Noch immer ist es ein Klassiker, das schöne Lied von Margret Birkenfeld „Ja, Gott hat alle Kinder lieb“. In der letzten Auflage des Liederbuchs für die Jugend waren keine Strophen abgedruckt, weil diese aus heutiger Sicht nicht mehr interkulturell-sensibel genug sind. Immerhin hat sogar der Thienemann Verlag das „Negerlein“ aus der Kleinen Hexe von Otfried Preußler gestrichen und damit eine heftige Debatte in den Feuilletons ausgelöst (vgl. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/otfried-preussler-und-die-debatte-ueber-veraltete-sprache-im-kinderbuch-a-884511.html ).



Auch das neue Liederbuch für die Jugend mit dem Titel „Kommt und singt“, das im September 2015 erschienen ist (Details hier http://konfi3.de/kommt-und-singt-liederbuch-fuer-die-jugend/ vgl. http://www.randomhouse.de/Buch/Kommt-und-singt-Liederbuch-fuer-die-Jugend/Thomas-Ebinger/e475086.rhd), wird keine Strophen für das Lied enthalten, sondern nur den Refrain. Ich habe versucht, Alternativstrophen zu dichten, vielleicht mag die ja jemand verwenden oder weiter verbessern (bitte unten als Kommentar posten). Denn das Lied lebt ja doch von den verschiedenen Kontinenten und Kulturen, die es beschreibt und lässt sich leicht inszenieren, wenn man die Kinder passend zur Kultur kleidet und ausstattet.

Den Originaltext findet man z. B. hier: http://www.lgvgh.de/wp/ja-gott-hat-alle-kinder-lieb-lied-und-text/5863

Ja, Gott hat alle Kinder lieb

Text und Musik: Margret Birkenfeld, Alternativstrophen 1-3: Thomas Ebinger, Str. 5 Stephanie Bauspieß

Ref: Ja, Gott hat alle Kinder lieb, jedes Kind in jedem Land. Er kennt alle unsre Namen, alle unsre Namen. Hält uns alle, alle in der Hand.

1. Ich bin ein kleiner Inuk-Mensch, aus Schnee bau ich mein Haus. Und kommt kling-klang ein Schlitten an, streck ich die Nase raus! (Schlitten, Winterkleidung)
2. Mit Stäbchen ess ich gern vom Reis, denn der schmeckt mir so gut. Die Schrift ist leider ziemlich schwer, egal, ich habe Mut. (Essstäbchen, chinesische Schriftzeichen)
3. Ich trommle, tanze, singe gern, bei uns ist es sehr heiß. Der Weg zum Wasser ist oft weit, da fließt dann ganz schön Schweiß. (afrikanische Trommel, Wasserkrug)
4. In meinem bunten Federschmuck, schleich ich mich durch den Wald; ganz leis auf meinen Mokassins- wenn´s knistert, schrei ich HALT! (Originalstrophe, Indianer-Verkleidung)
5. Europa heißt der Teil der Welt, wo ich zu Hause bin. Und mein Gesicht sieht aus wie deins, die Nase MITTENDRIN! (Variante von Stephanie Bauspieß, jeder zeigt auf seine Nase)
6. Und bist du einmal auf der Flucht, weil Krieg zerstört dein Land,
dann sagen wir: „Willkommen hier, wir reichen dir die Hand!“ (Vorschlag von Marianne Faust, Einige Kinder laufen umher, am Schluss reichen die anderen ihnen die Hand)

Strophen zum Kopieren und Einfügen

Hier gibt es die alten und neuen Strophen fertig für die schöne Tastenkombination Strg + C, Str + V (Copy and Paste) und das nächste Liedblatt:

Ref: Ja, Gott hat alle Kinder lieb, jedes Kind in jedem Land. Er kennt alle unsre Namen, alle unsre Namen. Hält uns alle, alle in der Hand.

1. Ich bin ein kleiner Inuk-Mensch, aus Schnee bau ich mein Haus. Und kommt kling-klang ein Schlitten an, streck ich die Nase raus!

2. Mit Stäbchen ess ich gern vom Reis, denn der schmeckt mir so gut. Die Schrift ist leider ziemlich schwer, egal, ich habe Mut.

3. Ich trommle, tanze, singe gern, bei uns ist es sehr heiß. Der Weg zum Wasser ist oft weit, da fließt dann ganz schön Schweiß.

