Wie mir der Workshop beim Powerday in Unterweissach heute wieder gezeigt hat, besteht am Thema ein großes Interesse. Viele Jugendmitarbeiter und Gemeinden haben schon die unterschiedlichsten Dinge ausprobiert – mit unterschiedlichem Erfolg. Worauf sollte man achten? Welche Modelle gelingen? Woran scheitert es immer wieder?

Zum Einstieg in den Workshop habe ich ein kleines Animationsvideo erstellt, das zeigt, wie viele Pfarrer/innen und Gemeinden versuchen, Konfis als Gemeindeglieder willkommen zu heißen.

Das Tool Animationstool Powtoon http://www.powtoon.com ist übrigens ganz nett und schnell zu lernen und in Schulen (zumindest in Amerika) schon recht populär.

Die folgenden Anregungen zum Thema habe ich zusammen mit Tobias Kenntner vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg für einen Zeitschriftenartikel zusammengestellt.

Jugend- und Konfi-Arbeit gut verknüpfen

Die Idee: Es gibt bewährte Modelle für die Verknüpfung von Jugend- und Konfi-Arbeit. Aber nicht jedes Modell passt in jede Gemeinde. Dieser Text will Impulse geben, Alternativen auszuprobieren und dazu ermutigen, die Konfis so herzlich zu umarmen, dass sie gar nicht anders können als dabei zu bleiben – freiwillig wohlgemerkt!

Alle wünschen sich, dass Jugend- und Konfi-Arbeit eng zusammengehören, sind es doch dieselben Jugendlichen, um die es geht. Während die Konfi-Arbeit noch fast flächendeckend die evangelischen Jugendlichen eines Jahrgangs erreicht, sieht es bei der klassischen Jugendgruppenarbeit nach der Konfi-Zeit inzwischen anders aus. Auch wenn die neueste Statistik keine dramatischen Einbrüche feststellt, so nimmt doch schon aus demographischen Gründen die Zahl der Gruppen, ihre Größe und die Häufigkeit der Treffen ab. Was liegt da näher, als enger zusammenzuarbeiten?

Allerdings hat sich nicht nur die Jugendarbeit verändert, sondern auch die schulische Lebenswelt, die deutlich mehr Zeit und Leistungsbereitschaft fordert als früher. Pisa lässt grüßen.

Warum Verknüpfung wichtig ist

Die Verknüpfung von Jugend- und Konfi-Arbeit ist kein Selbstzweck, immer geht es um Jugendliche, die auf ihrem Weg des Glaubens begleitet und gestärkt werden sollen, die Gemeinschaft erleben sollen und ihrem Alter entsprechend Gemeinde leben. Die Verknüpfung hat mindestens zwei Ziele:

  1. Die Jugendarbeit engagiert sich in der Konfi-Arbeit mit dem Ziel, dass Konfis eine prägende Konfi-Zeit erleben und ein positives Bild von Kirche und Glauben gewinnen. Die Zeiten, in denen Konfi-Arbeit als One-Man/Woman-Show funktionierte sind vorbei. Die Bilder von Christsein, Jugendarbeit und Gemeinde, die während der Konfi-Zeit entstehen, sind für die Kinder und Jugendlichen prägend. An diesen Eindrücken machen sie unter anderem fest, ob der christliche Glaube für sie bedeutsam wird und ob sie auch nach der Konfirmation einen Platz im Lebensraum Jugendarbeit und Gemeinde finden und einnehmen möchten.
  2. Die Jugendarbeit engagiert sich während des Konfi-Jahres mit dem Ziel, die Konfis nachhaltig in die Jugendarbeit zu integrieren. Dort kann weitergehen, was während der Konfi-Zeit gewachsen ist. Oft kommen dort auch erst die Aha-Effekte, dass man Glauben und Leben aus christlicher Perspektive versteht und gestaltet, einfach weil man älter ist und die manchmal sehr chaotische Zeit der Pubertät hinter sich hat.

