Mein Reisebericht als Überblicks-Video

Playlist mit den ausführlichen Videos und Interviews:

Übersicht

Ich sehe es als großes Privileg – und will die Zeit gut nutzen: Knapp vier Wochen Zeit bekomme ich geschenkt für ein Projekt, während unser Kemnater Vikar alle meine Aufgaben als Gemeindepfarrer übernimmt. Mit Genehmigung des Oberkirchenrats werde ich meinen lieben früheren Kollegen im ptz Stuttgart, Johannes Neudeck, begleiten, der damals für Friedenspädagogik zuständig war. Mein Hauptinteresse ist es als Bezirksbeauftragter für Asyl und Migration Eindrücke von Flüchtlingsarbeit auf der Balkanroute zu gewinnen und wenn möglich selbst mit anzupacken. Aber natürlich interessieren mich auch alle anderen Aspekte der Arbeit in Kroatien und Bosnien, wo die Evangelischen nur eine kleine Minderheit sind.

Johannes Neudeck hat nach Beginn des Bosnienkriegs (siehe http://www.hilfekonkret.de/ueber-uns/) mit Hilfslieferungen nach Bosnien und Kroatien ein Hilfswerk begonnen, das bis heute besteht. Der Schwerpunkt der Arbeit von “Hilfe konkret e.V.”  hat sich seitdem natürlich deutlich verändert. Heute unterstützt und trägt “Hilfe konkret” ein Gymnasium (auf kroatisch Mittelschule genannt) in Čakovec (Schulhomepage: https://www.sscakovec.hr, Infos auf deutsch: http://www.ss-cakovec.skole.hr/skola/schule) . Aus einem günstig gelegenen und günstig erworbenen Grundstück wurde zuerst ein modernen kirchliches Gemeinde- und Konferenzzentrum, später kam ein Gymnasium in freikirchlicher Trägerschaft mit dem Schwerpunkt Pflege hinzu. Als mit EU-Hilfe Bauernhöfe und Viehhaltung gefördert wurden, gründete man in der Nähe einen Musterbauernhof mit angeschlossenen Schulungsräumen, das momentan als Wohnheim für Geflüchtete dient und normalerweise als Freizeitheim im Einsatz ist. Dort finden u. a. Freizeiten mit Roma-Kindern statt, für die es schon ein Luxus ist, eine warme Dusche nutzen zu dürfen. Etwa 10% der kroatischen Bevölkerung in diesem Regierungsbezirke hier sind Romas, die meist in sehr einfachen Verhältnissen leben und oft ziemlich bildungsfern aufwachsen.

Untergebracht bin ich auf der oberen Etage einer ehemaligen Lagerhalle, in die eine einfache Gästewohnung eingebaut wurde. Hier ist üblicherweise die Zentrale für alle Einsätze, auch wenn größere Gruppen zum Beispiel für die Mithilfe bei einem Bauprojekt vor Ort sind. Unten gibt es ein semiprofessionelles Tonstudio, wo regelmäßig geprobt und aufgenommen wird von Bands aus dem christlichen Umfeld, zum Beispiel October Light, die auch schon öfter in Deutschland gespielt haben.

Zwei geflüchteten Ukrainerinnen bin ich heute begegnet, eine war auf dem Bauernhof untergebracht und lebte dort mit ihren Kindern, eine zweite war schon beschäftigt in der Cafeteria der Schule, wo wir uns eine kurze Verschnaufpause gönnten. Da kroatisch wie ukrainisch bzw. russisch eine slawische Sprache ist, haben sie diese innerhalb weniger Monate gelernt und können sich schon sehr gut verständigen.

Impressionen von Tag 1

Bauarbeiten am Neubau, der mit viel Eigenleistung erstellt und extrem sparsam beheizt und gesteuert wird. Übrigens läuft dort die extrem mächtige und anpassungsfähige Open Source-Smarthome-Software OpenHAB. So etwas würden sich wohl 99% der deutschen Schulen wünschen. Man kann vom Handy aus alle Lichter sowie die ganze Heizung im Schulhaus kontrollieren und steuern, den CO2-Gehalt der Luft überwachen uvm.

Video, das das Innere der Schule schön zeigt

Video der Band October Light, das ein Stockwerk unter mir aufgenommen wurde

Tag 2 – 11. Januar

Früh ging es heute los nach Zagreb zu einem Gespräch mit Dr. Enoh Šeba von der protestantischen Fakultät Matthias Flacius Illyricus (https://www.tfmvi.hr/en/). Mich hat das sehr an meine Zeit an der Waldenser-Fakultät in Rom erinnert. In einem Land, in dem 86% der Bevölkerung Katholiken sind und nur 0,3% Protestanten ist es eine große Herausforderung, den evangelischen Nachwuchs auf wissenschaftlichem Niveau auszubilden. Derzeit sind etwa 30 Studierende eingeschrieben. Ein Schwerpunkt seiner praktisch-theologischen Forschungen ist die Frage, wie Predigende Feedback durch ihre Gemeinde bekommen können, was besonders bei Online-Formaten noch schwieriger als sonst ist, weil die direkte Rückmeldung fehlt. Hier ein kurzes Video mit ihm (leider habe ich vor lauter Hektik beim ersten Versuch vergessen, auf Aufnahme zu drücken …):

 

Weiter ging es zu einem Gespräch mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär der Baptisten-Union in Kroatien, Ivica Horvat und Željko Mraz. Ich war beeindruckt davon, wie engagiert sich die Baptisten nicht nur den Herausforderungen stellen, als Minderheit den Glauben zu leben und Gemeindeglieder zu gewinnen, etwa indem sie auch englischsprachige Gottesdienste anbieten. Zusätzlich hörte ich vom Engagement beider und vieler Gemeindeglieder bei der Unterstützung Geflüchteter auf der Balkanroute. Auch wenn viele nur kurze Zeit in Zagreb waren, bekamen sie doch Hilfspakete oder noch besser einen praktischen Rucksack. Am 20. März 2020 gab es in der Nähe von Zagreb ein schweres Erdbeben, das viele Häuser schwer beschädigte. Auch hier setzte und setzt sich die Gemeinde – unterstützt von “Hilfe konkret” u.a. ganz praktisch ein und hilft Häuser zu retten, damit Menschen dort wohnen bleiben können. Besonders spannend war die Frage, wie die beiden mit der Situation umgehen, an der EU-Außengrenze zu sein, wo auf der anderen Seite viele Geflüchtete warten und auf der Innenseite der Grenze viele weiterziehen wollen. Die Probleme der großen Politik können und wollen die beiden nicht lösen, aber dort Hilfestellung leisten, wo sie Menschen in Not sehen.

Dann fuhren wir zum House of Hope, wo Mihal Kreko seine Arbeit vorstellte. Einen guten Eindruck gibt das Video unten. Das Haus wird gerade mit Leben gefüllt, es soll Geflüchteten als Unterkunft dienen, es soll einen Beitrag zur Quartiersarbeit leisten – vor dem Haus soll zum Beispiel ein Café entstehen. Ältere Menschen sollen einen Anlaufpunkt haben, Konferenzen werden dort abgehalten. Ein Missionar aus Korea unterstützt die Arbeit, auch Johannes Neudeck von “Hilfe konkret” ist finanziell und konzeptionell unterstützend mit dabei. Am Wochenende wird zum Beispiel eine Konferenz mit etwa 150 Personen dort stattfinden, wo es um den eigenen Vater und unsere Vorstellungen von Gott als Vater gehen wird.

Schließlich besuchten wir eine Flüchtlingsfamilie (siehe Bild), die ein ungewöhnliches Schicksal hat. Als jesidische Kurden und Familie mit sieben Kindern kamen sie zuerst in die Türkei, lebten später einige Zeit in Kroatien und kamen dann nach Deutschland, von wo sie wegen des Dubliner Übereinkommens wieder nach Kroatien abgeschoben wurden. Hätte es nicht die Unterstützung durch “Hilfe konkret” und die Helfer-Strukturen vor Ort gegeben, wären sie einfach in Zagreb angekommen ohne jede Unterkunft und Unterstützung. Nun haben sie immerhin eine Wohnung und können versuchen, sich hier in Kroatien wieder einzuleben.

Impressionen Tag 2

Tag 3 – 12. Januar

Zum ersten Mal auf dieser Reise ging es für mich raus aus der EU. Über Zagreb fuhren wir in das wunderschöne Karlovac und holten dort den baptistischen Pastor Ladislav Ružićka ab. Die Gemeinde hat dort einen modernen Kirchenraum mit E-Piano und guter Technik. Das Dienstfahrrad des Pastors steht gleich im Eingangsbereich. Karlovac liegt nahe der kroatisch-bosnischen Grenze und hat daher viel vom Bosnienkrieg mitbekommen, auch wenn es selbst nicht so stark betroffen war. Spannend ist, dass Ladislav nicht nur seine freikirchentypisch relativ wenigen Gemeindeglieder erreicht, sondern stark für Beerdigungen angefragt wird, etwa von ehemaligen Kommunisten und konfessionell nicht klar verorteten Menschen. So hält er etwa 100 Beerdigungen pro Jahr, ohne dafür ein Honorar zu verlangen, und erreicht damit Menschen mit dem Evangelium, die sonst nur schwer erreichbar sind. Übrigens hat der Pfarrersohn, genauer der Sohn eines serbisch-orthodoxen Priesters Nikola Tesla in Karlovac das Gymnasium besucht und dort soll bald ein Museum für ihn entstehen, in seinem Geburtshaus in Smiljan gibt es bereits eines.

