Nach einem wieder einmal sehr inspirierenden EdchatDe zum Thema Lehrerblogs habe ich aufgrund eines produktiven Nebengesprächs mit Jörg Lohrer (wer hat gesagt, dass Nebengespräche zu unterbinden sind) angefangen, Quizduell zu spielen und habe dieses leichtfertige Versprechen getan, das ich hiermit einlösen will:

Tatsächlich bin ich seitdem fast süchtig und spiele wahllos gegen Zufallsgegner oder mit Vorliebe gegen ausgewählte Personen, die sich im Gespräch schnell als Quizduell-Fans outen. Die App ist schnell installiert: http://www.quizduell-game.de/ Die ersten Runden verliert man meist, falls man gegen Leute antritt, die schon öfter gespielt haben. Denn: Es gibt eine Lernkurve, weil sich Fragen trotz des großen Fragenpools wiederholen. Es lohnt sich also, sich auch bei den Gebieten die Antworten zu merken, wo man bisher dachte, das geht mich nichts an.

Mein Ausflug ins Fußballvereinsmilieu hat mir dann einen harten Gegner beschert, fast komplett blank, was Religion angeht, dafür extrem versiert bei allen anderen Fragebereichen. Unten spielt der Sohn gegen harte Gegner und macht viel zu selten ein Tor, oben punkten die Väter virtuell und jubeln bei jedem Grün, das unter ihren Fingern entsteht. Wir saßen nicht nebeneinander und hatten doch das Gefühl, in einem intensiven Austausch zu stehen. Welche Stadt ist die einzige in Deutschland, die einen Sonderfeiertag hat? Augsburg natürlich. Wusste ich vorher nicht. Das Hohe Friedensfest erinnert an das Ende des Dreißigjährigen Krieges (Westfälischer Friede).

Kaum zu knacken ein alter Freund aus Schulzeiten. Damals hatte ich die besseren Noten, aber heute schlägt er mich beim Quizduell. Schon das zeigt, wie relativ Schulnoten sind. Nachhaltig hat in der Schule nur gelernt, wer bei Quizduell punktet. Die Statistik zeigt mir, nachdem ich bezahlt hatte, genau, wo meine Stärken und Schwächen liegen: In „Glaube und Religion“ bin ich mit 81% richtigen Antworten als Theologe nicht schlecht, wenn man weiß, wie viele Fragen zu Sekten, Buddhismus und Aberglauben da eingestreut sind.

27% bei Comics sind für mich so verkraftbar wie die schlechte Sportnote anno dazumal. Der Rest meines Wissensprofils ist top secret, denn wer es kennt, hat leichtes Spiel gegen mich.

Gamification ist das Gebot der Stunde. Das Prinzip funktioniert, bei mir jedenfalls. Ich weiß jetzt plötzlich Dinge, für die ich mich vorher nie interessiert habe. Und es soll bloß keiner daherkommen, der sagt, das sei belangloses Wissen. Die Fragen stammen schließlich von Mitspielenden. Was gibt mir das Recht, belanglos zu finden, was ihnen wichtig ist. Ich habe schließlich auch fünf Fragen beigesteuert, um ein Krönchen für meinen Avatar zu erhalten. Uns das waren Fragen, die mir wichtig waren.

Deutet sich hier ein neuer Trend an, die Demokratisierung des Wissens? Ich glaube schon. Früher wurde der Bildungskanon von Experten für Laien festgelegt. Die Experten entstammten meist einem anderen Milieu als die, die dieses Expertenwissen verinnerlichen mussten. Erfolgreich ist heute derjenige, der dem Bildungskanon der Crowd folgt. In der Wissensgesellschaft wird die Expertokratie zumindest angekratzt, wenn nicht innerlich ausgehöhlt. Denn Erfolg hat der, der weiß, was die Mehrheit weiß. Der Bildungsvorsprung von Experten schrumpft bei manchen Themenfeldern wie Schnee in der Sonne auf ein bloßes Achselzucken zusammen. Sie sind mir zu sauer denkt man dann oder: Muss ich das wirklich wissen. Wers nicht glaubt, wird trotzdem selig, aber sicher nicht erfolgreich im Quizduell. Und wer gegen mich antreten will, schickt einfach eine Privatmail an mich, dann oute ich mich gern mit meiner Quizduell-Identität. Muss ja nicht jeder wissen, wovon ich keine Ahnung habe …

 

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Quizduell – die Bildungsstandards der Crowd
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