Für die Verknüpfung beider Bereiche gibt es kein Patentrezept. Wo es in einer Gemeinde keine eigene Jugendarbeit gibt, muss man anders vorgehen, als wenn eine gut funktionierende Jugendarbeit existiert, die vom örtlichen Jugendwerk oder auch einem CVJM verantwortet wird, der Berührungsängste mit der Pfarrer/in und dem Kirchengemeinderat hat.

Entscheidend ist die Wahrnehmung der Jugendlichen. Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit, deshalb muss man früh in der Konfi-Zeit intensive Begegnungen ermöglichen. Für die Wahrnehmung der Jugendlichen hilft das Motivations-Modell, das aus den Daten der Sinus-Studie Brücken und Barrieren entwickelt wurde (Zusammenfassung zentraler Ergebnisse hier: http://www.ejh.de/files/sites/ejh/aktivitaeten_dienste/fortbildungen/Bruecken+Barrieren_HKopp.pdf) :

  • Religiös Motivierte beziehen ihre Motivation aus der Auseinandersetzung mit religiösen Fragen, aus dem Glauben und der Bibel. Persönlicher Glaube ist teilweise Bedingung für Freundschaften mit anderen Jugendlichen. Manchmal wirken sie ausgrenzend gegenüber weniger Religiösen. Hier könnte z. B. der Emmaus-Glaubenskurs „Dein Weg mit Gott“ eine gute Brücke sein.
  • Gemeinwohl-Motivierte zeigen ausgeprägte altruistische Motive und ein starkes Interesse am Engagement für das Gemeinwohl. Ihnen ist eine gute Gruppe wichtig. Eine Hausaufgabenbetreuungsgruppe wäre z. B. ein für sie passendes Projekt.
  • Spaß-Motivierte suchen vor allem Spaß und tolle Gemeinschaftserfahrungen, was sie nicht ohne Weiteres in der kirchlichen Jugendarbeit vermuten. Hier könnte eine TEN SING-Gruppe passen oder eine Gruppe, die ihre Freizeit miteinander gestaltet (Kino, Bowlen, Klettergarten).
  • Benefit-Motivierte stellen sich vor allem die Frage, inwieweit sie selbst von einem Engagement profitieren können. Sie wollen Zertifikate erwerben, um bei Bewerbungen bessere Chancen zu haben. In einer Traineegruppe können solche Jugendliche gut angesprochen werden.
  • Distanzierte stehen innerlich fern vom Glauben und der Kirche. Sie haben oft Angst vor Überforderung, wollen bei ihren Freunden nicht komisch aussehen, wenn „zur Kirche“ gehen. Hier muss man niederschwellig ansetzen und z. B. regelmäßig miteinander ins Kino gehen.

Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit

Die Jugendarbeit hat das Ziel, langfristige Beziehungen mit Jugendlichen aufzubauen. Deshalb lohnt es sich für diese ganzheitlichen Beziehungen mit Jugendlichen sich zu engagieren und so das Recht zu gewinnen, von ihnen gehört zu werden und voneinander zu lernen. Dabei ist Grundlage zu wissen, dass wir als Menschen, die mit Jesus Christus unterwegs sind, lebenslang Lernende sind – wir sind nicht perfekt. Als solche sind wir uns der Gnade Gottes bewusst und unserer Begrenztheit. Diese Haltung eröffnet eine Weggemeinschaft und schafft Raum um mit Jugendlichen in ihrer Lebenswelt in Kontakt zu kommen und auf Bedürfnisse von Jugendlichen einzugehen und ihnen Möglichkeiten zu eröffnen Gemeinschaft zu leben. Solche Räume schaffen die Möglichkeit, dass Jugendliche Jesus Christus begegnen können und sie auf ihrem Weg des Glaubens in Charakter und Kompetenz befähigt werden.

Was kann man tun?

