Da sind sie wieder, meine Gedanken und Ideen zur Jahreslosung. Seit 2014 gibt es die hier im Blog. Wie immer ist so ein Blogbeitrag work in progress, vor allem die Ideen für Konfi und Jugendarbeit müssen noch nachgeliefert werden. Und wer weitere gute Quellen für Anregungen, Bilder und Lieder kennt, darf sie mir gerne nennen. Wer schnell ist, kann heute noch um 17 Uhr live dabei sein beim
Gottesdienst zur Jahreslosung am 1.1.26 aus Ostfildern-Kemnat
Predigt
Liebe Gemeinde
alles neu im neuen Jahr. 2026. Da müssen wir uns erst einmal dran gewöhnen. 1.1. Wir fangen von vorne zu zählen an. Und ein neues Jahr ist immer auch die Chance, Dinge neu zu sehen, neu zu beginnen, anders zu machen als bisher. Es soll Leute geben, die sich neue Vorsätze machen. Wir blicken voraus, was des neue Jahr bringen wird und freuen uns auf manches davon, manches betrachten wir mit Bangen – was wohl das neue Jahr bringen wird?
Große Dinge rücken in den Blick. Die Weltpolitik und der Zustand des Planeten Erde. Kleine Dinge sind es, die das neue Jahr prägen werden. Neue Begegnungen. Ein neuer Job vielleicht, ein neues Hobby.
Neu ist auch die Jahreslosung, auf die ich mich jedes Jahr besonders freue. Wieder geht es – wie im vergangenen Jahr – um Alles. 2025 sollten wir alles prüfen und das gute Behalten. Die neue Jahreslosung richtet den Blick stärker auf Gott. Sie stammt aus Offenbarung 21,5: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.
Das Neue ist ja nicht immer besser als das Alte. Manche Neuerung hat sich im Lauf der Zeit als ein Irrweg herausgestellt, als Sackgasse, als schiefe Ebene, die alles schlimmer macht. Aber wenn Gott das sagt, ist es etwas anderes. Dann gibt es uns Hoffnung im neuen Jahr.
Wie immer ist die Jahreslosung etwas, das man sich gut merken kann, ein dichter Satz. Und immer lohnt es sich, einen solchen Satz im Zusammenhang zu lesen und zu verstehen. Er stammt aus dem letzten Buch der Bibel und dort aus dem vorletzten Kapitel. Offenbarung 21. Ein Text, den wir sonst eher von Beerdigungen oder vom Ewigkeitssonntag kennen. Ein sehr grundsätzlicher Text.
Hören wir ihn im Zusammenhang:
Offenbarung 21,1–,5:
[1] Dann sah ich einen neuen Himmel
und eine neue Erde.
Denn der erste Himmel und die erste Erde
sind vergangen,
und das Meer ist nicht mehr da.
[2] Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem.
Sie kam von Gott aus dem Himmel herab –
für die Hochzeit bereit wie eine Braut,
die sich für ihren Mann geschmückt hat.
[3] Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen:
»Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen!
Er wird bei ihnen wohnen,
und sie werden seine Völker sein.
Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.
[4] Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen.
Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben,
kein Klagegeschrei und keinen Schmerz.
Denn was früher war, ist vergangen.«
[5] Der auf dem Thron saß, sagte:
»Ich mache alles neu.«
Und er fügte hinzu: »Schreib alles auf,
denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.«
[6] Dann sagte er zu mir: »Es ist geschehen!
Ich bin das Alpha und das Omega,
der Anfang und das Ende.
Ich werde dem Durstigen Wasser geben,
das aus der Quelle des Lebens fließt.
Ich gebe es ihm umsonst.
[7] Wer siegreich ist und standhaft im Glauben,
wird das alles als Erbe erhalten.
Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Kind sein.
1. Gott macht am Ende alles neu
Zuerst einmal fällt auf, wie stark sich die Jahreslosung auf eine ganz grundsätzliche Erneuerung am Ende der Zeit bezieht. Eine Zeit, in der unsere Erde so gar nicht mehr existiert. Eine End-Zeit, in der unsere Zeit überwunden und verwandelt ist.
Es geht um das neue Jerusalem, die ewige Stadt, wo Gott dauerhaft bei den Menschen wohnt. Wo Jesus allen als Licht leuchtet und es nicht mehr wie hier auf der Erde Tag und Nacht gibt.
Es fällt auf, wie stark Gottes Handeln betont wird, seine Macht, Dinge grundlegend zu verändern. Und wie wenig die Rede davon ist, dass auch wir alles neu machen müssen, uns anstrengen, Dinge bewegen, damit sich etwas ändert.