Zu viert fuhren wir dann in Richtung Grenze, am Wegesrand liegt eine Kriegsgedenkstätte mit einem Kriegsflugzeug und Kriegsgerät im Freien. Immer mehr waren verwundete Häuser waren zu sehen: Dächer die beschädigt waren oder ganz fehlten, Einschusslöcher im Hausputz von Granatsplittern. Ein landschaftliches Highlight ist Rastoke, wo zwei Flüsse mit eindrucksvollen Wasserfällen zusammenstoßen. Als 1962 die Karl-May-Filme in Kroatien, vor allem an den Plitvicer Seen gedreht wurden, nutzte man auch diese Location und baute ein Indianerdorf mit Saloon nach. Der Totempfahl ist bis heute zu sehen.

Erfreulich zügig kamen wir über die EU-Außengrenze nach Bosnien-Herzegowina. Für Handynutzer heißt es aufpassen, mobile Daten und Telefonieren werden plötzlich extrem teuer, dafür wird alles andere billiger, die Währung ist immer noch wie zu Zeiten der D-Mark an den Kurs des Euro gekoppelt und leicht umzurechnen.

In Bihać zeigte uns ein lokaler Helfer des roten Kreuzes die Lagerhalle, die mit großer Unterstützung von “Hilfe konkret” erreicht wurde. Viele gut sortierte Spenden lagern dort, Pappkartons mit Bekleidung und deutscher Beschriftung, Zelte und Küchenutensilien. Nebenan wurde eine große Halle zur Großküche umgerüstet. Dort wird vom Roten Kreuz Bihac mit Unterstützung von Geflüchteten Essen für eines der zwei großen Flüchtlingscamps gekocht.  Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel Engagement es in Bihać für Geflüchtete gibt, obwohl diese fast immer auf der Durchreise sind. Denn kaum einer will in Bosnien bleiben. Als 2015 die Grenzen nach Deutschland offen waren, kamen gut 900.000 Menschen über die Balkanroute in Richtung Westeuropa. Kroatien ist seit 1.1.2023 Mitglied des Schengen-Raums, in dem es keine Grenzkontrollen gibt. Dafür sollen die Außengrenzen der EU dann besonders gut gesichert sein. Kroatien musste deshalb schon vorher beweisen, dass es keine unkontrollierten Grenzübertritte gibt. Immer wieder kritisieren Menschenrechtsorganisationen die teils gewaltsamen Pushbacks (siehe https://www.dw.com/de/eu-pushbacks-und-mehr-grenzz%C3%A4une/a-59452963 und https://www.dw.com/en/when-are-pushbacks-at-the-eus-external-borders-illegal/a-59442530) .

Einen guten Überblick über die aktuellen Herausforderungen der EU-Migrationspolitik bietet dieser Artikel: https://www.dw.com/de/eu-migrationspolitik-2023-wird-m%C3%BChsam-bleiben/a-64070016 . Aktuelle Zahlen für die Westbalkanroute hat die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache Frontex am 13.1.23 veröffentlicht (siehe https://frontex.europa.eu/media-centre/news/news-release/eu-s-external-borders-in-2022-number-of-irregular-border-crossings-highest-since-2016-YsAZ29). Von 330.000 irregulären Grenzübertritten fanden 145.600 auf der Westbalkanroute statt, eine Steigerung um 136% gegenüber dem Vorjahr – und das sind nur die festgestellten Grenzübertritte, die teilweise mehrfach gezählt werden. Viele schaffen es auch unbemerkt über die Grenze zu kommen. Vgl. auch den Bericht des MDR vom 18.10.22 mit einer schönen Karte der Balkanroute (https://www.mdr.de/nachrichten/welt/politik/fluchtrouten-europa-asyl-fluechtlinge-grenzkontrollen-100.html); aus diesem Bericht wird auch deutlich, dass es vor allem die Situation in der Türkei ist, die Menschen weiterziehen lässt, weil die Stimmung im Land sich allmählich dreht und die Türkei die syrischen Flüchtlinge wieder nach Syrien zurückschicken will. Dort herrscht mit Unterstützung Russlands immer noch Assad und mehr als 130.000 Syrer (Stand 2021) sitzen in Internierungslagern mit Folter fest (https://www.zdf.de/nachrichten/politik/syrien-assad-folter-kriegsverbrechen-100.html).

Es ist ein echtes Dilemma: Viele der Flüchtenden haben Anspruch auf Asyl, die Anerkennungsquoten in Deutschland sind hoch, vor allem für Flüchtende aus Syrien (zur aktuellen Lage 2022: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/asyl-zahlen-bamf-101.html). Trotzdem spielt die EU ein doppeltes Spiel und versucht an den EU Außengrenzen den Übertritt zu verhindern durch Kontrollen, Pushbacks und den Bau von Mauern und Zäunen. Ehrlich gesagt habe ich auch keine Lösung für dieses Dilemma. Unbegrenzte Zuwanderung kann sich kein Land leisten, auch nicht humanitäre. Trotzdem muss Menschen in Not geholfen werden. Deshalb sehe ich nur die Möglichkeit, dass sich Zielländer der Migration auf eine gerechte Verteilung einigen und es auf den Migrationsrouten Möglichkeiten gibt, ohne illegalen Grenzübertritt mit einer Quote in ein sicheres Land zu kommen.

Gemeinsam fuhren wir dann in das Camp Lipa etwa 25 km außerhalb von Bihać an einer der Fluchtrouten gelegen. Die Wälder sind noch immer nicht ganz von den Kriegsminen gesäubert, worauf Warnschilder hinweisen. Dort standen früher Zelte, in denen mehr als 1000 Männer untergebracht waren (ausführlich: https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCchtlingslager_Lipa). Das Lager sollte geräumt werden, da es nicht winterfest sei. Aus Protest wurde im Dezember 2020 Feuer gelegt und fast das ganze Lager brannte ab, eine humanitäre Krise drohte. Inzwischen wurde mit vielen Unterstützern, darunter auch das deutsche THW, ein gut ausgestattetes Flüchtlingslager gebaut mit beheizbaren Containern zum Wohnen. Jeweils drei Stockbetten für 6 Personen sind in so einem Container. Es gibt einen Zaun um das Camp und Einlasskontrollen, außerdem sollen Videokameras zur Sicherheit beitragen. Es gibt jeden Tag in einer großen Halle warmes Essen. In ausliegenden Flyern wird in mehreren Sprachen Unterstützung für die Rückführung in das Herkunftsland angeboten. Betrieben wird das Camp von der Internationalen Organisation für Migration der UN. Fotografieren ist leider nicht erlaubt. Jetzt mitten im Winter ist das Camp allerdings nur wenig ausgelastet. Die Chancen für einen erfolgreichen Grenzübertritt sind im Winter gering und es ist kalt, es droht die Gefahr in den Wäldern zu erfrieren. Trotzdem versuchen einige ihr Glück, ich konnte kurz mit zwei Flüchtenden aus Afghanistan sprechen, die – wenn ich es richtig verstanden habe – nur eine Nacht im Camp verbringen wollten und dann weiterziehen. Neben dem Camp gibt es einen kleinen Laden, in dem man sich das Nötigste kaufen kann, Kekse genauso wie Wanderschuhe und Kleidung.

Sehr beeindruckt hat mich die Haltung des Leiters des Roten Kreuzes in Bihać, der in den vergangenen Jahren einen großen Teil seiner beruflichen Energie in die Unterstützung von Geflüchteten investiert hat. Auf die Frage, ob er noch Motivation habe und nicht wie viele allmählich müde werde sagte er, dass man die Hilfsstrukturen mit so viel Energie aufgebaut habe, dass man sie jetzt nicht einfach aufgeben könne.

Hilfe konkret unterstützt diese Arbeit mit Menschen auf der Flucht in Bihać seit vielen Jahren und bekommt dafür auch Unterstützung vom Diakonischen Werk Württemberg (siehe http://www.hilfekonkret.de/wp-content/uploads/2020/12/rundbrief-hilfe-konkret-winter-2020_c.pdf S. 6) und vom Staatsministerium Stuttgart (https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/nothilfe-fuer-gefluechtete-an-der-grenze-in-bosnien-herzegowina/) , wie mir Johannes Neudeck erzählte und die Links dazu weiterleitete.

Eine anschauliches Video zur Situation in Bihać hat übrigens das Frach-Kollektiv erstellt. Nicht alle Positionen dieses Videos muss man teilen, aber der Ernst der Lage wird sehr deutlich. Das Feuer kann – anders als im Video behauptet – auch gut von frustrierten Geflüchteten gelegt worden sein.