  1. Ein Konfi-Team aufbauen: Ein jugendliches Konfi-Team ist die natürlichste Form der Verknüpfung. Oft haben Ex-Konfis Lust, bei der Freizeit noch einmal dabei zu sein. Auch an Blocktagen können Konfi-Teamer sehr gut mitmachen. Gelegentlich können die Konfi-Teamer auch ohne Hauptamtliche einen Termin gestalten. Als Kleingruppenleiter kommen sie gut in Kontakt mit den Konfis, wenn sie eine Andacht gestalten, hören die Konfis mit großen Ohren zu.
  2. Verknüpfung über Hauptamtliche: Viel zu selten sind in Württemberg Jugendreferent/innen konkret in der Konfi-Arbeit aktiv. Es ist eine große Chance, auf der Freizeit und auch sonst so oft wie möglich die ganze Gruppe mitzuerleben. Hier entstehen die Beziehungen, die dann in der Jugendarbeit weitertragen.
  3. Intensive Zeiten miteinander gestalten: Die Erfahrung zeigt, dass Konfi-Samstage und Freizeiten viel jugendgerechter gestaltet werden können als der klassische Mittwochnachmittag. Hier kann Lust auf Jugendarbeit gemacht werden. Gemeinsam essen und übernachten, das Leben, den Glauben und die Freizeit teilen sind wichtige Elemente der Jugendarbeit.
  4. Gemeindepraktikum: In vielen Gemeinden gibt es inzwischen ein Gemeindepraktikum. Hier kann man gut einen Schwerpunkt auf die Jugendarbeit legen. Das macht nicht nur Lust, später selbst mitzuarbeiten, sondern auch, eine Gruppe auch später zu besuchen. Die Erfahrung: Es bleiben immer einige hängen.
  5. 3+1-Modelle: Bei einem solchen Modell wird dreimal klassischer Konfi durchgeführt, einmal bereitet die Jugendarbeit – oft auch zu einer anderen Zeit – ein Treffen vor. Diese Schiene kann anschließend häufiger stattfinden. Gerade die Zeit nach der Konfirmation ist ein gutes Zeitfenster, in dem die frisch Konfirmierten in ihrem Wochenplan in der Regel noch frei haben.
  6. Rahmenangebote: Vor oder nach dem Konfi kann regelmäßig ein Konfi-Café o. ä. stattfinden. Es gibt etwas zu essen, vielleicht sogar ein Mittagessen. Es sind Ansprechpartner und Spielmöglichkeiten da.
  7. Aufwändige Einzelaktionen/Events: Ein attraktives Ereignis pro Jahr kann schon reichen, um Lust zu machen auf Jugendarbeit. Das kann ein Grillfest, eine Radtour, eine Eislauf- oder Lightpainting-Aktion , eine Koch-Aktion oder Filmnacht sein. Oder eine Übernachtung im Kirchenraum, ein Kreuzweg der Jugend, ein Besuch des Jugend- oder Kirchentags. Oder auch einfach die Jugendräume streichen und ausstatten.
  8. Runder Tisch Konfi- und Jugendarbeit: Es lohnt sich, wenn die vor Ort Verantwortlichen sich regelmäßig, mindestens einmal pro Jahr, treffen, Ideen ausbrüten und in die Tat umsetzen. Auch der Kirchengemeinderat kann hier einbezogen werden. Er kann neben Geld noch andere wertvolle Ressourcen beisteuern.
  9. Mitarbeiterschulung/Traineeprogramm: Besonders erfolgreich laufen in Württemberg die an die Koni-Zeit anschließenden Traineeprogramme. Hier trifft der Wunsch, für sich selbst zu profitieren und ein Zertifikat zu erwerben, zusammen mit dem Wunsch, mit den netten Leuten etwas weiterzumachen, die man in der Konfi-Zeit kennen gelernt hat. Das Buch „Das Traineeprogramm“ enthält alles notwendige Material.
  10. Übergemeindliche Zusammenarbeit: Nicht immer reicht die Power und die Zahl der Jugendlichen an einem Ort aus, damit etwas weitergeht. Übergemeindliche Zusammenarbeit kann dann funktionieren, wenn rechtzeitig gemeinsam gedacht und z. B. die Konfi-Freizeit zusammen durchgeführt wird.
  11. Mentorenmodelle: In manchen Gemeinden sind Mentoren aktiv, die jeweils einige Konfis begleiten und außerhalb des Unterrichts treffen. Solche Gruppen können z. B. als Jugendhauskreis oder gelegentliche Eiscafé- oder Tee-Runde weitergeführt werden. Ob dies gelingt, hängt wesentlich von der Persönlichkeit der Mentor/innen ab. Es gibt solche Menschen mit einem großen Herz für Jugendliche.
  12. Jugendgottesdienste: Von Jugendlichen selbst gestaltete, attraktive Gottesdienste sind eine gute Möglichkeit, weiter im Kontakt zu bleiben. Wichtig ist, dass es verschiedene, auch niederschwellige Möglichkeiten gibt, sich einzubringen: Deko, Musik, Bewirtung, Aufbau von Erlebnisstationen etc.
  13. Gemeinsames Liedgut: Es hilft, wenn Jugend- und Konfi-Arbeit die Lieder miteinander abstimmen. Lieder signalisieren Zugehörigkeit. Wer in einer neuen Gruppe kein einziges Lied kennt, fühlt sich erst einmal fremd.
  14. Gruppenübergänge sorgfältig planen: Ein Tipp von Anne Schumann aus der Auferstehungsgemeinde Mainz (S. 19, s.u.): Es ist sinnvoll, nicht die Konfirmation als Zäsur zu nehmen, sondern eine Jugendgruppe von 12-16 Jahren zu haben, die Kontinuität über die Konfi-Zeit hinweg schafft. Sonst wird die Konfirmation gern zur „Sollbruchstelle“.
  15. Zusatzangebote verpflichtend oder freiwillig? Hier muss gut überlegt werden. Manchmal machen unmotivierte zwangsverpflichtete Einzelne eine schöne Aktion kaputt. Oft kommt aber auch keiner, wenn etwas nicht verpflichtend ist. Möglich ist auch als Mittelweg die Verpflichtung, aus einer Liste von 5 Dingen zwei wahrzunehmen.

