Andacht zu Psalm 23, gehalten im Haus Birkach am 1. Juli 2016 und auf der Erlebnispädagogik-Fortbildung in der Dobelmühle Aulendorf

Vorbemerkung: Der Rapper Sido hat immer wieder anregende Texte, zu denen man gut mit Jugendlichen ins Gespräch kommen kann. Bei einer Praxisbegleitung in der Konfirmandenarbeit habe ich erlebt, wie gut sich z. B. mit dem Song „Danke“ zum Thema Gebet arbeiten lässt.

Lied „Wohin sonst“ von Thea Eichholz (Das Liederbuch 12)

Lesung Ps. 23, erste Fassung Luthers

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er lässt mich weiden, da viel Gras steht, und führet mich zum Wasser, das mich erkühlet.
Er erquickt meine Seele, er führet mich auf rechter Straße umb seins Namens willen.
Und ob ich schon wandert im finstern Tal, fürcht ich kein Unglück, Denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde. Du machst mein Haupt fett mit Öle und schenkest mir voll ein.
Gutts und Barmherzigkeit werden mir nach laufen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

(Die erste Fassung von Ps. 23 in der Übersetzung Martin Luthers, 1524, vgl. den Vortrag von Nikolaus Schneider, https://www.ekd.de/vortraege/2013/89929.html)

Impuls

Mit meinem jüngsten Sohn höre ich immer DASDING, den Jugendsender des SWR. Und da lief dieses Lied mit der markanten Textzeile „Und wenn ich auch laufe durch’s finstere Tal“. Ja, da kennt jemand Psalm 23. Diese Zeile hat sich in sein Herz gebrannt, so wie man sich das wünscht. Damit kein falscher Verdacht aufkommt, sagt Sido quasi als Vorbemerkung: „Ich bin nicht gläubig.“ Schade eigentlich. Oder doch anonymer Christ? Viele Songtexte zeigen: Sido hat durchaus ein ambivalentes Verhältnis zum Glauben. Er würde wohl gern, denkt öfter über Gott nach. Aber die Erfahrung scheint dagegen zu sprechen. Schauen wir rein in das Lied des schillernden Rappers, der sich selbst als „super-intelligentesDrogenopfer“ bezeichnet.

Zu Hause ist die Welt noch in Ordnung. Hoffentlich. Wehe, wenn nicht. Ziemlich romantisch redet Sido da von seinem wichtigsten Zufluchtsort. Er öffnet die Tür, er schaut sich um, da seid ihr. Tatsächlich: Es ist ein Segen, wenn man ein solches zu Hause hat. Wenn man Menschen hat, denen man nicht immer alles erklären muss, mit denen es eine große und selbstverständliche Vertrautheit gibt.

Und dann gibt es diese Gegenwelt. Das finstere Tal. So drastisch wie wohl nur Rapper das können schildert Sido Erfahrungen von Ungerechtigkeit. Da ist die Hölle los, Menschen sind vernarbt. Es gibt Anschläge – Ali und Charlie (Hebdo) – stehen sich feindselig gegenüber. Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

Arm und reich teilnahmslos nebeneinander. Haus Birkach mit zig Referenten und Alfred-Wais-Halle mit knapp 100 Flüchtlingen. Jeder führt sein Leben.

Zu Hause ist die Welt noch in Ordnung? Kann das allen Ernstes die Antwort sein? Hat das Lied nicht mehr Hoffnungspotential. Ich glaube schon. Weil es einen Subtext gibt.

Für mich ist dieser Subtext Psalm 23. Nach dem Weg durch das finstere Tal kommt da auch jemand zu Hause an: im Haus Gottes. Psalm 23 ist ein altes Pilgerlied. Noch deutlicher wird das, wenn man Vers 6 so übersetzt, wie es sprachlich richtig ist und wie es neuerdings die Basisbibel tut:

Nichts als Liebe und Güte begleiten mich alle Tage meines Lebens. Mein Platz ist im Haus des HERRN. Dorthin werde ich zurückkehren – mein ganzes Leben lang!

Pilger waren unterwegs zum Tempel Gottes in Jerusalem. Auf dem Weg gab es viele Gefahren. Als Pilger pendelt man zwischen zwei verschiedenen Heimaten: Dem Zuhause, das einem die irdische Existenzgrundlage sichert, und dem Zuhause, dem man die ganze Existenz verdankt: der Wohnung Gottes, die für Gläubige aller Zeiten für das wahre Zuhause stand. Dieser Ort ist das Basislager für die Expedition ins Leben, der Ort, wo Kraft getankt wird für das Leben wie hier in der Andacht und in jedem Gottesdienst. Das ist auch der Ort, wo ich nie allein bin, selbst wenn ich als Single durchs Leben gehe und abends eben keiner da ist, der auf mich wartet. Die Familie der Kinder Gottes hat Jesus für wichtiger gehalten als die biologische Herkunfts- oder Zukunftsfamilie (Mk. 3,31-34).

Beten wir nun gemeinsam Psalm 23 in der vertrauten Fassung, die er erst 1531, sieben Jahre  später gefunden hat.

Gebet Psalm 23

Segen

Gott, der Herr, segne die Wege, die Du heute gehst. Er stehe dir bei, wenn es gefährlich wird, lenke deine Schritte in unwegsamem Gelände. Er lasse dich kleine Oasen finden in der Hitze des Alltags. Er bringe dich gut wieder nach Hause. Und führe dich immer wieder zurück in seine Gegenwart, dorthin wo  du mit dir und den anderen im Reinen bist. Amen

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Andacht zum Song von Sido „Zu Hause ist die Welt noch in Ordnung“
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