Neue Pfarrer*innen braucht das Land. Zu viele gehen gerade in den Ruhestand. Zum Glück gibt es noch ganz ordentlich Nachwuchs, sogar mehr als früher, aber der reicht im Moment nicht aus, um die vielen ausscheidenden Pfarrer und wenigen ausscheidenden Pfarrerinnen zu ersetzen. Zum Glück haben wir in Württemberg noch viele Vikar*innen, die wir ausbilden können, aber der Mangel ist doch so langsam spürbar wie die Liste der zu besetzenden Pfarrstellen zeigt.

Nun hat die EKD im September eine große Werbekampagne gestartet. Sie kommt erstaunlich cool rüber, soll ja auch junge Leute ansprechen, sich für Theologie und den Pfarrberuf zu entscheiden. Die Internetseite zur Kampagne ist richtig gut gemacht (https://www.das-volle-leben.de).

Das Making-of-Video

Dieses Video hat mich gereizt, diesen Artikel zu schreiben. Die Überschrift dieses Posts ist ein Originalzitat aus dem Video. Vieles in dem Video stimmt, als Pfarrer*in bekommt man das volle Leben mit, zu dem übrigens auch ganz schön viel Tod gehört. Beerdigungen sind ein wichtiger, auch zeitlich und kräftemäßig prägender Teil des Pfarrberufs. Er wird meist als besonders erfüllend erlebt, weil es hier immer direkt um die Frage nach Gott, nach dem Sinn des Lebens und dem Weiterleben nach dem Tod geht. Jede Beerdigung kostet aber auch Kraft und Energie, die nicht endlos zur Verfügung steht.

Anderes ist aber doch sehr bewusst ausgewählt. Die ausgewählten Protagonisten kommen so gut und überzeugend rüber, dass man sich fragt, ob sie echt sind. Ja, es gibt solche Vikar*innen, zum Glück. Ich kenne einige, die so sind. Es gibt aber auch ganz andere, nachdenkliche, ruhige, deutlich weniger fotogene und kameraverliebte, weniger moderne, manchmal auch altmodische, Pfarrerskinder, die nichts anderes kennen als das Pfarrhaus und das Tübinger Stift. Der Dokumentarfilm „Pfarrer“ (http://www.moviepilot.de/movies/pfarrer), der Vikar*innen aus dem Predigerseminar in Wittenberg porträtiert, gibt zum Beispiel ein völlig anderes Bild. Werden solche Typen, die in der Praxis oft tolle Seelsorger*innen sind und in ihren Gemeinden beliebt und geschätzt sind, durch die Kampagne nicht eher abgeschreckt und trauen sich diesen Beruf nicht mehr zu, weil sie sich nicht berufen fühlen? Denn eine Berufung – davon bin ich überzeugt – braucht man weiterhin, um all die Phasen zu überstehen, wo man sich fragt, warum in aller Welt man diesen Beruf ergriffen hat. Jeremia lässt grüßen, der ebenfalls mit seiner Berufung zu kämpfen hatte. Vielleicht hätte ein bisschen mehr Durchschnitt der Kampagne hier gut getan, zumindest im Ergebnis. Nur so eine Vermutung …

Und die katholische Kirche?

Noch größere Nachwuchs-Sorgen im Pfarramt hat bekanntermaßen unsere liebe katholische Schwesterkirche. Der Priestermangel ist zwar weltweit kein Problem, aber für viele Gemeinden eben doch, die oft ohne zu wissen wie ihnen geschieht einen Intensivkurs in interkulturellem Lernen bekommen, wenn ein Priester aus Indien oder Afrika zu ihnen kommt.

Spannend ist das katholische Projekt „Valerie und der Priester„. Eine Journalistin begleitet einen Priester aus Münster in seinem Alltag. Was wie eine journalistische Idee daherkommt, ist ein Projekt der deutschen Bischofskonferenz und des Zentrums für Berufungspastoral, das dazu dienen soll das Image von Priestern aufzubessern und indirekt natürlich auch Nachwuchswerbung zu machen (vgl. http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/valerie-und-der-priester). Dieser schöne Artikel zeigt die Hintergründe auf: http://www.feinschwarz.net/valerie-und-der-priester-stell-dir-vor-du-hast-ein-date-und-jeder-schaut-zu/ 

Fazit

Beide Kirchen lassen sich gerade ziemlich viel einfallen, um Nachwuchs für ihren Schlüsselberuf zu finden. Medial sind beide Kampagnen professionell und inspirierend gemacht. Wir haben tolle Leute als Nachwuchs – schön, dass einige davon bereit waren, bei diesen Projekten mitzumachen. Es gibt aber auch bedenkliche und gekränkte Stimmen von Vikaren, die sogar im Deutschen Pfarrerblatt zu lesen sind. Dieser Beruf ist eine Herausforderung, in vielerlei Hinsicht, gerade in unserer Zeit, erst recht im Blick auf die Zukunft. Das sollte man nicht verschweigen. Trotzdem bleibt er auch für mich nach wie vor einer der tollsten Berufe der Welt. Und die beste Werbung für ihn sind Menschen, die ihn überzeugend und menschlich zugleich leben und mit ihren bescheidenen Mitteln und Gottes Hilfe auszufüllen versuchen.

Eine der coolsten Ideen ist übrigens der Hashtag #wasvikaresomachen und #waspfarrersomachen Wenn man in den sozialen Medien danach sucht, bekommt man ein vielfältiges, natürlich leicht ironisch gefärbtes Bild aus dem Alltag von Vikar*innen und Pfarrer*innen.

Und was meint ihr zum Thema? Wie sieht die beste Werbung für Pfarrernachwuchs aus? Bin gespannt auf eure Kommentare …

Links

Print Friendly, PDF & Email
Pfarrerin – der geilste Job der Welt
Markiert in:         

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.