Zum Schluss hier noch (in Auszügen) die hilfreichen Thesen der EJW-Denkwerkstatt Zukunft zur Jugend- und Konfi-Arbeit

1. Jeder Konfi-Jahrgang ist eine einmalige Chance
Jede Konfi-Gruppe bietet eine einmalige Chance Jugendlichen zu begegnen und Beziehungen zu knüpfen. Dieses wichtige Jahr im Leben von 13- und 14-Jährigen gilt es in gemeinsamer Verantwortung von Gemeindeleitung (Kirchengemeinderat und Pfarrerin bzw. Pfarrer) und Jugendarbeit zu gestalten. Rechtlich verantwortlich für Konfirmation und Konfi-Unterricht sind die Pfarrerinnen und Pfarrer und der Kirchengemeinderat. Doch auch die Jugendarbeit wird in der Konfirmationsordnung § 11 Abs. 1 ausdrücklich erwähnt: „Der Kontakt zwischen den Konfirmanden und der evangelischen Jugendarbeit in der Gemeinde sollte nach Möglichkeit schon während des Konfirmandenjahres aufgenommen werden. Dazu ist es erforderlich, dass während des Konfirmandenjahres Konfirmandenarbeit und evangelische Jugendarbeit kontinuierlich verbunden sind.“ Und die Rahmenordnung formuliert: „Entscheidend für die Konfirmandenarbeit ist der Lernort Gemeinde… Die Konfirmandenarbeit ist deshalb Aufgabe der ganzen Gemeinde.“