Nach der Rückfahrt nach Karlovac besuchten wir noch eine Gruppe geflüchteter Ukrainerinnen mit Behinderung. Sie sind in einer schönen Villa etwas außerhalb untergebracht und kommen aus einem Wohnheim in Riwne. Geflohen sind sie zusammen mit einer Betreuerin, nachdem die Bewohner die Überflüge der Kriegsflugzeuge und die mentale Bedrohung nicht mehr ausgehalten hatten. Während es in Kroatien kaum Bapisten gibt, sind diese in der Ukraine ziemlich zahlreich. Über baptistische Kontakte wurde Pastor Ladislav angefragt, ob er helfen könne, und tatsächlich fand man diese Villa. Wir wurden extrem herzlich empfangen. Pastor Ladislav kommt jede Woche für eine Andacht dorthin und man spürt, wie viel Vertrauen auf beiden Seiten da ist. Da die russische bzw. ukrainische Sprache der kroatischen als slawische doch ähnelt, war die Verständigung relativ gut möglich. Es ergab sich ein schönes Gespräch und wir bekamen zwei ukrainische Lieder vorgesungen, eines davon habe ich auch für mein Video aufgezeichnet, das nach der Reise veröffentlicht werden soll. Die Lage dort wirkte wie ein Idyll nach all den Kriegsspuren, die wir gesehen hatten. Mir wurde wieder einmal deutlich, wie gut es ist, wenn Flüchtlingshilfe in der Nähe des Krisenortes geschieht. Es muss nicht immer das wohlhabendste Land das Ziel der Flucht sein. Wenn wohlhabende Länder nahe gelegene dabei unterstützen, Geflüchteten zu helfen, ist dies oftmals die bessere Lösung für alle Seiten, weil die kulturellen Unterschiede kleiner sind.

Impressionen Tag 3

Tag 4 – 13. Januar

Nach drei vollgepackten Herumreise-Tagen ist von heute deutlich weniger zu berichten. Ich wurde als Bauarbeiter eingesetzt. Mein Capo auf der Baustelle war der Maler Radovan. Er hat schon mehr als vier Monate auf dieser Baustelle gearbeitet und macht die Malerarbeiten praktisch im Alleingang. Ursprünglich stammt er aus einem Roma-Dorf. Von der freien evangelischen Schule in Čakovec habe ich an Tag 1 ja schon berichtet, sie ist so erfolgreich, dass man für eine Erweiterung ein zweites Gebäude braucht. Die Bauleitung liegt in den Händen baptistischer Gemeindeglieder, Vater und Sohn Bratko und Petar. Meine Aufgabe war es, Rigips-Wände zu verspachteln, damit man sie eben werden und sauber zu streichen sind. Das klingt einfacher als es ist, weil das Material nach gut einer halben Stunde fest wird und dann weggeworfen werden muss. Außerdem muss alles schön glatt sein und das braucht Übung. Am Abend war ich von der körperlichen Arbeit völlig erledigt, habe mir an der Hand eine Blase geholt, aber es hat doch richtig Spaß gemacht.

Radovan hat eine ähnliche Geschichte, wie man sie auf S. 24ff unter http://www.hilfekonkret.de/wp-content/uploads/2021/12/2021.12-hilfe-konkret-rbl_compressed.pdf nachlesen kann. Das ist der lesenswerte Bericht eines Schülers der Schule in Čakovec, der in einem Roma-Dorf aufgewachsen ist.

Impressionen Tag 4

Tag 5 – 14. Januar

Heute war ein eher touristischer Tag, da ich auf mich allein gestellt war. Ich nutzte ihn, um das Barockstädtchen Varaždin zu besuchen, das immerhin einmal kurz Hauptstadt von Kroatien war. Hier ein paar Impressionen.

Tag 6 – 15. Januar

Heute durfte ich am Gottesdienst in der Baptistenkirche fast nebenan teilnehmen. Ein modernes Gebäude mit guter Technik. Die Gemeinde besteht aus etwa 50-70 Leuten, zu Kriegszeiten waren es 150, aber jetzt greift auch hier der Wohlstand um sich und weniger Leute halten sich zur Gemeinde. Das Gottesdienstpublikum war bunt gemischt von jung bis alt, etwa 50 Personen. Spannend war es zu erleben, dass mitten im Gottesdienst eine offene Gebetsgemeinschaft stattfindet. Es spielt eine Band, die spontan die aufgerufenen Lieder begleitet und das megaprofessionell und groovend, kein Wunder, wenn der Kern der Band aus den Leuten der Band October Light besteht, die auch schon auf Tournee waren.

Ich durfte dann die Predigt halten. Auf die Frage, wie lang die gehen soll, war die Antwort: 20 Minuten. Ich: Ok, dann kann ich – wegen der Übersetzung – etwa 10 Minuten etwas sagen, alles klar. Darauf: Nein, du kannst 20 Minuten predigen, dann habe ich 20 Minuten Zeit für die Übersetzung. Die Predigt geht etwa 40-45 Minuten. Darauf ich: In Deutschland gilt die Regel, man darf über alles predigen, aber nicht über 20 Minuten. Ich habe dann meine Jahreslosungspredigt etwas auf die Situation hier angepasst und auch etwas zu Ismael aus muslimischer Sicht gesagt.

Zum Mittagessen war ich eingeladen und erlebte eine herzliche und bunte Großfamilie. Bei einem Nachmittagsspaziergang allein die Straße entlang fuhr die Polizei vorbei, blinkte plötzlich und kontrollierte dann meinen Pass. Als ich nachfragt, warum ich kontrolliert würde, sagten sie, dass sie die Grenze kontrollieren müssten, da immer wieder Rumänen illegal unterwegs seien; und sie sagte etwas vom Schengen-Raum, der ja jetzt gelte. So eine Kontrolle habe ich in Deutschland bisher noch nie erlebt. Johannes Neudeck hat mir erzählt, dass früher, als die Balkanroute noch offen war, an dieser Straße in Pusćine immer wieder Migranten zu Fuß unterwegs waren.

Tag 7 – 16. Januar

Heute war ein großer Reisetag. Mit Blablacar, das hier gerne als Mitfahrzentrale genutzt wird und keine Vermittlungsgebühr kostet, ging es von Varaždin nach Zagreb. Alle vier Mitfahrplätze waren ausgebucht. Zwei Mitfahrende haben mir erzählt, dass sie zwar katholisch sind, aber nie in die Kirche gehen und sich eigentlich nicht für Glaubensdinge interessieren. Nach längerer Wartezeit ging es im Centrotrans-Bus für 40 Euro von Zagreb nach Sarajevo, eine Fahrt von knapp achteinhalb Stunden. Als dann pünktlich Pastor Tomislav Dobutovic mit dem Auto einfuhr, um mich abzuholen, war ich sehr erleichtert. Denn in einer fremden Stadt weiß man ja nie, was so alles passieren kann. Wir haben uns dann gleich am ersten Abend sehr nett unterhalten und leider erfahren, dass Johannes Neudeck so krank geworden ist, dass er nicht nach Sarajevo kommen kann. Er coacht mich und uns jetzt von Deutschland aus und Tomislav erzählt mir, was es hier ohne seinen Einsatz alles nicht gäbe. Zum Beispiel nicht die schöne Küche im Gemeinschaftscenter unter dem Kirchenraum, wo bis zu 40 Leute schlafen und essen können.

Tag 8 – 17. Januar

Los ging es heute um 8 Uhr mit dem ersten Termin der Gebetswoche, die als Allianzgebetswoche auch in Deutschland bekannt ist. Da hier aufgrund des orthodoxen Weihnachtsfest noch Winterferien sind, kamen keine Gemeindeglieder, aber immer zwölf Christen waren über Zoom landesweit zum Beten verbunden, für das man sich eine Stunde lang Zeit nahm, unterbrochen durch einige Anbetungslieder und den Austausch von Gebetsanliegen. Konkret wurde heute für zwei der bosnischen Gemeinden gebetet, die zu den Baptisten gehören.

Unser Hauptjob war es dann heute, eine Holzlieferung an drei bedürftige Haushalte weit verstreut in Sarajevo zu organisieren, die alle irgendwie mit der Gemeinde zu tun haben. Das ist im besten Sinne eine diakonische Aufgabe, die gleich mit der Auslieferung eines Care-Pakets und einem Mut machenden Gespräch mit dem Pastor verbunden wird. Viele Haushalte heizen hier noch mit Holz, was im Winter in Sarajevo große Smog-Probleme verursacht. Die Brennholzpreise sind in astronomische Höhen geschossen, so dass mit Hilfe von Spenden Bedürftige versorgt werden. Die Geschichte der ersten Lieferung ist besonders bewegend, denn mit einer Frau zusammen lebt ihr Sohn, den ich erst für ihren Mann gehalten habe, weil er sehr alt aussieht. Er hat im Bosnienkrieg gekämpft und litt dann unter posttraumatischem Belastungssyndrom und kam im zivilen Leben nie wieder richtig auf die Beine. Immerhin haben sie nun für den Rest des Winters genug Holz, um zu Heizen. Die 2 Kubikmeter Holz sollten ausreichen bei sparsamem Auflegen.

Im Video sieht man, wie am Schluss Bargeld übergeben wird. Das hat sich hier als die zuverlässigste Methode herausgestellt. Wenn man das Ganze per Überweisung regelt, geht manchmal mit der Lieferung etwas schief, ein Fahrer kommt, der sich nicht auskennt. Oder das Geld versickert irgendwo.

Bei der Autofahrt haben wir zig Mal die Grenze zwischen den beiden Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska überquert. Das sind relativ eigenständige Entitäten, vergleichbar mit Bundesstaaten. Ein Schild weist ähnlich wie beim Wechsel eines Bundeslandes in Deutschland auf den Grenzübertritt hin, nur dass die Grenze hier mitten durch die Stadt verläuft. Weil auch die Polizei eigenständig ist, gibt es meist Videokameras die alle Autos aufzeichnen, weil oft welche gestohlen werden und die Ermittlungen damit einfacher sind.

