Andacht gehalten im Haus Birkach am 2. Mai 2016

Ein eingängiger Song der Band WARUM LILA mit einem verrückten Video …

„Oh man, wie ich das hasse, mich morgens im Spiegel zu seh’n.“ Und dann noch Montagmorgen. Eine Woche liegt vor uns. Arbeit, Mühe, Stress.

Überhaupt, was ich da sehe im Spiegel. Ungeschminkt zeigt er mir: So siehst du aus. Falten und Pickel im Gesicht. Schnittwunden vom Nassrasieren. Zum Glück gibt es keinen Seelenspiegel, der eins zu eins zeigt, dass es drinnen auch nicht viel besser aussieht, dort, wo man nichts weglächeln kann.

Erstaunlich, wie viele Songs heute Depri-Songs sind. Melancholische Problemlieder werden zu Nr. 1-Hits. Man hat fast den Eindruck, je wohlhabender unsere Gesellschaft wird, umso unglücklicher werden wir. „Das Unbehagen in der Kultur“ hat Sigmund Freud das genannt. Wir müssen immer mehr von unseren Regungen unterdrücken, um dabei sein zu können. Alle wollen Mainstream sein, sagt eine aktuelle Jugendstudie (Sinus-Institut, als Open Access verfügbar). Dabei waren die Möglichkeiten, sich individuell zu verwirklichen noch nie so vielfältig wie heute.

Luxusproblem?

Das Lied der Band „warumLila“ lebt vom Kontrast. Auch ich könnte mir Dinge vorstellen, die ich lieber tun würde als heute hier zu sein. Ich kenne Leute, denen die Arbeit leichter von der Hand geht als mir. Menschen, die grundlos fröhlicher sind. Leute die lässiger rüberkommen als ich. Immer ist da dieser Komparativ. Der Vergleich ist es, der mich platziert und platt macht zugleich. Da ist immer noch Luft nach oben. Spitze kann immer nur einer sein und der ist dann einsam.

Zwei der zehn Gebote

Vielleicht ist das auch gar kein neues Problem, das Luxusproblem.

Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh, noch alles, was sein ist. (2. Mose 20, 5. Mose 5)

Das sind nach lutherischer und katholischer Zählung sogar zwei der zehn Gebote. Vergleiche dich nicht. Begehre nicht. Es wird dich unglücklich machen. Sag dir einfach mal, wenn das Internet lahmt und die Datenflat schon wieder zu Ende ist: Luxusproblem. Wenn du im Stau stehst: Luxusproblem. Wenn du doppelt so lang brauchst wie andere: Luxusproblem.

Einer trage des andern Last

Interessant finde ich, wie beim Refrain ein Bibelvers eingewoben ist. „Wir ernten was wir säen.“ Ausführlich lautet das so:

Täuscht euch nicht! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.
Galater 6,7 (Basisbibel)

Die Saat der Unzufriedenheit sind diese vielen Vergleiche, die wir anstellen. Warum passiert das immer nur mir? Ein Vergleich, den wir fast nie anstellen, ist der, wie gut es uns geht. Weltweit betrachtet, aber auch hier in Deutschland. Und hoffentlich auch ganz persönlich. Alles eine Frage der Perspektive sagt das Song-Video, das mit der Schizophrenie unserer Normalperspektive spielt.

Warum säen wir stattdessen nicht einfach kleine Samen der Hilfsbereitschaft? Wenige Bibelverse davor schreibt Paulus:

Helft einander, die Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus gegeben hat. Wenn allerdings jemand meint, er sei etwas Besonderes, dann macht er sich etwas vor. Denn das ist er keineswegs. Vielmehr sollte jeder das eigene Tun überprüfen. Dann hat er etwas, worauf er stolz sein kann, und muss sich nicht mit anderen vergleichen. Denn jeder wird seine eigene Last zu tragen haben.
Galater 6,2-5 (Basisbibel)

Jeder muss in seinen Schuhen gehen. Aber sein Päckle muss man nicht alleine tragen, das kann man gern auch mal abgeben. Und sich freuen, dass da einer gerade mehr Kondition hat als ich. Lasten teilen und gemeinsam tragen ist der Luxus, den Christenmenschen sich leisten können. Jederzeit. Auch heute. Problemlos. Amen.

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Andacht zum Song „Luxusproblem“ und zum 9./10. Gebot
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