2. Jugendarbeit hilft Jugendlichen im Konfi-Jahr eigene geistliche Erlebnisräume zu entdecken und zu gestalten.
Aus der Perspektive der Erwachsenen, die für die Inhalte des Konfi-Unterrichts verantwortlich sind, wird die Frage nach der Wichtigkeit des Gemeindegottesdienstes meist mit „Ja“ beantwortet. Wie würde die Antwort ausfallen, wenn wir die Perspektive der Konfis einnehmen? Wie wichtig die Teilnahme am Gottesdienst für die Jugendlichen im Konfi-Jahr ist, sollten sie selber mitentscheiden können. Die Jugendarbeit kann mithelfen, damit Konfis eigene Zugänge zum Gottesdienst und zu gottesdienstlichen Erfahrungen bekommen. Das könnte dadurch geschehen, dass Jugendmitarbeiter gemeinsam mit den Konfis am Gemeindegottesdienst teilnehmen oder mit ihnen einen Jugendgottesdienst gestalten oder besuchen. Zu fragen ist aber, welchen Stellenwert ein Gottesdienst-Format, ob in der Form von Gemeinde- oder Jugendgottesdienst, für Jugendliche in diesem Alter wirklich hat. Mitarbeitende aus der Jugendarbeit bringen Erfahrungen mit, wie eigene geistliche Erlebnisräume für Jugendliche zu gestalten sind. Sie können mit den Konfis überlegen: Welche geistlichen Erfahrungen sind ihnen gemäß? Wie können Gebetsstationen und Kirchenraum, Tischgemeinschaft oder Rituale zur Tauferinnerung zum Erlebnis werden? Welche Formen von Gebet, Stille und Bibelbetrachtung passen für Jugendliche? Erfahrungen in der Jugendarbeit zeigen: Jugendliche brauchen neben der Form des Gottesdienstes, den sie meist passiv erleben, kleinere geistliche Erlebnisräume, in denen sie selbst aktiv werden können.

3. Konfis haben ein Recht darauf, gerade auch „junge Gemeinde“ in ihrer Vielfalt kennenzulernen.
Dass Jugendliche am Leben der christlichen Gemeinde teilhaben ist ein zentrales Ziel des Konfi-Jahres. Damit Konfis nicht nur Erwachsenenkirche erleben, betont die Rahmenordnung die Wichtigkeit der Jugendarbeit beim Kennenlernen der Gemeinde: „Der Jugendarbeit kommt in der Konfi-Zeit eine eigene Bedeutung zu. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben durch ihr Alter eine natürliche Nähe zu den Konfirmandinnen und Konfirmanden. Sie helfen ihnen, in der Gemeinde ihren Lebensraum zu finden“. Will Jugendarbeit dieser Verantwortung gerecht werden, muss sie sich fragen: Wie finden Konfis Zugang zum Lebensraum Gemeinde? Wie helfen wir Jugendlichen dabei? Wie können sie junge Gemeinde erleben? Wie gestalten wir die Konfi-Arbeit aktiv mit? Welche Angebote (wie Konfi-Praktika, TRAINEE-Programm, Workshop-Tage oder Freizeiten) können wir während oder direkt nach der Konfi-Zeit anbieten?

4. Ein gutes Konfi-Jahr beinhaltet viele Übernachtungen.
Viele Jugendfreizeiten und Konfi-Camps sind so etwas wie „Gemeinde auf Zeit“. Leben wird geteilt, Gemeinschaft erlebt, geistliche Erlebnisräume werden erkundet, Gaben und Fähigkeiten können sich entfalten. Ein Konfi-Jahr lebt auch von den Übernachtungen, von kleinen und großen Freizeitformen. Dabei ergänzen sich erlebnisstarke bezirksweite Konfi-Camps und beziehungsintensive Freizeiten der örtlichen Gruppe. Konfirmierte sollten auch eine zentrale Zielgruppe für Sommerfreizeiten auf Bezirks- und Landesebene sein. Konfis erahnen gerade durch eine solche „Gemeinde auf Zeit“, wie junge Gemeinde Gestalt gewinnen kann auch im Alltag zuhause.