Es geht um eine orientierende Hoffnung, die alles Irdische übersteigt und relativiert. Dieser Himmel auf Erden ist für uns nie erreichbar.
Und das ist wohl auch gut so. Der Philosoph Karl Popper hat einmal gesagt: „Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die Hölle. Dieser Versuch führt zu Intoleranz, zu religiösen Kriegen und zur Rettung der Seelen durch die Inquisition“ (Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II, Tübingen 1992, 277).
Die Offenbarung ist eine grandiose Prophetie, die den Christen zu Zeiten des übermächtigen römischen Reichs Mut gemacht hat zum Durchhalten. Auch heute fühlen wir uns den Großmächten mit den dicken Waffen und den dicken Propaganda-Backen ja manchmal hilflos ausgeliefert. Aber wir sind es nicht. Gott sitzt im Regiment – und führet alles wohl, wie Paul Gerhardt es ausdrückt.
Die weltlichen Herrscher haben nicht das letzte Wort und oft genug verfolgen sie Ziele, die nicht im Sinne Gottes sind. Da heißt es für uns, herrschaftskritisch zu bleiben. Den Regierungen auf die Finger zu sehen, demokratisch wo möglich Einfluss zu nehmen und wo das nicht möglich ist, geduldig abwarten, bis Gott die Wende bringt. Und wir sollen nie vergessen, dass unser irdischen Bürgerrecht nicht das entscheidende ist, sondern das Bürgerrecht am himmlischen Jerusalem, die Beheimatung in Gottes Ewigkeit.
Übrigens fällt auf, dass bei der Jahreslosung die Einleitung verändert ist. Im Original steht da ein Satz in der Vergangenheit und Gott spricht vom Thron aus: Der auf dem Thron saß, sagte: »Ich mache alles neu.« Es ist ein Blick Blick auf die Zukunft im Futur 2, wo etwas Künftiges schon als vergangen angesehen wird. So sicher wird das kommen.
Und es ist bemerkenswert, dass Gott selbst spricht. Der tut das gar nicht so oft in der Offenbarung. In Offenbarung 1 ist zum letzten mal eine wörtliche Rede Gottes wiedergegeben. Das unterstreicht die Bedeutung dieses Satzes „Ich mache alles neu.“.
Interessant ist auch, welches „neu“ gemeint ist. Im Griechischen gibt es zwei verschiedene Begriffe für neu. Das eine ist „neos“ und meint etwas zeitlich Neues. Das ist als Vorsilbe auch bei uns gebräuchlich. Es gibt Neo-Logismen, den Neo-Liberalismus und leider auch Neo-Nazis.
Daneben gibt es das griechische Wort „kainos“, das meint eine neue Qualität, etwas, das nicht nur anders, sondern besser ist als das Alte. Und genau dieses Wort wird in der Jahreslosung verwendet!
2. Alles neu und manches neu
Was kann uns das heute sagen, diese künftige Total-Erneuerung und Verbesserung der Welt, diese komplette Abschaffung von Tränen, Tod und Leid? Das Ende der Welt, wie wir sie kennen? Es ist ja nicht so, dass Gott bis dahin untätig ist. Schon einmal hat er aus dem Nichts alles erschaffen. Und Gott erneuert die Schöpfung ständig, wie wir es in Psalm 104,30 in dem großen Schöpfungspsalm lesen. Dort steht:
[30] Schickst du deinen Lebensatem aus,
dann wird wieder neues Leben geboren.
So machst du das Gesicht der Erde neu.
Gott ist ständig am Erneuern und Renovieren, in der Schöpfung und auch in unserem Leben. Er schafft äußeres und inneres Leben neu. Er will, dass wir neue Menschen sind, er will uns ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Die Bibel ist voll von solchen Erneuerungs-Botschaften, die Gottes Wirken beschreiben.
Creatio continua nennt man das, fortdauernde Schöpfung. Gott hat die Welt nicht einmal wie ein Uhrwerk gemacht, das dann ohne sein Eingreifen quasi mechanisch abläuft. Sondern er erhält und bewahrt seine Schöpfung aktiv, greift immer wieder regelnd ein und verhindert, dass sie vor der Zeit kaputt geht. Als Zeichen seiner Treue hat er den Regenbogen in die Wolken gesetzt und er benutzt uns als Mitarbeiter bei der Erhaltung der Schöpfung, als seine Stellvertreter, indem wir die Schöpfung bebauen und bewahren.
