aufgrund der erhobenen Zahlen(ca. 9000 ausgewertete Fragebögen aus insgesamt 583 repräsentativ bundesweit ausgewählten Gemeinden) dem durch die KMU V entstandenen Eindruck widersprochen, bei der Jugend sei ein religiöser Abbruch zu beobachten, der sich immer weiter verschlimmere. Zumindest im Konfirmandenalter lässt sich dies nicht beobachten. Natürlich wollen 90% während der Konfirmandenzeit „viel Spaß haben“ (wer will das nicht; 68% sagen am Schluss, sie hatten viel Spaß). Aber immerhin 70% bejahen, dass sie in der Konfirmandenzeit mehr über Gott und Glauben erfahren haben, das Interesse an religiösen Themen wie Taufe (50%), Jesus Christus (56%) und Bibel (immerhin 42%) ist von Anfang an vorhanden und wächst im Verlauf des Konfijahrs deutlich. Auffällig hoch ist übrigens mit 57% das Interesse am Themenfeld „Gerechtigkeit und Verantwortung für andere“. Hier scheint mir wieder Nachholbedarf vorhanden zu sein, nachdem diese Themen längere Zeit „out“ waren.
  • Dass Konfirmandenarbeit (der Begriff ist leider aus Professionsperspektive gedacht) häufig Männersache ist, fällt auf, schon wenn sich Bezirksbeauftragte treffen und man in Gremien sitzt. Auch bei der Studie waren bei den Pfarrer/innen (Durchschnittsalter 48 Jahre!) nur 30% für Konfirmandenarbeit verantwortlich, während bei den Ehrenamtlichen (Durchschnittsalter 24 Jahre) 62% Frauen aktiv sind.
  • Geld oder Segen, die berühmte Frage … 72% der Konfis wollen einen festlichen Konfirmationsgottesdienst feiern (t2), 82% ein großes Familienfest feiern, 68% den Segen empfangen und „nur“ 64% ist es wichtig, am Ende Geld oder Geschenke zu bekommen. Dies bestätigt das Ergebnis der ersten Studie, dass Geld zwar ein Motiv ist, sich konfirmieren zu lassen, aber durchaus nicht das wichtigste.
  • Die bisher erhobenen statistischen Daten lassen zahlenmäßig kein Einbrechen der Konfirmationsquote erkennen. Natürlich werden die Gruppen kleiner, aber das liegt v. a. an der demographischen Entwicklung.
  • Stichwort Auswendiglernen: Immerhin 39% der Konfis finden es sinnvoll, in der Konfi-Zeit zentrale christliche Texte auswendig zu lernen, 42% sagen Nein, 19% sind unentschieden. Ein Selbstläufer ist Auswendiglernen nicht, man muss es plausibel machen und sollte es (vor allem mit dem Abprüfen) nicht übertreiben und vor allem niemand bloßstellen, der Lernschwierigkeiten hat. Denn 32% fiel es durchaus schwer, während der Konfi-Zeit Texte auswendig zu lernen. Das ist eben nicht nur ein Thema des Wollens, sondern auch des Könnens. Ich habe bei einer Pfarrerfortbildung zum Thema Auswendiglernen einmal alle Pfarrer/innen einen ihnen neuen Bibeltext auswendiglernen und aufsagen lassen. Hinterher sagten mir einige, wie gut es war, einmal selbst diesen Stress zu spüren, den es macht, wenn man plötzlich vor einer Gruppe etwas frisch Gelerntes aufsagen soll.

Gut gefallen haben mir in der Podiumsdiskussion zwei Bilder. Sönke Krützfeld sagte in Anlehnung an Porsche: Bitte keine radikalen Modellwechsel beim Erfolgsmodell Konfirmandenarbeit, Prof. Schweitzer mahnte mit blick auf Opel an: Wenn man die vorhandenen Modelle nicht optimiert, kann ein Modell durchaus in der Akzeptanz radikal einbrechen (und es ist schwer, das wieder umzudrehen vgl. die Opel-Kampagne Umparken im Kopf).

Während der Präsentation habe ich in den Plenumsphasen fleißig getwittert und so auch für mich mitgeschrieben. Das kann man hier nachlesen oder z. T. mit Bildern auch direkt auf Twitter (hashtag „kastudie“ suchen bei http://twitter.com/thomas_ebinger).

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die endgültigen Ergebnisse, auch für die einzelnen Landeskirchen, und freue mich, die Ergebnisse für die Aus- und Weiterbildung fruchtbar zu machen und natürlich auch für unsere Zeitschrift „anKnüpfen“ neue Materialien zu produzieren. Für nächstes Jahr ist immerhin ein Artikel zur Handyproduktion geplant, der voll zum oben berichteten Stimmungswandel passt.

Was sagt sie uns? Die zweite bundesweite Studie zur Konfirmandenarbeit
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