5. Wenn der Übergang von Konfi-Zeit in die Jugendarbeit gelingen soll, braucht es vor allem Beziehungen.
Beziehungen sind entscheidend, soll der Übergang von der Konfi-Zeit in die Jugendarbeit gelingen. Jugendliche sind offen für Vorbilder. Viele suchen nach Menschen, die Orientierung bieten und ihren Glauben überzeugend leben. Dabei können Events helfen einen ersten Kontakt herzustellen und zeigen, wie attraktiv christliche Jugendarbeit ist. Bei großen Camps und Veranstaltungen sind aber manchmal nur oberflächliche Begegnungen möglich. Entscheidend wichtig sind Menschen, die 14- und 15-Jährige ernst nehmen und Zeit investieren um sie zu begleiten und wertzuschätzen. Welche Mentoring-Modelle oder Praktika fördern solche Beziehungen? Zu wem fassen Konfis Vertrauen? Auch junge Christen aus der Jugendarbeit können Glaubensbegleiter werden im Konfi-Jahr. Dabei können wir von Jesus lernen, was es heißt, andere Menschen wertzuschätzen und mit ihnen gemeinsam unterwegs zu sein.

6. Für die Schulung Ehrenamtlicher in der Konfi-Arbeit kann die Jugendarbeit einen wesentlichen Beitrag leisten.
Die Rahmenordnung für Konfi-Arbeit empfiehlt, dass die Konfi-Arbeit im Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen gestaltet wird. Damit dies geschehen kann, braucht es passende Aus- und Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche. Die Jugendarbeit verfügt über ein gut funktionierendes System an Fortbildungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Grund- und Aufbaukurse etc.) und über pädagogisch theologische Fachkompetenz für die Arbeit mit Teenagern. Wie kann diese Kernkompetenz der Jugendarbeit noch mehr in Schulungsangebote für Ehrenamtliche in der Konfi-Arbeit einfließen? Können Konfi-Teamer an bestimmten Einheiten im Grund- oder Aufbaukurs teilnehmen? Wie könnte ein gemeinsames Schulungskonzept aussehen, das Ehrenamtliche aus beiden Bereichen vernetzt und Beziehungen und Vertrauen entstehen lassen?

7. Konfis identifizieren sich mit Gemeinde und Jugendarbeit, wenn sie beteiligt werden und mitgestalten können.
Im Rückblick auf ihre Konfi-Zeit berichten ältere Gemeindeglieder davon, was sie als Konfis alles machten, z. B. Haussammlungen durchführen, Kirche vor der Konfirmation schmücken oder auch Briefe austragen… Wenn wir davon ausgehen, dass jede Konfirmandin und jeder Konfirmand ein Gottesgeschenk an die Gemeinde ist, gilt es aber vor allem die individuellen Gaben und Fähigkeiten zu erspüren und Spiel- und Freiräume zu schaffen, die über klassische Gemeindedienste hinausführen. Dann können sich die Gaben Jugendlicher entfalten. Wer sieht das als seine Verantwortung? Jugendliche einzubeziehen mag Risiken beinhalten und Mehr-Aufwand bedeuten. Aber am Ende profitieren alle davon. Frischer Wind weht durch Gemeindehaus und Kirchenschiff, wenn junge Menschen Praktika in der Gemeinde- und Jugendarbeit machen. Gleichzeitig sollten wir sie auch ermutigen und begleiten, wenn sie sich mit ihren Gaben in kommunaler Politik, Schule, Musik oder im Sport „bei den anderen“ einbringen wollen. Konfis identifizieren sich vor allem dann mit Gemeinde, wenn sie gefragt und ernstgenommen werden.

