Auf diesen Kirchentag habe ich mich gefreut wie auf keinen anderen zuvor: Berlin und Wittenberg, gleich zwei Städte und das im Reformations-Jubeljahr 2017! Den Begriff „Jubiläum“ verdanken wir übrigens der katholischen Kirche, die ihn für ihre heiligen Jahre, bei denen es besonders großzügigen Ablass gab, aus dem Alten Testament entlehnt hat. Aber das nur am Rande.

Unser Konfi-Stand auf dem Markt der Möglichkeiten

Als bundesweite Alpika Konfirmandenarbeit hatten wir wieder einen gemeinsamen Stand. Bei uns kann man sich immer aktuelles Material anschauen, Beratung bekommen und an besonderen Aktionen teilnehmen. Dieses Jahr haben wir uns vom Motto des Kirchentags inspirieren lassen und mit V(irtual)-R(eality)-Brillen experimentiert. Mit viel Überzeugungsarbeit ist es uns gelungen, sechs Konfis zu überreden, dass Sie uns ihr Zimmer in einer 360°-Aufnahmen zeigen und drei Fragen beantworten: Was bewegt dich persönlich gerade am meisten? Was hat dir die Konfi-Zeit bisher gebracht? Wie siehst du Gott? Zu den echten Antworten haben wir zwei falsche dazugepackt, fertig war das Ratespiel. Wer ist die beste Konfi-Versteherin? Zum Schluss durfte man sich dann noch überlegen, wie Gott diesen Konfi sieht. Perspektivenwechsel digital. Am Stand war großer Andrang, schließlich gibt es immer noch viele Leute, die noch nie durch eine VR-Brille geschaut haben. Ein paar Ideen sind nebenher auch entstanden, wie man diese Brillen in der Konfi-Arbeit einsetzen kann. Das Medienhaus in Stuttgart hat diese Brillen jetzt übrigens im Verleih (6 Oculus Gear VR Headsets mit passenden Smartphones Samsung Galasy S6) – für alle Württemberger, die damit mal experimentieren wollen.

Weitere Highlights

Neben den Standdiensten war ich mit einem Bibelclouds-Workshop im Zentrum Jugend beschäftigt, der wie schon in Stuttgart sehr gefragt und sogar überfüllt war. Außerdem haben wir in einem Workshop zu dritt Konfi 3 vorgestellt, wie es in Bremen, Baden und Württemberg umgesetzt wird. Leider war das Angebot im Programm etwas versteckt, weil wir es über den Stand im Markt der Möglichkeiten angemeldet hatten und der Raum schwer zu finden war. Trotzdem war bei denen, die gekommen waren, ein großes Interesse an dieser Form von Konfirmandenarbeit zu spüren, die sich noch längst nicht überall in Deutschland durchgesetzt hat.

Sehr beeindruckt war ich von Obama im Gespräch mit Angela Merkel. Hier war die Sehnsucht nach einer besseren, vernünftigen, von Werten getragenen Welt und Weltpolitik mit Händen zu greifen. Sehr schön war auch das Mitsing-Konzert von Albert Frey. Zum Abschluss waren wir in Wittenberg. Den Vormittag hat es noch zum Sightseeing gereicht. Sehr gemischte Gefühle hat bei uns der Abschlussgottesdienst hinterlassen. Der Weg war in der brütenden Hitze so beschwerlich, dass ich mich an alttestamentliche Pilger erinnert fühlte, die durchhalten müssen, bis sie am Ziel ankommen. Nur war das Ziel nicht die goldene Stadt Jerusalem, sondern nur eine mit LED-Großleinwänden und Verstärkeranlage aufgepimpte Wiese. Über den Gottesdienst ist schon viel Kritisches gesagt worden. Ich empfand ihn als Addition von Würdenträgern, die alle Richtiges, aber wenig Berührendes gesagt haben. Eine echte Idee hat dem Gottesdienst gefehlt, etwas Verbindendes, eine Aktion, an die man sich später noch erinnert. Für Jugendliche war quasi nichts dabei. Eher war es ein Gottesdienst für Senioren, die sich noch einmal jung fühlen wollen. Schade. Eine verpasste Gelegenheit, zu zeigen, dass Gottesdienste spannende Massenevents und inspirierend zugleich sein können.

Ein paar Impressionen

Passend zu den VR-Brillen habe ich mir noch eine 360°-Kamera geleistet, eine Samsung Gear 360 (das Vorgängermodell der aktuellen Kamera). Was ich erhofft hatte, klappt leider nicht: Es ist nicht möglich, in Echtzeit mit einer VR-Brille die Bilder der Kamera zu sehen. Natürlich bekommt man ein Bild auf das Handy gestreamt, aber nur ohne VR. Dafür macht sie m. E. ziemlich gute Fotos und Videos, die man dann nachträglich noch zusammenfügen („stitchen“) muss. Dafür gibt es ein Windowsprogramm, das leider nur mit aktuellen Rechnern funktioniert. Für Linux kann man bei den Fotos dieses schöne Skript verwenden, das hugin verwendet: https://github.com/ultramango/gear360pano

Achtung: Bei den 360-Grad-Videos und -Fotos kann man die Perspektive wählen und sieht oft erst etwas Sinnvolles, wenn man das auch tut.

Fotos

360-Grad-Fotos

Videos

Barack Obama und Angela Merkel am Brandenburger Tor in Berlin

 

Innenansicht der Stadtkirche Wittenberg mit dem schönen Reformationsaltar von Lucas Cranach (Vater und Sohn)

 

Die Pontonbrücke über die Elbe

Lesetipps zum #DEKT17

Einige Artikel wurden in den Social Media nach oben gespült, die sehr kritisch über den Kirchentag berichtet haben. Zum Teil finde ich die Kritik berechtigt. Andererseits ist jeder selbst schuld, der einen flachen Kirchentag erlebt hat. Wie jedes Mal gab es spannende Veranstaltungen in Hülle und Fülle, die locker für ein ganzes Jahr Kirchentag gereicht hätten. Alle aktuellen Fragen kamen vor. Prominenz gab es mehr als genug zu sehen. Die Frommen kamen nicht nur bei einem wie schon in Stuttgart integrierten Christustag (http://www.christustag.de/berlin/) auf ihre Kosten. Die Progressiven feierten als Zeichenhandlung eine #TrauungFürAlle (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/trauung-fuer-alle-in-der-berliner-marienkirche-sarah-und-eva-heiraten-a-1149527.html). Bestimmt waren irgendwo auch Fromm-Progressive unterwegs, denn nach meinem Eindruck beginnen die alten Fronten sich allmählich aufzulösen in einer Zeit, in der das Christentum angesichts zunehmender Konfessionslosigkeit bzw. -freiheit spürbar an gesellschaftlicher Relevanz und spiritueller Ausstrahlungskraft verliert.

Übrigens: Wenn man sehen will, was in sozialen Netzwerken viel geteilt und gelesen wird, ist Theoradar eine gute Anlaufstelle.

Wie immer freue ich mich über Kommentare und Ergänzungen. Denn viele, die bis hierher gelesen haben, waren sicher auch auf dem Kirchentag oder bereuen es, diesmal nicht gefahren zu sein. 

Ich sah dich – mein Kirchentag in Berlin
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