4. In meinem bunten Federschmuck, schleich ich mich durch den Wald; ganz leis auf meinen Mokassins- wenn´s knistert, schrei ich „Halt“!

5. Europa heißt der Teil der Welt, wo ich zu Hause bin. Und mein Gesicht sieht aus wie deins, die Nase mittendrin!

6. Und bist du einmal auf der Flucht, weil Krieg zerstört dein Land,
dann sagen wir: „Willkommen hier, wir reichen dir die Hand!“

Text und Musik: Margret Birkenfeld, Alternativstrophen in Anlehnung an das Original 1-3: Thomas Ebinger, Str. 5 Stephanie Bauspieß, Str. 6 Marianne Faust

Wer dichtet weiter?

Die Strophen sind m. E. noch immer nicht perfekt, wer Lust hat weiter zu texten, darf das in den Kommentaren gerne tun. Das Lied passt nämlich grundsätzlich sehr gut, um Flüchtlinge willkommen zu heißen (#refugeeswelcome). Aber da bräuchte es noch einmal ganz andere Strophen, die weniger die traditionellen Bilder anderer Kontinente bedienen und mehr auf die gegenwärtige Situation dort eingehen. Ein Anfang wäre vielleicht eine Flüchtlingsstrophe statt der bewusst ausgelassenen Zigeuner-Strophe, die man nicht einmal als Sinti-und-Roma-Strophe retten kann (vgl. das in Deutschland bisher oft vernachlässigte Thema Antiziganismus https://de.wikipedia.org/wiki/Antiziganismus).

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Ja Gott hat alle Kinder lieb – neue Strophen für ein altes Lied
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22 Gedanken zu „Ja Gott hat alle Kinder lieb – neue Strophen für ein altes Lied

  • 13. September 2017 um 20:16
    Permalink

    Lieber Thomas, da ich mich gerade intensiver mit diesen Themen beschäftige und zufällig hier gelandet bin, will ich das auch kommentieren. Ich habe neulich das Lied mit den alten Strophen gehört und war sprachlos. Ich finde Deine Absicht und die Sensibilität dahinter sehr lobenswert, die Klischees und Stereotype werden m. E. jedoch auch in der Umdichtung weiter bedient und verfestigt. Ich kenne viele weiße Afrikaner und solche, die nicht trommeln und auch nicht zum Wasser holen laufen. Die Indigenen Amerikas wollen nicht Indianer genannt werden, die meisten tragen weder Federschmuck noch Mokassins und schleichen auch nicht durch den Wald. Und was soll Inuk sein und wer soll das verstehen? Meinst du Inuit? Auch das: umstritten. Auch Deine Strophen sagen im Subtext: Die in den anderen Kontinenten sind vor allem: anders. Die in Afrika arm etc. Bezeichnend ist doch, dass einzig das Europa-Kind (welches Europa? Spanien? Niederlande? Rumänien?) mit keinem „eigenen“ Klischee versehen ist, es ist, auch wenn es nicht mehr ausgesprochen ist, „weiß“, blanko, von dem aus die Unterschiede der anderen benannt werden. Wie würden andere Kulturen wohl über die Kinder in Europa dichten? Würden sich die Kinder hier wiederfinden, wenn z.B. gesagt würde, das Kind aus Europa isst Käse und sieht auch so aus (könnte ja auch nett gemeint sein…)? Oder die Kinder in Europa tanzen Flamenco (weil das einige vielleicht tun). Ich finde die Grundbotschaft des Refrains wunderbar. Darin ist alles enthalten. Sie kann man gar nicht genug hervorheben. Herzliche Grüße und das Weitere lieber im persönlichen Gespräch!

    Antworten
    • 14. September 2017 um 7:14
      Permalink

      Liebe Yasna, vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Das ist tatsächlich eine spannende Debatte, die weit in beide Richtungen geht. Ich versuche ja gerade eine Mittelposition einzunehmen. Ich finde, dass man Kindern durchaus Diversitiy nahe bringen kann, sie neugierig machen kann für die Verschiedenheit von Menschen und dabei auch typische Eigenschaften benennen darf. Vermutlich steckt hinter Deinem Kommentar die Debatte um Eurozentrismus (https://de.wikipedia.org/wiki/Eurozentrismus). Die Frage ist, ob wir diesem Eurozentrismus entgehen können, denn wir bleiben perspektivisch gebunden. Trotzdem sollten wir keine Klischees bedienen und Voruteile bei Kindern pflanzen. Das ist ja das Anliegen der neuen Strophen. Ich vermute, dass viele, die das Lied lieben und singen wollen, eher die alten Strophen nehmen als das Lied gar nicht zu singen. Für die sind die neuen Strophen ein Copy+Paste-Angebot.
      Wenn Du Lust hast, schreib mir doch gerne in diesem Blog einen Gastkommentar. Das könnte eine spannende Debatte werden. Und lass uns gern mal darüber reden 🙂