Gott macht ständig vieles neu und eines Tages alles. Auch das gehört zur Botschaft der Jahreslosung.
3. Das Lebenshaus renovieren mit Gottes Hilfe
Und das lenkt den Blick auf uns. Erneuern das heißt auf lateinisch Renovieren. Und beim Renovieren denkt man sofort an ein Haus. Denken wir ruhig einmal an unser Lebenshaus, da gibt es immer Renovierungsbedarf, mal mehr mal weniger. Wir können nicht einfach stehen bleiben, Leben heißt aktiv sein und etwas gestalten, sonst vermüllt das Lebenshaus. Jeder kennt das: Ab und zu muss man aufräumen, sonst endet man als Messie. Und ab und zu muss man putzen, sonst wirkt das Lebenshaus schon nach wenigen Wochen abgenutzt und die Lebensqualität sinkt.
Um das Lebenshaus in Ordnung zu halten, ist ab und zu Ausmisten nötig. Vielleicht ist ja das neue Jahr ein guter Zeitpunkt dafür. Im Keller und auf dem Dachboden, in Schränken und Schubladen sammelt sich Kruscht. Man kann nicht alles aufheben. So ist es auch im übertragenen Sinn. Manches muss man loslassen, manche Erinnerung, die nach unten zieht, aufgeben. Manche schlechte Erfahrung gehört ins Reich des Vergessens und nicht ins Regal im Wohnzimmer.
Wenn man heute in Wirtschaft und Kirche Veränderungen angeht, Transformationsprozesse gestaltet und innovativ sein will, hört man immer öfter den Begriff Exnovation. Es gibt keine Innovation ohne Exnovation. Bevor etwas Neues Raum gewinnen kann, muss das Alte ausgemistet und vernichtet werden. Was könnte das sein, was ich aufgeben muss? Welche Gewohnheit, welches Reaktionsmuster, welche Verletzbarkeit, welche negativen Denkmuster, welches Umfeld?
Gott wird auch das Leid und den Schmerz eines Tages vollständig überwinden. Aber was heißt das heute, wo es kein Leben ohne dieses Negative gibt? Gibt es ein richtiges Leben im falschen?
Paulus erklärt das in 2. Kor. 4 mit dem Bild von einem Schatz in einem Tongefäß. Gottes Herrlichkeit ist am Wirken auch und gerade in unserer Schwachheit:
2. Korinther 4,7–6,10:
[7] Wir tragen diesen Schatz aber
in zerbrechlichen Gefäßen.
So soll deutlich werden,
dass unsere übergroße Kraft von Gott kommt
und nicht aus uns selbst.
[8] Wir stehen von allen Seiten unter Druck,
aber wir werden nicht erdrückt.
Wir sind ratlos, aber wir verzweifeln nicht.
[9] Wir werden verfolgt,
aber wir werden nicht im Stich gelassen.
Wir werden zu Boden geworfen,
aber wir gehen nicht zugrunde.
[10] Täglich erleben wir am eigenen Leib
etwas von dem Sterben, das Jesus erlitten hat.
Denn unser Leib soll auch das Leben zeigen,
zu dem Jesus auferstanden ist.
Es ist die gleiche erneuernde Kraft Gottes, die in uns wirkt wie die, die am Ende alles neu schafft. Nur eben unter anderen Bedingungen. Wer jetzt schon denkt, durch den Glauben wäre alles Leiden vorbei, der ist ein Schwärmer, wie man das in der Reformationszeit nannte. Der verliert die Bodenhaftung und der übersieht, dass es das Wort vom Kreuz ist, das heil macht.
Es gibt ein gutes Leben auch im vergänglichen Lebenshaus unseres Körpers, unser irdischen Existenz.
In Christus gehören wir schon jetzt zur neuen Schöpfung, wie Paulus ein Kapitel weiter in 2. Korinther 5 betont:
[17] Wenn jemand zu Christus gehört,
gehört er schon zur neuen Schöpfung.
Das Alte ist vergangen,
etwas Neues ist entstanden!
Wie sollen wir nun unser Lebenshaus renovieren? Wir haben ja schon gehört, dass es beim Neuen um Qualität, nicht um Quantität geht. Wenn ich ein Haus renoviere, muss ich es nicht unbedingt vergrößern. Da kommt es eher auf bessere Dämmung an, auf wertigere Lampen und Möbel. So ist es auch im Leben. Es hilft nicht, einfach mehr vom Gleichen in unser Leben einzubauen. Das produziert nur noch mehr Arbeits- und Freizeitstress. Es geht darum, Beziehungen qualitätvoll zu leben. Unsere Zeit klug zu nutzen. Raum für Gottes Eingreifen zu lassen. Die Beziehung zu ihm zu stärken, statt nur Zerstreuung und Ablenkung zu suchen.