8. Konfis können Mitarbeitenden in der Jugendarbeit helfen die Perspektive zu wechseln und die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten wahrzunehmen.
Eine Jugendarbeit blickt angesichts der 13-Jährigen, die sich auf das Konfi-Jahr einlassen, in den „Milieu- Spiegel“. Anhand einer Konfi-Gruppe wird deutlich, ob die Angebote der Jugendarbeit nur für Kinder- und Jugendliche aus kirchennahen Lebenswelten interessant sind oder ob auch Jugendliche aus anderen Lebenswelten vorkommen. Auch eine mögliche Engführung im Blick auf die Angebote nach der Konfi-Zeit kann vorausschauend erkannt werden. Denn aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren kann man vielerorts schon vorhersagen, wer nach dem Konfi-Jahr in der Jugendarbeit ankommen wird und wer nicht. Eine Begegnung mit Konfis kann Verantwortlichen die Augen dafür öffnen, für wen die Angebote der Jugendarbeit attraktiv sind und für wen nicht. Besonders interessant wird es, wenn Konfis zuhause besucht werden. Welche Lebenswelt wird da sichtbar? Im Gespräch mit Konfis kann gemeinsam erkundet werden, was für Jugendliche passt und wie daraus Angebote nach der Konfirmation gestaltet werden könnten. Das Konfi-Jahr ist eine große Chance für eine Horizonterweiterung der Jugendarbeit.

9. Um Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg des Glaubens zu begleiten, braucht es eine Gesamtkonzeption.
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in einer Kirchengemeinde und einem Kirchenbezirk hat viele unterschiedliche Facetten. Oft stehen die einzelnen Angebote unverbunden nebeneinander: Kindergottesdienst, Jungschar und Konfi 3, Religionsunterricht, Waldheimarbeit und Zeltlager, Kinderchor und Musicalfreizeit, Konfi-Jahr und Jugendarbeit. Ein Gesamtkonzept vor allem für den Wegabschnitt zwischen dem 3. und 8. Schuljahr ist wichtig, damit Kinder und Jugendliche besser auf dem Weg des Glaubens begleitet werden. Dabei sollte die biographische Perspektive der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Auch die Rolle und die Erwartungen der Eltern sind einzubeziehen. Wo sind zudem generationenübergreifende Begegnungen in der Gemeinde möglich? Welche Angebote vor Ort, im Distrikt, im Bezirk und auf Landesebene ergänzen sich?

10. Konfi-Arbeit ist noch zu sehr auf den Horizont der Ortsgemeinde fixiert
Für Grundschulkinder, die vor Ort in die Schule gehen, ist die Ortsgemeinde meist noch ein natürlicher Rahmen. Konfis, die auf weiterführende Schulen gehen, haben durch ihre Mitschüler ihr Beziehungsnetz weit über den Ort hinaus. Wer die Perspektive von Jugendlichen einnimmt, wird nicht nur von der eigenen Ortsgemeinde her denken. Der Horizont guter Konfi-Arbeit geht über den eigenen Kirchturm hinaus und nimmt die bestehenden Netzwerke Jugendlicher (Schulen, Vereine, Sozialraum) ernst. Eine ängstliche Enge und mangelnde Blicke über den eigenen Kirchturm hinaus unterdrücken geistliches Wachstum und Mündigkeit. Eine begleitete Auseinandersetzung mit verschiedenen Frömmigkeitsstilen fördert den eigenen Glauben. Nachbargemeinden und die verschiedenen Träger Evangelischer Jugendarbeit sollten sich über Runde Tische vernetzen. Gemeinsam entwickeln sie dann ein Konzept für die Konfi-Arbeit im Distrikt, überörtliche Praktika, Konfi-Tage, Jugendgottesdienste und Freizeiten einschließt.

(Hinweis: Die Denkkarten „Jugend- und Konfi-Arbeit“ wurden erstellt von der „ejw-Denkwerkstatt Zukunft“ und dem Kompetenzteam: Damaris Binder, Michael Born, Martin Buhlmann, Ulrich Erhardt, Gottfried Heinzmann, Tobias Kenntner, Reinhold Krebs, David Lehmann, Julia Schaffroth, Bernd Wildermuth. Die Thesen stehen unter Creative-Commons-Lizenz (BY-NC-SA). Sie dürfen unter Namensnennung (ejw, Autoren) weiter genutzt und bearbeitet, aber nicht kommerziell verwendet werden. Weitere Bearbeitungen müssen unter der gleichen Lizenz veröffentlicht werden.)

Empfehlenswerte Literatur und Internetressourcen:

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Verknüpfung von Konfi- und Jugendarbeit
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