      Antworten
  • 7. September 2017 um 15:03
    Permalink

    sprechende autos , lokomotiven und so weiter, finde ich schlimmer als dieses Kinderlied. Rassismuns betreiben wir wenn wir dieses Lied ändern. Überall auf der Welt wird es so gesungen, nur bei uns nicht. Sollte sich jeder mal die frage stellen warum nicht.

    Antworten
  • 6. September 2017 um 19:58
    Permalink

    Was ist so schlimm daran dass nicht alle Menschen gleich aussehen? Hat Gott sich nicht politisch korrekt verhalten? Die Menschen sind schön und werden in allen Farben geliebt;deswegen habe ich eigentlich das Lied gegoogelt. Ich hatte auf eine Strophe mit Ägypten und dem Nil gehofft. Das ist ein Kinderlied Kinder müssen nicht Inuit sagen,schwarz oder gelb vermeiden,lieben es Indianer zu spielen,sondern verstehen mit dem Lied dass Gott alle Kinder liebt. In Afrika sind die Menschen nun mal in allen Tönen von braun bis schwarz. Ist das schlimm? Meine Tochter bekommt hoffentlich so krausses Haar wie ihr Papa und vielleicht wird sie auch so braun wie er. Schlimmer ist es dass er aufgrund seines Glaubens nach Europa musste.

    Antworten
    • 6. September 2017 um 22:01
      Permalink

      Vielen Dank für die Anmerkung. M. E. ist gar nichts schlimm daran. Es ist schön, dass Menschen verschieden sind. Kinder sind ja gerade neugierig auf diese Verschiedenheit. Und Gott hat alle geschaffen, keine Frage. Aber die Diskussion um klischeehafte Blicke auf bestimmte Kontinente und die Menschen, die dort leben, ist durchaus berechtigt. Wir sollten vorsichtig sein und nicht Kindern durch Lieder Vorurteile vermitteln, die man dann später mühsam wieder korrigieren muss. Eine Ägypten-Strophe wäre natürlich sehr nett, vielleicht dichten Sie ja eine und teilen Sie mit den anderen?

      Antworten
  • 10. August 2017 um 10:26
    Permalink

    Auch ich habe die neuen Strophen verwendet, vielen Dank dafür!
    Die zweite Strophe habe ich etwas angepasst, es schien mir vom Rhythmus her einfacher:

    2. Mit Stäbchen ess ich gern vom Reis, denn der schmeckt mir so gut. Die Schrift ist leider ziemlich schwer, egal, ich habe Mut.

    Antworten
    • 10. August 2017 um 11:24
      Permalink

      Vielen Dank für den Verbesserungsvorschlag, den nehme ich doch glatt in die kopierbare Version auf. Jetzt müsste man nur die Formulierung mit den Schriftzeichen noch besser hinbekommen, da bin ich auch noch nicht ganz zufrieden …

      Antworten
  • 28. Januar 2017 um 20:08
    Permalink

    Ich habe eine Strofe folgendermaßen umgedichtet (weil ich nah beim Original bleiben wollte): „Ich habe einen langen Zopf, trag einen spitzen Hut. Ich ess´den Reis mit Stäbchen und trinke Tee dazu“.

    Antworten
    • 28. Januar 2017 um 21:49
      Permalink

      Vielen Dank für den Vorschlag!

      Antworten
  • 4. Juli 2016 um 18:39
    Permalink

    Laufen die Ureinwohner Amerikas wirklich noch mit Federschmuck und Mokkasins durch den Wald und sind auf Fährtensuche?

    Vielleicht eher sowas wie:
    Ich lebe in Amerika in einer bunten Welt, es gibt ganz viel um mich herum was mir sehr gut gefällt.

    Ist jetzt nicht aussagekräftik über die USA, aber ich denke auch Frau Birkenfelds Grundaussage war ja: ALLE Kinder auf der GANZEN Welt – und nicht die Beschreibung der Lebensumstände der einzelnen Kinder.