In Bosnien-Herzegowina leben Bosniaken und Kroaten wie auch Serben. Davon zu unterscheiden ist übrigens der Begriff Bosnier, der einfach eine Bewohnerin von Bosnien meint. Somit sind auch mehrheitlich die orthodoxe, muslimische und katholische Religionsgemeinschaft vertreten. Die bosnischen Muslime/Bosniaken sind nicht zu vergleichen mit Nahost-Muslimen und leben zumeist einen toleranten, sehr europäischen Islam. Manche sehen dieses Land als Test, ob es gelingt, in Europa einen toleranten, modernen Islam lebensfähig zu erhalten, ohne dass es zu Problemen kommt. Leider gibt
es seit dem Bosnienkrieg Einflüsse aus Nahost, die versuchen diesen Muslimen einen radikaleren, wahabitisch geprägten Islam nahe zu bringen, der in einem “rein muslimischen” selbständigen Bosnien leichter zu leben wäre. Viele neue Moscheen wurde mit dieser Absicht gebaut und mit Personal ausgestattet.

Die Fliehkräfte in diesem kriegsgebeutelten Land, das Kroatien und Serbien zeitweise am liebsten unter sich aufgeteilt hätten, sind also noch immer stark. Deshalb ist es auch noch nicht gelungen, das Amt des Hohen Repräsentanten aufzulösen. Dieses übt als Vertreter der internationalen Gemeinschaft derzeit der Deutsche Christian Schmidt aus, der mit den sog. “Bonner Befugnissen” Herrschaftsinstrumente hat, die auch als “nicht demokratisch” hinterfragt werden. Wie hier, auch angesichts des Krieges in der Ukraine, immer noch provoziert und gezündelt wird, kann man mit einem Bericht von einer serbisch-nationalistischen Parade am 9.1.23 schön hier nachlesen: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/sarajevo-serben-101.html

Anschließend durfte ich noch zwei Orte der olympischen Winterspiele 1984 sehen. Am Abend sind wir dann noch ein wenig durch die absolut sehenswerte Altstadt spaziert, die man auch das europäische Jerusalem nennt, weil hier die Bauten verschiedener Religionen nahe beieinander stehen: Katholische Kirche, (serbisch-)orthodoxe Kirche, Synagoge, Moschee und last but not least eine evangelische Kirche.

Impressionen Sarajevo

Tag 8 – 18. Januar

Nach einer Stunde Gebet im Rahmen der Gebetswoche starteten wir (Tomislav und ich) heute auf eine längere Tour. Erste Station war das Flüchtlingscamp  Ušivak etwas außerhalb von Sarajevo. Wir durften – obwohl wir nicht angemeldet waren – das Gelände anschauen, das gut organisiert wirkt und derzeit nur zum Teil ausgelastet ist wie im Winter üblich. Toll war es, dass wir den Leiter des Camps, Mite Cilkovski, sprechen konnten, der früher auch schon für das Camp Lipa verantwortlich war. Auf die Frage, womit wir denn helfen könnten, sagte er: Nahrungsmittel gebe es genug, was aber fehlen würde seien Bildungsmaterialien und Tablets, um den im Camp vorhandenen Internetzugang besser nutzen zu können. Ein paar – gerne auch schon etwas ältere – Tablets sollten doch zu organisieren sein. Wer welche hat, bitte direkt an diese Adresse schicken:

Kršćanska baptistička crkva
Ljubljanska 26
71 000 Sarajevo
Bosnia and Herzegovina

Pastor Tomislav Dobutovic wird sie dann im Camp vorbeibringen – wenn es mehr Geräte gibt, weiß er auch, wem die zugute kommen können.

Die Idee mit den Bildungsmaterialien hat sich im Gespräch zu folgender Idee weiter konkretisiert: Es wäre doch toll, wenn es ein kleines gedrucktes Büchlein oder Heftlein gäbe, in dem in den wichtigsten Sprachen Informationen enthalten sind und Hilfestellung gegeben wird, um sich in den Sprachen der Zielländer zu verständigen. Mit Hilfe von QR-Codes könnte man dann auf Bildungsmaterialien verweisen. Ein großes Problem ist ja, dass man zwar im Camp Strom und Internet hat, nicht aber, wenn man sich weiter auf den Flucht-Weg macht und dann teilweise tagelang ohne Strom auskommen muss. Da wäre ein Buch sehr hilfreich. Falls jemand Textquellen kennt, die man von den Rechten her verwenden kann, darf er sich gern bei mir melden.

Weiter ging es zu einem Gespräch mit dem baptistischen Churchplanting-Team in Konjic. Ein Ehepaar aus Albanien, Fisnik and Manjola Zenelaj, und Sarah Atwood aus Großbritannien versuchen hier, mit Freundschaftsevangelisation den Grundstein für eine Gemeinde zu legen. Während es zu Kriegszeiten und in der frühen Nachkriegszeit schon einmal eine baptistische Gemeinde gab, hat sich diese durch viele Wegzüge leider verloren und es ist schwer, hier neu anzufangen. Trotzdem ist die Treue  und Hingabe der drei bewundernswert, die bald noch durch eine vierköpfige Familie verstärkt werden soll, auch wenn noch nicht viel Erfolg zu sehen ist.

Ganz anders ist die Situation in Mostar, wie uns der baptistische Pastor Richard Swain uns erzählte, der aus den USA stammt. Er war auch als Landwirtschaftsexperte gekommen, stammt selbst aus der Landwirtschaft und hat ein einschlägiges Studium hinter sich. So konnte er in der Nachkriegszeit in vielen großen Projekten dabei mitwirken, dass die Nahrungsmittelproduktion wieder in Gang kam. In Mostar gibt es eine lebendige Gemeinde, auch und gerade, weil einige ausländische Familien das Team verstärkt haben, die selbst viele Kinder hatten; andere Einheimische wurden mitgezogen. Wir kamen beim Mittagessen auch ins Gespräch über Seelsorge an traumatisierten Menschen und Soldaten. Hier ist viel Behutsamkeit nötig, es gab aber auch sehr erfolgreiche Schulungen für Seelsorger und Kurse, die durchgeführt werden.

Was dann natürlich noch Pflicht war: ein Gang über die weltberühmte alte Mostar-Brücke aus dem 16. Jahrhundert. Diese verbindet den muslimischen und den christlichen Teil der Stadt, die durch den Fluss Neretva geteilt wird. Im Krieg schossen beide Stadtteile aufeinander und die Brücke, das Wahrzeichen der Stadt, wurde zerstört. Mühsam wurde sie wieder aufgebaut und ist heute ein Symbol für die verheilenden Wunden nach dem Krieg. Trotzdem sieht man auch nahe der Brücke immer noch viele zerbombte Häuser. Übrigens mussten wir auf die andere Seite des Flusses fahren, um auf die Brücke zu kommen, weil es so stark regnete, dass der eine Zugang völlig überschwemmt war. Man sieht das im Video.

Video der alten Mostarbrücke bei Regen

 

Impressionen

Tag 10 – 19. Januar

Wieder ging es los mit einer Stunde Gebet. Heute wurde zum ersten Mal für mich im Chat auf Englisch übersetzt, worüber gerade gesprochen wurde. Das fand ich ein schönes Zeichen und ich habe gemerkt, wie leicht man Leute übergeht, die die Landessprache nicht können und die einfach höflich stumm dabei sitzen.

Dann machten wir uns zu dritt auf den Weg zu ComPass, das ziemlich zentral in Sarajevo liegt. Denis begleitete uns, der früher selbst ein Warenlager für Geflüchtete in Sarajevo geleitet hat. Er ist ein Minenräumer, der mit Hunden arbeit, hat sich dabei aber leider verletzt. Seine Geschichte wird er mir morgen ausführlicher erzählen. Im Auto hatten wir viele Tüten mit Lebensmitteln, die das Lager von ComPass wieder auffüllen. Auch Hilfe konkret hat schon viel Unterstützung für diese Einrichtung geleistet, die eine Anlaufstelle für “People on the move” ist, wie man für Flüchtende bzw. Migrierende auch sagen kann. Dort bekommen sie einen Tee oder Kaffee, Beratung und vor allem Ausstattung für ihreren Weg, vor allem Kleidung und Nahrungsmittel. Ich kam ins Gespräch mit einer Farsi sprechenden Gruppe aus Afghanistan. Mit Hilfe der App SayHi, die ich durch ukrainische Geflüchtete kennen gelernt habe, konnten wir uns erstaunlich gut unterhalten. Einer von den dreien zeigte mir auf seinem Handy ein Zertifikat, dass er in Ramstein war. Er sagte, er sei einen Monat lang dort gewesen, vermutlich wurde er für seine Aufgaben für den deutschen Stabilisierungseinsatz dort geschult. Es ist traurig, dass er sich wie alle anderen auf den Weg machen muss.

Auch mit einer Gruppe von drei Marokkanern kam ich ins Gespräch. Sie sind mit dem Flugzeug nach Istanbul geflogen. Von dort aus haben sie sich auf den Weg gemacht. Gefragt nach den Gründen erzählte einer mir, dass es in seinem Land große Armut, Inflation und keine Perspektiven gebe.

