Das war wirklich eine spannende Erfahrung: Mit meinem jüngsten Sohn habe ich als Tischvater bei Konfi 3 mitgemacht. Das Konzept Konfi 3 (grundlegende Infos hier: http://www.konfi3.de)  setzt ja stark auf die Eltern, die Grundthemen des Glaubens und kirchlichen Lebens (Taufe, Abendmahl, Kirche, Kirchenjahr) mit ihren Kindern erschließen. Am Sonntag vor einer Woche war der feierliche Abschlussgottesdienst. Insgesamt waren fünfzehn Kinder dabei. In unserer Kleingruppe waren es acht. Eine Ehrenamtliche hat sich organisatorisch stark eingebracht, bei ihr zu Hause waren auch unsere Kleingruppentreffen.

Werbung und Info-Elternabend

Mein Sohn wurde über die Grundschule zu Konfi 3 eingeladen und weil er die Pfarrerin, die seine Reli-Lehrerin ist, mag, wollte er gern mitmachen. Der Elternabend war ordentlich besucht, wir schauten einen einführenden Film zu Konfi 3, bekamen von ehemaligen Konfi 3-Müttern Lust gemacht auf das Modelle und dann kam der spannende Moment: Wer übernimmt eine Kleingruppe? Ich war als Pfarrer und Fachmensch für Konfi-Arbeit schon vorher angesprochen worden, aber dann kam die übliche Phase, wo die Pfarrerin in die Augen der Eltern blickt und die Eltern an die Decke schauen. Es war gar nicht so einfach, Eltern zu finden. „Ja, mal aushelfen, das kann ich schon. Aber eine Gruppe leiten, ich weiß nicht …“ Zum Glück bewegt sich in einer solchen Situation eigentlich immer etwas, wenn man lange genug wartet. Unser Team bestand am Ende aus drei Vätern und einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Kirchengemeinde.

Rahmenbedingungen

Die Schule, auf die die Kinder gehen, ist eine offene Ganztagesschule. Deshalb war klar, dass wir die Kinder direkt von der Schule abholen würden, so dass es für die Eltern kein zusätzlicher Aufwand wäre. Als Team haben wir gedoodelt. Selten waren wir zu viert, oft zu dritt, wenn mal nur eine konnte, haben sich einzelne Eltern bereit erklärt, einmalig auszuhelfen.

Vorbereitet wurden wir für die drei thematischen Einheiten à vier Stunden mit drei Elternabenden, bei denen uns die Pfarrerin in das hervorragend aufbereitete, selbst erstellte Material einführte. Viele Gemeinden der ersten Stunde arbeiten noch mit solchen selbst erstellten Materialien, wer neu anfängt, kann heute allerdings auch direkt zu den Materialie greifen, die Susanne Jasch und Kristina Schnürle (ptz) im Calwer Verlag veröffentlicht haben (vgl. hier das Kennenlernpaket).

Durchführung

Wir hatten sehr schöne Stunden miteinander, den Kindern machte es Spaß, die Klassiker funktionierten gut, z. B. die Rose von Jericho, die wir auch aus Papier bastelten und die herrlich bunt in der Badewanne aufgingen. Wir haben kleine Wettspiele gespielt, etwa mit dem Strohhalm Wasser um die Wette transportieren oder im Advent brennende Streichhölzer weitergeben. Die schöne Atmosphäre in der Wohnung, wo oft ein Feuer im Kamin prasselte und man auf den großen Holztisch steigen durfte, um ein Bild zu malen, trug sicher viel dazu bei.

Zu Anfang gab es immer eine Liturgie, die schon bald vertraut war, zum Abschluss beteten wir das Vater uns mit Gebärden. Unsere Gruppe hatte auch viel Spaß beim Singen zur Ukulele oder Gitarre.

Tatsächlich war Disziplin bei uns ein Thema in der Gruppe. Besonders wenn wir uns länger nicht getroffen hatten, war viel Energie da und die Kinder mussten erst wieder zueinander finden. Als wir die Zachäus-Geschichte nachspielten, wollte alle gleichzeitig die Hauptrolle darstellen und wir konnten Versöhnung live erleben.

Eindrücklich war auch eine Aktion, im Altersheim zu singen und den alten Menschen ein Licht zu bringen. Wir hatten die Geschichte von Bartimäus gehört und erlebten dort eine blinde Frau, der unsere Lieder Freude bereiteten.