Mir gefällt auch der Folgevers unserer Jahreslosung, der noch in den unmittelbaren Zusammenhang gehört. Gott verspricht da:
V. 6 Ich werde dem Durstigen Wasser geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. Ich gebe es ihm umsonst.
Auch das Lebenshaus braucht Versorgung, einen Wasser- und einen Stromanschluss, eine Quelle für Wärme und ja, heute auch schnelles Internet. Gott verspricht hier, selbst die Quelle zu sein, aus der der Lebensdurst gestillt wird. Und er stellt anders als die anderen Versorger keine Rechnung, die jedes Jahr höher ausfällt. Er ist die Quelle des Lebens und die Quelle für ein erfülltes Leben und hier lohnt es sich auf keinen Fall, den Versorger zu wechseln, weil alle anderen Anbieter teurer sind und uns Lebensqualität kosten statt sie zu erhöhen.
4. Schluss
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu. Was nehmen wir mit von der neuen Jahreslosung? Wird sie uns im neuen Jahr begleiten oder ist sie schnell abgehakt und vergessen? Lassen wir Gottes Erneuerungskraft an und in uns wirken oder meinen wir selbst das Rad neu erfinden zu müssen?
Damit man die Jahreslosung nicht vergisst, darf jeder sich am Ausgang ein Lesezeichen mit der Jahreslosung mitnehmen mit einem Motiv von Dorothee Krämer, auf dem auch das Alpha und Omega dargestellt ist, wo dunkle Farben erneuert werden zu hellem Licht.
Ich wünsche jedenfalls uns allen, dass wir Gottes neu schaffende Kraft in diesem Jahr erleben und am Ende des Jahres viel von den Wundern zu erzählen haben, die Gott an uns getan hat. Amen
Bilder und Videos
Von mir mit Canva gestaltet
Von Gunther Seibold, weitere Varianten zum Ausmalen: https://www.gunther-seibold.de/jahreslosungen/t_jahre_2026.htm 
Motiv von Dorothee Krämer mit Andacht von Cornelius Kuttler: https://jahreslosung.net/jahreslosung-2026-motiv-hoffnungsvoll-von-dorothee-kraemer/
Ideen für Konfi und Jugendarbeit
folgen
Lieder und Videos
Lied von Gottfried Heinzmann und Hans-Joachim Eißler https://jahreslosung.net/alles-neu-lied-zur-jahreslosung-2026/
Lied von Hans-Werner Scharnowski und Arnd Herrmann, Notenbestellung beim Autor hwscharnowski@t-online.de
Lied für die Grundschule von Christina Heidemann mit Playback: https://www.pi-villigst.de/fileadmin/user_upload/schule/primar/material/dateien/jahreslosung_26/Noten.pdf
Materialien und Links
- Exegese für die Predigt: https://www.die-bibel.de/ressourcen/efp/reihe2/jahreslosung-offenbarung-21
- Predigtmeditation aus Württemberg von Pfarrer Steffen Schmid, Bopfingen: https://www.fachstelle-gottesdienst.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/E_fachstellegottesdienstneu/Predigt/PmW%C3%BC/PmWue_Reihe_II__2026__Jahreslosung_Offenbarung_215_Schmid_Steffen.pdf
- Tobias Faix in seinem Blog, wie immer spannend, diesmal auch besonders für die jüdischen Perspektiven: https://tobiasfaix.de/2025/12/siehe-ich-mache-alles-neu-eine-theologische-auseinandersetzung-mit-der-jahreslosung-2026-und-die-frage-nach-ihrer-bedeutung-fuer-heute/
- Impulse zur Jahreslosung von Andreas Loos und Thorsten Dietz mit Materialien und konkretem Entwurf für die Erwachsenenbildung: https://fokustheologie.ch/wp-content/uploads/2025/10/Jahreslosung-2026-.pdf
- Gedanken und Ausmal-Bild von Gunther Seibold: https://www.gunther-seibold.de/jahreslosungen/t_jahre_2026.htm
- Unterrichtsentwurf für den Religionsunterricht der Grundschule (Kl. 3/4) von Christina Heidemann, Pädagogisches Institut Villigst https://www.pi-villigst.de/fileadmin/user_upload/schule/primar/material/dateien/jahreslosung_26/Unterrichtsidee.pdf