Zwei sehr beeindruckende Helferinnen habe ich getroffen. Gerade am Aufbrechen war Fabienne Dimmer von “Catch a smile” aus Luxemburg. Sie ist schon lange im Einsatz für Menschen auf der Flucht und hat klare politische Ansichten. Viel Leid, das die Flucht notwendig macht, werde von machthungrigen Männern verursacht. Eine lokale Helferin ist Ilma. Sie betreibt ComPass zusammen mit vier weiteren ehrenamtlichen Helferinnen. Daneben studiert sie türkische Literatur in Sarajevo, verbringt aber einen Großteil ihrer Freizeit im Einsatz für Flüchtende. Man spürt ihr ab, wie sehr das Leid dieser Menschen sie bewegt. Sie sagt uns, dass nur die Protestanten den Flüchtenden helfen würden. Sie selbst ist Muslima und habe ihren Imam angeschrieben, aber der habe nicht einmal geantwortet. Auch die anderen Konfessionen würden sich nicht engagieren. Mit beiden habe ich ein ausführlicheres Interview geführt, das ich sehr zum Anschauen empfehle. Über die Arbeit von ComPass gibt es hier https://de-de.facebook.com/Kompas071Sarajevo/ und hier https://www.instagram.com/kompas071_sarajevo/ Updates.

 

Weiter ging es zu einem lockeren Austausch mit Timothy Kim aus Korea und seiner Frau, die als Missionare entsandt sind. Auch Tomislavs Frau war dabei, die eine Seelsorge-Ausbildung als Gestalttherapeutin macht. Timothy hat nur noch fünf Jahre bis zur Rente und soll in Sarajevo noch einmal neu starten, dafür lernen beide sehr fleißig die bosnische Sprache. Churchplanting haben sie lange genug gemacht, jetzt geht es eher darum, die örtlichen Christen zu unterstützen, für sie zu beten und als Scouts für jüngere koreanische Missionare vor Ort zu sein, die sich bei einem Einsatz die Lage vor Ort anschauen können. Sie haben sich auch ausführlich nach der Situation in Deutschland erkundigt. Ein Leuchten ging bei Timothy und Tomislav über das Gesicht, als ich ihnen erklärte, dass ich in dem Haus wohne, in dem Charlotte Reihlen geboren ist, die das berühmte Bild vom breiten und schmalen Weg entwickelt hat. Das kannten sie und waren sehr beeindruckt auch von der Größe unserer Kemnater Bartholomäuskirche, die Timothy gleich im Internet gegoogelt hat.

Den restlichen Nachmittag habe ich dann genutzt, um in Ruhe Sarajevo auf mich wirken zu lassen, einige interessante Orte abzuklappern und mir einen neuen Haarschnitt zu gönnen.

Impressionen

Tag 11 – 20. Januar

Heute war ein eher ruhiger Tag. Nach dem Start mit Gebet habe ich ein Interview mit Pastor Tomislav Dobutović aufgezeichnet. Er begleitet mich nun schon eine Woche lang und ich bewundere ihn, wie bescheiden und gleichzeitig mit großen Zielen er als Pastor arbeitet. Er ist verantwortlich für die verschiedenen Churchplanting-Projekte baptistischer Gemeinden. Er macht sich Gedanken, wie man echte Leuchtturmprojekte in Bosnien voranbringen kann. Zum Beispiel haben sie Nick Vujičić nach Bosnien geholt. Siehe dieses Video. Wer den butterfly circus noch nicht kennt, sollte ihn sich unbedingt ansehen. Das Kairos Center in Sarajevo bietet Platz für etwa 40 Personen. Gerne beherbergt man hier Jugendgruppen, die einen Einsatz machen wollen – in der Flüchtlingsarbeit genauso wie im praktischen Einsatz für Gemeindeglieder oder das Kairos Center. Eindrücke vom Kairos Center gibt es auch im Video:

Am Nachmittag habe ich mir das Museum Of Crimes Against Humanity And Genocide angeschaut. Viel habe ich schon über den Bosnienkrieg und die Massaker dort wie in Srebrenica gelesen, aber dieses Museum kann einem wirklich die letze Hoffnung rauben, dass Menschen menschlich sind. Eher gediegen langweilig war dagegen das bosnische Nationalmuseum. Die Hauptsehenswürdigkeit, die Sarajevo-Haggada, konnte ich nur aus der Ferne sehen, da der Raum abgesperrt war.

Am Abend konnte ich dann noch ein Interview mit Denis aufnehmen. Er ist ehrenamtlicher Helfer in der Flüchtlingsarbeit in Sarajevo und war lange für das Lagerhaus verantwortlich, das Flüchtende unterstützt hat. Besonders spannend ist, dass er Minensuchhunde ausbildet. Hier das Video:

Impressionen

Tag 12 – 21. Januar

Dieser Tag war geprägt von einem drastischen Wintereinbruch. Statt eines geplanten Besuchs in Tuzla hieß es Schnee schippen, damit am Tag darauf die Parkplätze der Gemeinde benutzbar sind. Außerdem gab es noch einmal intensive Gespräche mit Pastor Tomislav bei einem Kaffee in den Bergen. Dabei zeigte sich, dass das Thema sexuelle Vielfalt und Homosexualität hier genauso intensiv diskutiert wird wie in Deutschland. Allerdings haben die nicht-evangelischen Konfessionen und die muslimische Gemeinschaft hier noch deutlich konservativere Ansichten als in Deutschland. Auch Pastorinnen werden von Katholiken noch längst nicht als normal akzeptiert.

Tag 13 – 22. Januar

Heute durfte ich wieder predigen, allerdings auf Englisch, was mir nicht ganz leicht fiel. Zum Glück konnte ich mir mit Hilfe der Übersetzung von https://www.deepl.com eine gute Ausgangsbasis verschaffen. “Jahreslosung” würde ich übrigens am ehesten mit “annual watchword” wiedergeben in Anlehnung an die “daily watchwords”, da ist mir “motto”, was deepl vorschlägt, etwas zu blass. Zusammen mit Sarah, die ich schon von unserem Besuch Konjic kannt, einem Schlagzeuger und Lydia, der Frau des Pastors, konnte ich am Klavier beim Lobpreisteam mitwirken. Wieder waren mir viele der Lieder sehr vertraut, auch wenn sie auf bosnisch manchmal einen etwas anderen Rhythmus beim Singen  haben.

Übrigens ist hier in Sarajevo bei den Baptisten erst um 11 Uhr Gottesdienst. Früher gab es zwei Gottesdienste, einen auf Englisch und einen auf Bosnisch. Als die Nato-Soldaten weg waren und man den englischsprachigen Gottesdienst nicht mehr brauchte, wollte die Gemeinde bei 11 Uhr bleiben. Sonst ist hier wie in Deutschland eher 10 Uhr üblich. Die Gemeindeglieder kommen allerdings teilweise von ziemlich weit her, da ist der spätere Gottesdienstbeginn dann einfach praktisch.

Nach dem Gottesdienst gab es eine schöne Zeit der Gemeinschaft, wo ich weite Leute kennen lernen konnte – eine Missionarin aus den USA, eine Familie aus Brasilien. Vielleicht trügt der Eindruck, aber es scheint doch so zu sein, dass viele Missionen sich auf Sarajevo konzentrieren und dort ihre Mitarbeiter hinschicken, zumindest so lange, bis sie bosnisch bzw. kroatisch gelernt haben, was sehr ähnlich ist.

Impressionen

Tag 14 – 23. Januar

Vor der italienischen Botschaft – fotografieren verboten, warum auch immer – wurde ich dann von meiner blablacar-Mitfahrgelegenheit bis nach Zagreb mitgenommen. Mein Fahrer arbeitet dort für die Amerikaner. Wenn ich es recht verstanden habe, kontrolliert er Behörden und die Polizei, ob sie gut organisiert sind und ohne Bestechung arbeiten und optimiert ihren Workflow. Er hat mir einige üble Korruptionsfälle erzählt, etwa eine Bleichmittelfabrik, an der wir vorbeigefahren sind, die einmal zu den modernsten Europas gehörte. Als die Japaner die Fabrik dann an Einheimische übergaben und irgendwann die Filter ersetzt werden mussten, waren die Strafen für den Ausstoß der Giftstoffe billiger als die Erneuerung der Filter. Er ist als junger Erwachsener mitten im belagerten Sarajevo aufgewachsen. Weil sich die Religionsgemeinschaften so eindeutig auf eine Seite der kämpfenden Parteien geschlagen hätten, ist er sehr enttäuscht von ihnen und ist jetzt überzeugter Atheist. Als wir auseinandergingen haben wir uns gegenseitig nach Stuttgart und Sarajevo eingeladen – mal sehen, ob es klappt. Ein zweites Blablacar brachte mich dann mit einer Bankangestellten von Zagreb direkt nach Pušćine – 500 Kilometer in sieben Stunden von Sarajevo bis hierher, das soll mir erst einmal einer ohne eigenes Auto nachmachen …

Tag 15 – 23. Januar

Heute war ich wieder an der evangelischen Schule in Čakovec. Eigentlich wollte ich wieder beim Neubau helfen, aber  mein Capo und Maler-Lehrer Radovan war nicht da, dafür ergaben sich andere tolle Möglichkeiten: Schulgründer Bratko Horvat stellte für mich den Kontakt mit einer engagierten Deutschlehrerin her. Dort konnte ich an zwei Deutschstunden teilnehmen, die im Untergeschoss des Neubaus stattfanden, der schon benutzbar ist. 9 Schülerinnen und ein Schüler – es war die medizinisch-pflegerische Richtung der Schule – übten das Perfekt, den Konjunktiv und sie lernten, wie man Feedback zu Musik gibt am Beispiel des Songs “Du” des Deutschrappers Cro (https://youtu.be/ZV4fONSDFUQ). Es war schön zu sehen, wie gut sie meinen Wortbeiträgen auf Deutsch folgen konnten. Wir haben dann noch zusammen in der schönen Schulmensa zu Mittag gegessen, wo sowohl Lehrer als auch Schüler ihren Hunger stillen. Ich bin immer noch begeistert, wie entspannt alle Schülerinnen und Schüler dort zu sein scheinen. Es geht viel ruhiger zu als auf Gymnasien, die ich kenne. Die Ausstattung der Räume ist modern, selbst designte und mit dem 3D-Drucker ausgedruckte Bedienpanels sind in jedem Raum vorhanden dazu digitale Tafeln. Neu dazu kommen sollen im Neubau noch Fachräume, die es bisher so nicht gibt. Die Schüler des Pflegebereichs machen auch ein Praktikum in Deutschland, wo sie sowohl ihre Deutschkenntnisse als auch ihre Pflegekompetenz ausprobieren können.