Actionpainting in der Kirche
Actionpainting in der Kirche

Ein besonderes Highlight war die Lightpainting-Aktion in der schönen Kirche. Neben dem Brot Backen beim Thema Abendmahl hat dies den Kindern besonders gut gefallen.

Auch die Gottesdienste machten Spaß, ein Vater sagte, so oft wie in den letzten Monaten habe er noch nie die Kirche besucht. Das Highlight der Gottesdienste war wohl der Brio-Bahn-Gottesdienst zum Advent.
Briobahn in der Kirche

Nach einem Vorschlag des Gottesdienstinstitutes aus Bayern (bestellbar hier: http://www.gottesdienstinstitut.org/xist4c/web/Bahn-frei–Familiengottesdienst-zum-1-Advent–2010-_id_2502__dId_33840_.htm) bauten wir eine Brio-Bahn durch die ganze Kirche. Die etwas altersschwachen Loks schafften es nicht auf die Altar-Ebene. Erst als wir sie die Umfahrung nehmen ließen, klappte es. Die Kinder saßen auf Kissen auf dem Kirchenboden um die Bahn herum und waren mucksmäuschenstill, obwohl die vorgeschlagene Predigt durchaus inhaltlich anspruchsvoll war.

Schön war auch, wie wir beim Tauferinnerungsgottesdienst den Kindern ein Wasserkreuz auf die Hand zeichnen durften.

Beim feierlichen Abschlussgottesdienst feierten wir das Abendmahl. Die Eltern spielten eine Versöhnungsgeschichte mit Hilfe eines Puppentheaters vor und jedes Kind bekam seine Urkunde überreicht. Es gab ein großes Essen mit reichlich ausgestattetem Büffet im Gemeindehaus und einen Bilderbericht über die ganze Konfi 3-Zeit.

Fazit

Sehr spannend war für mich die Auswertung unter den Konfi 3-Tischeltern. Niemand hat es bereut, mitgemacht zu haben. Eine Mutter sagte sehr nett: Bisher hatte ich immer großen Respekt vor dem nächsten Kindergeburtstag. Nach den vielen Erfahrungen bei Konfi 3 kann mich jetzt nichts mehr schrecken!

Als Eltern haben wir uns im Lauf der Zeit viel besser kennen gelernt, eigentlich so richtig gut erst am Schluss, als wir miteinander Theater spielten. Auch die Pfarrerin ist jetzt allen sehr vertraut und es gibt eine Vertrauensbasis, auf der man weiter aufbauen kann. Manches lief parallel zur Kinderkirche, es kann durchaus sein, dass manche der Konfi 3-Kinder jetzt dort wieder oder erstmals hingehen. Und selbst wenn nicht: Die gemeinsamen Erfahrungen sind auf jeden Fall eine gute Grundlage für jedes Kind, das gespürt hat: Meinen Eltern ist die Kirche wichtig, es hat etwas zu sagen zum christlichen Glauben.

Für die Pfarrerin ist Konfi 3 sicherlich ein Mehraufwand, aber – wie sie selbst sagt – ein lohnender. Seit 15 Jahren gibt es Konfi 3 inzwischen in dieser Gemeinde, praktisch genau so lang wie es durch die württembergische Rahmenordnung der Konfirmandenarbeit offiziell Teil der Konfirmandenarbeit ist.

Schon länger bin ich davon überzeugt, dass Konfi 3 eine wichtige Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit ist, in der Kinder immer weniger Erfahrungen mit Glaube, Kirche, Gebet und gelebter Frömmigkeit machen, wie es die 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD dramatisch belegt. (Vgl. dazu diesen vielgelesenen Blogbeitrag von mir )

Jetzt kann ich es aus eigener Erfahrung  bestätigen: Es lohnt sich, in diese Arbeitsform zu investieren und die manchmal durchaus wacklige und kurzatmige Konfirmandenarbeit auf zwei Beine zu stellen. Es lohnt sich, Eltern einzubeziehen, die in diesem Alter ihrer Kinder noch offen zur Mitwirkung sind, selbst wenn sie doppelt berufstätig sind oder bisher wenig Kontakt zur Kirche hatten. Es lohnt sich für die Gottesdienstkultur in einer Gemeinde, die lebendiger wird und sich spürbar verjüngt. Und es lohnt sich vor allem für jedes einzelne Kind, das etwas von der guten Botschaft Gottes hört, die ihm ganz persönlich gilt.

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Konfi 3 – Ich war dabei
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