    Antworten
    • 6. Juli 2016 um 17:16
      Permalink

      Vielen Dank für die neue Strophe. Natürlich sieht das Leben in Amerika heute anders aus. Andererseits sind Indianer bei Kindern weiter so populär, dass man die imho fast nicht herauslassen kann aus diesem Lied.

      Antworten
    • 4. November 2016 um 9:53
      Permalink

      Ja, in Südamerika verschiedene Stämme im Amazonas Urwaldgebiet. Leider sinbd wir so sehr auf die Nordamerikanischen Indianer fixiert.Es gibt ja soooo viele Indianerstämme, die ihre eigene Kultur, Sprache Kleidung und Lebensweise bewahren.Ich arbeite mit Ngnobe-Indianern in Panama zusammen.
      Allein in Panama gibt es 6 – 7 sehr unterschiedliche Stämme.

      Antworten
  • 27. Januar 2016 um 18:26
    Permalink

    Eine Idee für eine weitere Strophe zum aktuellen Flüchtlingsthema:

    Und bist du einmal auf der Flucht, denn Krieg zerstört dein Land
    Dann sagen wir: „Willkommen hier, wir reichen dir die Hand!“

    Antworten
    • 27. Januar 2016 um 22:23
      Permalink

      Sehr schön! Das passt wunderbar zur aktuellen Lage. Vielleicht könnte man „denn“ noch durch „weil“ ersetzen … Das würde dann so aussehen:
      Und bist du einmal auf der Flucht, weil Krieg zerstört dein Land,
      dann sagen wir: „Willkommen hier, wir reichen dir die Hand!“
      Das gefällt mir so gut, dass ich es gleich oben integriere!

      Antworten
  • 17. Januar 2016 um 22:31
    Permalink

    Wir haben bei uns das Lied schon mal komplett überarbeitet. Kann die Strophen mal raussuchen und senden…

    Antworten
    • 22. Januar 2016 um 8:54
      Permalink

      Das wäre total nett und würde vielen helfen, wenn man sieht, wie oft diese Seite schon aufgerufen wurde …

      Antworten
  • Pingback: Mein Jahresrückblick 2015 – Ebiblog

  • 13. August 2015 um 16:40
    Permalink

    Hallo,
    ich finde es schön, dass Sie sich Gedanken über neue Strophen für dieses Lied machen. Mir geht es auch so, dass ich das Lied eigentlich sehr gerne mag, es aber nicht wirklich mit Kindern singen mag.
    Besonders die dritte Strophe finde ich immer noch ziemlich schwierig, weil sie die bekannten Afrika-Stereotype verfestigt: exotisch, musikalisch, arm. Das kindgerecht zu durchbrechen ist natürlich gar nicht so einfach.
    Für die letzte Strophe finde ich den Vorschlag oben ganz gut: Und mein Gesicht sieht aus (oder: das ist) wie deins, die Nase mittendrin.
    Wenn ich Vorschläge habe, melde ich mich – bin gespannt, wie es hier weitergeht.

    Antworten
    • 17. August 2015 um 16:50
      Permalink

      Habe Ihren Kommentar leider erst eben gesehen und freigeschaltet, wenn Sie weitere Vorschläge für Strophen haben, immer her damit. Wenn wir für alle Strophen eine gute Lösung haben, stelle ich gern nochmal eine Copy and Paste-Lösung für den nächsten Familiengottesdienst zusammen.

      Antworten
  • 20. Juli 2015 um 14:02
    Permalink

    Vielleicht: Europa heißt der Teil der Welt, wo ich Zuhause bin. Und mein Gesicht sieht aus wie deins, die Nase mittendrin! 😉

    Antworten
  • 2. Juli 2015 um 12:44
    Permalink

    „Europa heißt der Teil der Welt, wo ich zu Hause bin. Und mein Gesicht, das ist ganz weiß, die Nase MITTENDRIN! “

    Nicht ersthaft? Oder?

    Antworten
    • 8. Juli 2015 um 8:23
      Permalink

      Ok, diese Strophe muss überdacht werden, das gebe ich gerne zu. Es sind ja nicht alle weiß bei uns und trotzdem Europäer. Hat jemand eine Idee? Das Zahlungsmittel scheint sich ja nicht als verbindendes Element zu etablieren 🙂

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