Von Bratko Horvat habe ich auf der Autofahrt einiges über die immer noch nicht ganz gesicherte Finanzierung der Schule erfahren. Hier kann man gern mit Spenden (auch über Hilfe konkret) unterstützen, denn Aufgrund der drastisch erhöhten Energiekosten steht die Schule, die pro Schüler staatliche Zuschüsse bekommt, aber eben nicht für Heizung und Gebäude, mal wieder mit dem Rücken zur Wand.

Am Abend ging es dann zu Ulrike Vekić, die von der DMG ausgesendet wurde (siehe https://www.dmgint.de/projekt-details/mediendienst-in-kroatien) und zusammen mit ihrem Mann Tihomir in Mačkovec nahe Čakovec lebt. Mein Bruder Andreas ist ja bei der DMG Geschäftsführer und Mitglied des Leitungsteams, er hatte mir schon von den beiden erzählt und sie auch mal vor Ort besucht. Die beiden machen christliche Medienarbeit, sorgen dafür, dass christliche Videos aus Deutschland synchronisiert oder mit Untertiteln im kroatischen Fernsehen ausgestrahlt werden und produzieren mit Hilfe einer ägyptischen Filmemacherin auch selbst Clips, die man über diese Seite sehen kann: https://4h-mediji.hr/moja-prica-s-bogom/ oder direkt über Youtube über diese beiden Kanäle https://www.youtube.com/@4hmediji700/ und den Kanal der Filmemacherin https://www.youtube.com/@HaidyBKCinematography. Über 200.000 Aufrufe auf Youtube muss man auch erst mal kriegen …

Hier zwei Beispiele, die für deutsch Sprechende verständlich sind.

Tihomir hat auch viel von seinen Erlebnissen im Kroatienkrieg erzählt. Beim Nachrecherchieren auf Wikipedia bin ich auf diese empfehlenswerte Dokumentation gestoßen: Bruderkrieg – der Kampf um Titos Erbe (https://www.youtube.com/playlist?list=PLM6glMUGzSBWsLkiW-NdmfBYRzp-93_Za).

Tag 16 – 25. Januar

Um 8.10 Uhr durfte ich in der evangelischen Schule in Čakovec eine Ethikstunde halten. Das Thema sollte lauten: Ökonomie und Ökologie. Für Schüler, die nicht im Religionsunterricht sind, gibt es hier wie in Deutschland auch Ethikunterricht. Ich habe die Chance genutzt, den kroatischen Jugendlichen etwas von den Themen mitzugeben, die uns gerade in Deutschland bewegen.

Der Aufriss der Stunde war ungefähr so:

Was sind bereits gegenwärtige Kosten des Klimawandels am Beispiel der Flutkatastrophe im Ahrtal: 180 Tote, mindestens 30 Mrd. Euro Kosten. Dafür habe ich dieses emotionale Video gezeigt:

https://youtu.be/2DNZvMl8Ljo Hier noch interessante Hintergrundinfos: https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/flutkatastrophe-im-ahrtal-und-die-folgen-nicht-versichert-sollte-es-nicht-geben-a-8cefff1c-011f-4f0e-9702-8037044f8193
Ich habe von aktuellen Trends in Deutschland erzählt wie Fridays for future (Greta Thunberg mit Schulstreiks), der “Letzen Generation”, von Straßenblockaden durch Festkleben an Straßen und schließlich vom Kampf um Lützerath mit Hilfe dieses schönen Strg-F-Videos:  https://youtu.be/hJTq6wCpJ3M (bis Minute 6:02).

Dann ging es in der Diskussion um die Frage, was Klima-Gerechtigkeit bedeutet: Wer sind die Verursacher des Klimawandels (industrialisierte Länder)? Wer sind die Hauptleidtragenden? (weniger entwickelte Länder). Es ging um das Weltverständnis von Naturwissenschaft und christlichem Glauben und die Frage, welcher Blick auf die Welt uns hilft, den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Ist es besser die Welt als Schöpfung zu sehen (christlich, jüdisch, muslimisch) oder kommt man mit einem Blick weiter, der die Welt streng naturwissenschaftlich und als Ergebnis eines Zufalls sieht. Es ging auch um Fragen der Anthropologie: Die Schüler kannten schon den Begriff “Anthropozän“. Weniger bewusst war ihnen, dass die Kuh wegen ihres Methanausstoßes das gefährlichste Tier für den Klimawandel ist und unser Fleischkonsum zum Klimawandel beiträgt. Immer wieder fällt mir hier auf, welche Mengen Fleisch hier verzehrt werden, da ist in Deutschland durchaus ein Kulturwandel zu spüren.

Beschlossen wurden die Stunde mit dem Satz von Albert Schweitzer, den sich die Schüler auf Deutsch ins Heft notieren durften: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Weiter ging es nach Zagreb ins House of Hope (s.o. Tag 2), wo mich um 14 Uhr Mihal Kreko erwartete. Um 17 Uhr hatten wir zu dritt mit Pastor Kreko und einem Iraner aus den USA, der gerade in Zagreb ist, ein spannendes Gespräch zur Frage, wie man eine iranische Familie, die in der Türkei lebt und die Christen geworden sind, nach Kroatien bekommt. Sie sollen aus der Türkei wieder in den Iran abgeschoben werden und haben dort Angst um ihr leben. Sie hätten hier in Zagreb einen Job und ein Netzwerk, aber es ist wirklich kompliziert und auch meine Kontakte in Deutschland hatten keine richtig guten Ideen. Wenn man für Einwanderer bürgt und einen Job für sie hat, kann man sie legal nach Deutschland bekommen, auch als Asylbewerber. Das ist aber finanziell sehr riskant, weil man für alle gesundheitlichen Kosten geradestehen muss, die die Migranten nicht selbst begleichen können. Natürlich gibt es auch illegale Einreisemöglichkeiten, aber die sind alle für eine Familie mit großen Gefahren verbunden und nicht zu empfehlen. Eine tolle Seite, die die Diakonie in Deutschland federführend erstellt, habe ich bei der Recherche kennen gelernt: https://legal-migration.de. Hier gibt es in den wichtigsten Sprachen Infos, wie man legal einwandern kann. Besonders spannend ist dieser Flyer, der Kontaktadressen in den Herkunftsländern enthält, über die man sich für die Ausreise beraten lassen kann.

Tag 17 – 26. Januar

Zum Glück hat das House of Hope in Zagreb ordentliches Internet, so konnte ich am Vormittag an einer Sitzung der Bezirkspresseauftragten der württembergischen Landeskirche teilnehmen, zu der aus Frankfurt auch unser Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl zugeschaltet war.

Beim Mittagessen gab es gleich ein kleines Wunder: Erst einen Tag zuvor hatte ich den Tipp bekommen, in der Türkei bei einer Beratungsstelle für legale Einreisen nach Deutschland nachzufragen, (s.o.), schon konnte Pastor Mihal Kreko Erfolg vermeldet. Er hat die Beratungsstelle in der Türkei erreicht und den Fall geschildert. Da der Familienvater einen Ingenieurabschluss hat, könnte der Weg in die EU über seine berufliche Qualifikation führen. Auch das ist kein einfacher Weg, aber zumindest ein Hoffnungsschimmer. Dann bekam ich noch einen Anruf aus Deutschland von einem Migrationsexperten der Diakonie, den ich gestern nicht erreicht hatte. Ich schlug ihm ein spannendes Projekt vor: Videos drehen mit abschreckenden Beispielen aus Deutschland von Leuten, die Probleme haben zurechtzukommen, Arbeit zu finden, die keinen echten Asylgrund haben und von Abschiebung bedroht sind oder tatsächlich abgeschoben wurden. Viele Geflüchtete, die es nach Deutschland geschafft haben, geben ihren Landsleuten nämlich immer ein positives Bild weiter, selbst wenn das längst nicht stimmt. Kaum einer will am Ende zugeben, dass sich der lange Weg nicht gelohnt hat. Mir geht es dabei nicht darum, Menschen abzuschrecken, die in Not sind. Die fliehen sowieso. Es geht darum, schon bevor man sich auf den Weg macht ein realistisches Bild vom Leben in Deutschland zu bekommen, das einen erwartet. Schon ein einfacher Blick auf die Asyl-Anerkennungsquoten in Deutschland nach Herkunftsland würde zeigen, für wen sich der Weg lohnt, wenn man keinen einschlägigen Grund hat, Hilfe zu suchen wie Verfolgung aus religiösen oder politischen Gründen oder natürlich Flucht vor einem Krieg.

