Die perfekte Art von Urlaub mit Stadtkindern: eine Eselwanderung. Insgesamt sieben Wandertage waren wir mit zwei Eseln unterwegs. Die tragen das ganze Gepäck, die Menschen können entspannt wandern. Unsere Tagestouren waren 15-20 Kilometer lang, deshalb hatten wir besonders lauffreudige Esel der Kategorie b.m. (bon marchant) bekommen. Die schaffen mit bis zu 40 kg Gepäck locker 30 km am Tag und waren am Abend kein bisschen müde – anders als wir.

In Castagnol bekamen wir am Vorabend des ersten Wandertags eine gründliche Einführung mit Übemöglichkeit: die zwei wichtigsten Knoten, um einen Esel anzubinden; das Auskratzen der Hufe; das Einsalben des Eselbauchs gegen die lästigen Bremsen und Blutsauger; das Satteln und gleichmäßige Beladen. Alles nicht ganz einfach, aber mit ein wenig Übung gut machbar.

Erfahrungen beim Wandern

Unsere beiden Eselinnen Uana, die schon etwas älter war, und die junge Carline marschierten gleich kräftig los. Esel haben klare Hierarchien, interessant, dass Uana der Jüngeren den Vortritt ließ. Schwer ist beim Esel immer der Start. Da braucht es viele Aufforderungen, Klapse auf den Hintern, Rascheln mit Zweigen, Rütteln am Halfter. Aber wenn man es geschafft hat, die Esel in Gang zu bringen, sind sie fast nicht mehr zu stoppen. Außer von schmackhaften Gräsern am Rand …

Ein besonderes Highlight war es, dass die Esel am vierten Tag sogar ganz ohne Seil hinter uns hermarschierten.

Was man von Eseln lernen kann

Für Bibelkenner ist der Esel natürlich ein sehr vertrautes Tier. Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein, hoffentlich war der auch bon marchant … Saul muss entlaufene Eselinnen suchen und wird dabei zum König gesalbt (https://www.bibleserver.com/text/LUT/1.Samuel9). Uns hat man erzählt, dass Esel nie weit weglaufen, weil sie immer schnell etwas zum Fressen finden und dort stehen bleiben. Aber vielleicht war es ja eine besonders karge Gegend, wo man lang suchen musste. Und dann natürlich die berühmte Geschichte von Bileams Eselin (https://www.bibleserver.com/text/LUT/4.Mose22), der hart mit dem Stecken zuschlägt, obwohl tatsächlich ein Engel den Weg versperrt. Eine wunderbare Tierschutzgeschichte und eine Mahnung an uns Menschen, auch die Spiritualität der Tiere ernst zu nehmen. Vielleicht ist ja doch nicht alles Projektion von Menschen auf Tiere. Esel haben jedenfalls viele Gefühle und man spürt, wie es ihnen geht. Angst und Mut liegen bei ihnen nahe beieinander. Man muss ihnen gut zureden, wenn sie über eine Wasserstelle gehen wollen. Aber sie gehen manchmal gefährliche, felsige, schmale Wege ohne mit der Wimper zu zucken.

Für uns als Familie waren sie jedenfalls ein herrlicher Ruhepol und es fiel uns richtig schwer, sie am Ende im Stall wieder abzugeben.

Natürlich hatten wir als Städter durchaus mit den Strecken zu kämpfen, Blasen, Kratzer an den Beinen, Stürze blieben nicht aus. Die ersten hundert Meter waren oft eine Überwindung, bis der Schmerz langsam nachließ. Aber herrliche Aussichten (siehe unten die 360°-Aufnahmen) und die Aussicht auf das Panaché-Radler am Ziel machten alles wett.

Die Stationen

Hier für alle Interessierten unsere Übernachtungsstationen:

  1. Castagnols: Ein wunderbarer Start in persönlicher Atmosphäre mit Aperitif und gemeinsamem Abspülen der Gäste nach genossenem leckerem Abendessen.
  2. Les Bastides/Gîte Le Merlet:  eine der schönsten und familiärsten Unterkünfte mit wunderbarem Frühstück und herrlichem Abendessen. Ein netter Osteopath richtete mit ein paar Handgriffen einen verstauchten Fuß, der ab da schmerzfrei war.
  3. Castagnas, Espace Stevenson (statt Mijavols, wo kurz davor eine Bettwanzenplage ausgebrochen war, die wir uns vom Leib halten wollten):
  4. Florac (Hôtel „Le Rochefort“): Ein etwas außerhalb der Stadt liegendes Hotel ohne Abendessen, dafür sehr nett geführt von einem älteren Ehepaar und mit dem besten Wifi der Reise.
  5. La Fage (Gîte d’etappe de la Fage) : in einem sehr ursprünglich wirkenden, kleinen Dorf ist man hier sehr privat untergebracht und wir wurden sehr persönlich bekocht und versorgt.
  6. Mont Lozère (Gîte Le Refuge): Das beste Abendessen der Reise mit leckerem Wildschwein-Gulasch. Und das zweite Mal Wifi auf der Wanderung, wenn auch langsam.
  7. Mas de La Barque (Gite Le Mas de la Barque): Etwas merkwürdig geführtes Ferienressort, in dem die Steckdosen auf den Zimmern keinen Strom hatten)
  8. Wieder Castagnols

Leider ist Wifi in den Unterkünften Mangelware, immerhin gibt es praktisch überall auf dem Weg eine gute Mobilfunkverbindung mit mobilen Daten, die man Dank unserer lieben EU inzwischen halbwegs bedenkenlos nutzen kann.

Der Stevenson-Weg

Einige Etappen waren identisch mit dem berühmten Stevenson-Weg. Robert Louis Stevenson, ein schottischer Dichter des viktorianischen Zeitalters (https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Louis_Stevenson) hat mit der störrischen Eselin Modestine 220 km in zwölf Tagen zurückgelegt. Nicht schlecht für einen kränkelnden Autor, der 1879 mit „Travels with a Donkey in the Cévennes“  einen der ersten modern anmutenden Traveler-Berichte vorlegte, der bis heute lesenswert ist (Englisch hier: http://www.gutenberg.org/ebooks/535).

Eselwanderung buchen

Wir haben bei einem Anbieter in Deutschland gebucht, würden nach unseren Erfahrungen aber empfehlen, direkt bei der Asinerie „Gentiâne in den Cevennen“ in Castagnols zu buchen. Dort sprechen alle perfektes Deutsch, sind extrem hilfsbereit und bieten so viele verschiedene Touren an, dass für jeden etwas dabei sein dürfte. Ausführliche Informationen finden sich auf ihrer Internetseite: http://ane-et-randonnee.fr/de/

Wir haben auf jeden Fall beschlossen, dass das nicht unsere letzte Eselwanderung war und wir wollen beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder Uana und Carline als unschlagbares Team.



Impressionen

360-Grad-Fotos

 


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Wandern mit Eseln in den Cevennen

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