Spannend war es, wieder einmal Interview-Videos zu drehen. An diesem Tag waren es gleich drei. Zunächst bekam ich den iranischen Pastor Rafi Petrossian vor die Kamera, der zwischendurch in Deutschland gelebt hat, aber die längste Zeit in den USA als Pastor gearbeitet hat. Er ist jetzt im Ruhestand und bringt sich in Zagreb in die Arbeit mit iranischen Flüchtenden ein. Viele von ihnen haben großes Interesse am Christentum, teilweise sind sie schon im Iran Christen geworden und durften dort ihren Glauben nicht leben. Dank seinem guten Englisch kann man dem Video sehr gut folgen:

 

Koreanisch ist in Kroatien sehr populär aufgrund der bei Jugendlichen beliebten K-Pop-Musik. MinGoo Kang aus Korea arbeitet im House of Hope von OM (Operation Mobilisation) unterstützt als koreanischer Missionar und nutzt das Interesse an koreanischer Kultur und Sprache um mit Leuten in Kontakt zu kommen. Petra Bronić unterstützt ihn dabei, lernt gleichzeitig koreanische und bringt sich als Ehrenamtliche in den Betrieb des House of Hope ein. Hier das Interview mit den beiden:

 

Der Initiator und geistliche Leiter des House of Hope ist Pastor Mihal Kreko. Natürlich musste auch er mir Rede und Antwort stehen. Faszinierend finde ich, dass er noch im hohen Pastoren-Alter Ideen für die Zukunft hat, wo andere es längst auslaufen lassen. Der Gedanke des Säens, damit andere ernten können ist für ihn zentral. Eine entspannte Haltung, die geduldig macht, obwohl mit dem House of Hope schon Bemerkenswertes erreicht wurde. Hier das Video:

 

Schließlich durfte ich noch beim Deutschunterricht mit Erstklässler-Kindern dabei sein. Sie haben bereits im Kindergarten Deutsch gelernt, was in der Schule leider nicht weitergeführt. Die Eltern haben sich dann auf die Suche gemacht und im House of Hope wurde eine Lehrerin engagiert, die Deutsch studiert und den Kindern spielerisch in 75 Minuten pro Woche Deutsch beibringt. Ich konnte mich mit den Kindern mit einfachen Worten unterhalten und konnte ein Spiel einbringen: Mein rechter, rechter Platz ist leer, da wünsch ich mir die/den N. N. her. Als was soll ich kommen? Als Tiger/Schwein/Hund … Das werden die Kinder jetzt bestimmt träumen.

Impressionen

Tag 18 – 27. Januar

Am Vormittag erledigte ich ein paar drängende Aufgaben für die heimatliche Gemeinde: Schreiben von Gemeindebriefartikeln, Beantworten von Emails.

Ich hatte angeboten, auch Hilfsaufgaben und Renovierungsarbeiten zu übernehmen. So packte mich Pastor Mihal beim Wort und übertrug mir die Aufgabe, die Theke und Holztische im Erdgeschoss mit neuem Lack zu versehen. Zum Einkauf fuhren wir zusammen ins mir wohlvertraute Bauhaus. Ich erklärte ihm, was man unter dem Bauhaus-Stil versteht. Fun fact: Die Namensrechte an “Bauhaus” besitzt seit der Gründung des Unternehmens 1960 die Bauhaus-Kette in Deutschland. Das Bauhaus-Archiv war 1971 mit einer Klage dagegen unterlegen.

Abends gingen wir dann zusammen zur Nacht der offenen Museen mit kostenlosem Eintritt in das Museum für zeitgenössische Kunst Zagreb. Der Schwerpunkt der Ausstellung war das aktuelle Thema Krieg und es gab durchaus beeindruckende Kunstwerke zu sehen, neben manchem das einen wie bei Kunst üblich nicht so anspricht. Besonders spannend fand ich eine Plastik mit Wunden, die mich sehr an die Häuserwunden von Bombensplittern aus dem Krieg erinnerten, die ich auf der Reise oft gesehen habe (siehe Bild). Die Haltung ist fast eine Kreuzigungshaltung. Es könnte ein kriegsverwundeter Mensch sein, vielleicht mit einem posttraumatischen Belastungssyndrom, wie es viele Soldaten haben, wenn sie an der Front waren.

Tag 19 – 28. Januar

Heute hieß es anpacken: Mit Lösungsmittel und einem Kratzer kam der alte Lack von der Vollholztheke und zwei Tischen ab, die Flächen wurden angeschliffen und dann wurde zweimal frisch lackiert. Hoffen wir, dass der neue Lack besser ist als der alte und nicht mehr so klebt. Immerhin habe ich jetzt vermutlich dauerhaft Spuren hier hinterlassen, auch wenn sie unsichtbar sind. Parallel finden heute einige Koreanischkurse statt. Das Phänomen ist mir ja schon länger aufgefallen. Eine Schülerin meinte, dass sie einfach schon länger K-Pop gehört habe und dann endlich lernen wollte, was es bedeutet, und dass die Sprache ihr einfach gefalle. Wie man auf der Stundentafel sieht, gibt es auch Deutschkurse, aber der Schwerpunkt liegt halt doch auf Koreanisch. Mit MinGoo, dem Missionar aus Korea, der auch schon auf dem OM-Schiff war, gibt es einen sprachkompetenten Lehrer, der auch das christliche Anliegen im Blick behält.

Daneben bereitete ich die Predigt vor für den morgigen Sonntag. Ich bin wieder eingeladen und will mich mit einer Predigt über Abraham, der sich für die Stadt Sodom bei Gott einsetzt, einreihen in eine Predigtreihe über geistliche Führungspersönlichkeiten der Bibel.

Tag 20 – 29. Januar

Gottlob, der Sonntag kommt herbei. Im House of Hope bekam die Theke genauso den letzten Holzlack-Feinschliff wie die Predigt über Abraham und Sodom. Ein Gemeindeglied sollte mitfahren bis zur Kirche, wir hatten uns am Abend davor bei einem netten Bier kennen gelernt, aber er sprach weder gut Englisch noch gut Deutsch und Kroatisch kann ich leider auch nicht. Als ich aus Gewohnheit “andiamo” sagte, stellte sich heraus, dass er gut Italienisch kann – plötzlich hatten wir eine gemeinsame sprachliche Ebene.

Im Gottesdienst habe ich mich sehr wohlgefühlt. Richtig gute gitarrenorientierte Lobpreismusik, die in echt deutlich besser klingt als im Livestream. Als ich anfing zu predigen, war der Gottesdienst in Kemnat längst vorbei. Es gab ein ausführliches Interview mit einem Missionar aus den USA, der von einer mehr oder weniger gescheiterten Mission in Kasachstan berichtete und in Zagreb Rafi, den iranischen Missionar (s.o.) betreute. Es gab ausführliche Bibel-Lesungen. Und schließlich die Predigt, die dann richtig gut in den Duktus des Gottesdienstes passte. Hier kann man den Gottesdienst mit erstaunlichen Aufrufzahlen nachschauen:

Petra hatte mir die Museen von Zagreb erklärt und dabei war ich auf das ungewöhnliche “Museum der zerbrochenen Beziehungen” gestoßen. Ein solches Museum gibt es angeblich nur zweimal auf der Welt und das erste war in Kroatien, heute in der Altstadt von Zagreb. Das Museum besteht aus lauter gespendeten Gegenständen, die durch eine Trennung überflüssig geworden sind, an denen aber viele Erinnerungen hängen. Das Museum hat mich emotional ziemlich mitgenommen, weil es nicht nur um normale Trennungen geht, sondern auch um tragische Todesfälle kurz vor einer Hochzeit oder Trennungen in Kriegszeiten. Am Eingang wird erklärt, dass es praktisch für jedes wichtige Lebensereignis Zeremonien gibt, für Geburt, Tod und Hochzeit, aber eben nicht für Trennungen. In Deutschland gibt es schon länger Gottesdienste für Geschiedene und getrennt Lebende. Vielleicht wäre das ja auch mal was für Kemnat …

Im Gottesdienst hatte ich an der Technik Nolan Sharp kennen gelernt. Er ist mit einer Kroatin verheiratet und arbeitet für Campus für Christus. Am Nachmittag trafen wir uns in einem gemütlichen Pub gegenüber seiner Wohnung und tauschten uns aus. Zusammen mit seiner Frau hat er ungewöhnliche Dinge versucht, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Inzwischen ist er wohl vor allem mit christlichen Geschäftsleuten in Kontakt, organisiert eine große Business-Konferenz, und unterstützt die Christen vor Ort so gut er es kann. Er war auch sehr interessiert an der Situation der Christen und der Theologie in Deutschland. Ich habe gemerkt, dass die Theologie aus Deutschland tatsächlich noch einen sehr guten internationalen Ruf hat. Als ich erwähnte, dass ich in Tübingen promoviert habe, war er richtig begeistert. Was auch immer zieht: Wenn ich erwähne, dass ich in einem vierhundert Jahre alten Pfarrhaus wohne und dass dort jemand geboren ist, den sie vermutlich kennen. Dann zeige ich das von Charlotte Reihlen designte Bild vom breiten und vom schmalen Weg und die Gesprächspartner sind sehr erstaunt. Bisher kannte noch jeder dieses Bild, egal woher er kam.

Tag 21 – 30. Januar

Schwerpunkt waren heute zwei Stunden Deutschunterricht in der 12. Klasse. Ich sollte etwas zu Benimmregeln vorbereiten. Mit Knigge hatten sich die Schüler schon beschäftigt, so bereitete ich etwas zu Business-Knigge-Regeln vor. Nach ausführlicher Konversation und gegenseitiger Vorstellung ging es darum, was in Deutschland als höflich gilt, wie man in Emails Leute anspricht, wen man siezt und wen man duzt. Insgesamt war ich beeindruckt, wie gut die Schüler deutsch konnten.

Am späten Abend kam dann Johannes Neudeck aus Deutschland wieder im Hauptquartier in Pušćine an und wir hatten uns so einiges zu erzählen.

Tag 22 – 31. Januar

Darauf hatte ich mich besonders gefreut: ein Ausflug in das Roma-Dorf Kuršanec nahe Pušćine. Dort hilft die baptistische Gemeinde seit vielen Jahren, hält eine wöchentliche Kinderstunde und lädt die Kinder zu Freizeiten ein. Einmal gab es eine große Lieferung Matratzen mit dem LKW, wie Bratko Horvat erzählte. Wir waren zu Gast bei einer netten Familie, bei der es dank Holzofen gemütlich warm war in ihrem kleinen Häuschen. Es gab Kaffee und wir unterhielten uns nett. Bei einem kleinen Dorfspaziergang konnte ich die unterschiedlichen Häuser und Wohnsituationen sehen, viele davon klein und ärmlich. Auffällig war, wie viele junge Männer an einem normalen Arbeitstag vormittags auf der Straße herumstanden. Auch die Stromleitungen sind bemerkenswert provisorisch verlegt und gehen über Stecken und Bäume. Fast alle Familien haben viele Kinder, so dass das Dorf in den letzen Jahrzehnten kräftig gewachsen ist. Sehr lesenswert ist der Bericht über David, der aus einem Roma-Dorf stammt und die ev. Schule in Čakovec besucht (S. 24-28 in: http://www.hilfekonkret.de/wp-content/uploads/2021/12/2021.12-hilfe-konkret-rbl_compressed.pdf).

Auf der Rückfahrt diskutierten wir die Frage, wie der richtige Umgang mit den Roma aussehen kann, welche Art von Hilfe und Unterstützung für ein gutes Leben sie brauchen, wie es gelingen kann ihre Sprache, Kultur und Identität zu bewahren. In Europa leben immerhin 10-12 Millionen Roma (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Roma), in der Ukraine ca. 400.000, von denen einige wegen des Kriegs auch nach Deutschland geflohen sind. Hörenswert ist dieser Podcast von SWR2 Wissen über die Roma in Europa.

Dann besuchten wir einen früheren Helfer von “Hilfe konkret” in Pušćine, der sich aus der alten LKW-Plane des Vereins eine Garage gebaut hat. Zwar konnte er kein deutsch, dafür lief im Fernsehen der “Bergdoktor” auf deutsch mit kroatischen Untertiteln.

Nachmittags ging es dann wieder in die evangelische Schule, ich konnte helfen beim Abkleben der Fenster, bevor gestrichen wird. Schließlich eine Tour durch das neugebaute Gemeindezentrum der baptistischen Kirche in Mačkovec. Pastor Nenad Kovačević zeigte uns die tollen Möglichkeiten des großen Gebäudes, das neueste Technik hat wie Videoüberwachung und Livestream, eine Gästewohung, eine Theke für das gesellige Beisammensein und viele Verwaltungs- und Gruppenräume. So viel wie möglich wurde in Eigenarbeit erstellt, um die Kosten gering zu halten. Er erzählte uns die über einhundertjährige Geschichte der Gemeinde, die einst von seinem Großvater gegründet wurde, der im ersten Weltkrieg zum Glauben gefunden  hatte. Jeden Sonntag kommen über 100 Besucher. Im Video des Konzerts von 2022 bekommt meinen einen Eindruck von den Räumlichkeiten:

 

Impressionen

Tag 23 – 1. Februar

Für den Vormittag wurde die Gästewohnung in Pušćine in ein kleines Filmstudio umgewandelt. Petar Horvat war für ein kleines Interview bereit über seine Arbeit in verschiedenen Projekten vor Ort und seine Band October Light. Und natürlich sollte auch mein Guide, Kollege und Freund Johannes Neudeck von Hilfe konkret e. V.  die Möglichkeit haben, ausführlich Geschichte, Gegenwart und Zukunftsperspektiven seines Hilfeswerks vor der Kamera zu erläutern. Am Abend kam dann noch ein Interview mit Evelyn Horvat hinzu, die an der ev. Schule unterrichtet. Hier die Videos:

 

Dann durfte ich nochmal bei einer Deutschstunde in der Oberstufe dabei sein. Beeindruckend war, wie gut sich die fünf Oberstufenschülerinnen und -schüler auf deutsch ausdrücken konnten. Das Thema war Schulstress und die Situation ist hier ganz ähnlich wie in Deutschland: Zu viele Arbeiten, zu viele Wochenstunden, Lehrkräfte, die Druck machen.

Schließlich hatten wir noch ein kurzes Gespräch mit einer deutschen Lehrerin, die vom Land Baden-Württemberg nach Kroatien abgeordnet ist. Sie hat einen ziemlich anstrengenden Job, weil sie an vier verschiedenen Schulen ausschließlich Deutsch zu unterrichten hat. Gefragt, wie sie die evangelische Schule einschätze, sagte sie, dass dort das Klima auffällig entspannt und freundlich sei, fast wie in einer Oase, und dass sie sehr gern zum Unterrichten hierher komme.

Impressionen

Tag 24 – 2. Februar

Mein letzter Tag war noch einmal sehr eindrücklich. Zusammen mit Pastor Željko Mraz, dem Generalsekretär der Baptisten-Union in Kroatien, fuhren wir durch das Erdbebengebiet, um Leute zu besuchen. Am 29.12.2020 hatte es in dieser Gegend ein Erdbeben der Stärke 6,5 gegeben (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Erdbeben_bei_Petrinja_2020), bei dem viele Häuser so zerstört wurden, dass sie nicht mehr bewohnt werden können. Neben den materiellen Schäden darf man die psychologischen Folgen nicht unterschätzen, denn bis heute gibt es regelmäßig kleinere Beben und wer das große Beben miterlebt hat, hat oft sein ganzes Leben lang Angst vor einer Wiederholung.

Damals hat auch Hilfe konkret Soforthilfe geleistet und ist über die baptistischen Helfer weiter mit Personen und Familien in Kontakt (siehe http://www.hilfekonkret.de/2020/12/30/575/).

In der Stadt Petrinja hatten wir ein interessantes Gespräch im baptistischen Mehrzweckbau mit Pastor Timothy-Ivan Špičak, der glücklicherweise erdbebensicher erbaut wurde und damit zum Schutzraum für viele Menschen wurden, die ihre Häuser verlassen mussten und Angst vor weiteren Beben hatten. Bis heute findet dort im Keller und den zwei Containern hinter dem Haus die örtliche Musikschule Zuflucht. Eine starke Gemeinde hat selbst viel Hilfe geleistet. Spannend, dass man sich hier sonntags zweimal zum Gottesdienst trifft, morgens und noch einmal abends um 19 Uhr. Viele kommen zweimal und so ist der Sonntag schon seit sozialistischen Zeiten ein Tag, der der Gemeinde und Gott gehört.

Anschließend ging es über schmale Landstraßen in das Hügelland, wo viele verlassene kleine Dörfer und Weiler zu sehen sind – Häuser, die wohl einfach dem Verfall preisgegeben sind. In dieser Gegend gibt es serbische und kroatische Dörfer, besonders die serbischen wurden meist ganz verlassen, weil die Bewohner in eher serbische Gebiete gezogen sind.

Sehr eindrücklich war der Besuch von zwei befreundeten Seniorinnen, die in Grabovac ein paar Kilometer auseinander wohnen, regelmäßig telefonieren und sich so oft es geht besuchen. Immerhin gibt es Essen auf Rädern für sie, so dass sie gut versorgt sind. Sie leben beide in einem Wohncontainer gegenüber von ihrem zerstörten und nicht mehr bewohnbaren Haus. Die Aufstellung und Einrichtung der Wohncontainer wurde u.a. finanziert von Hilfe konkret und dem baptistischen Hilfswerk, die Aufstellung erfolgte mit Freiwilligenteams, auch mit Hilfe von freiwilligen Einsatzkräften aus Deutschland.

Dann ging es zu einer Bauernfamilie in Lušćani, die mit ihrer Tochter, die eine Behinderung hat und auf den Rollstuhl angewiesen ist, in einer Mehrfach-Container-Wohnung untergebracht ist. Der Bauernhofbetrieb geht weiter, es gibt Schafe und Hühner, Hunde und Schweine. Es war gerade ein baptistisches Helferteam da, das die Dachaufbauten weiter optimierte, einer der beiden war ein baptistischer Pastor. Richtig gut getan hat dann das leckere Mittagessen mit Lamm- und Rindfleisch aus eigener Schlachtung, selbst gebranntem Pflaumenschnaps. Und jeder von uns Dreien bekam noch eine Salami als Andenken mit nach Hause. Im Gespräch wurde deutlich, dass die Familie einfach so an ihrer Heimat hängt, dass sie die beschwerliche Lebenssituation auf sich nimmt. Ohne Unterstützung von außen wäre das nicht gegangen, ob das zerstörte große Bauernhaus jemals wieder instand gesetzt wird, weiß im Moment keiner.

Nachdem wir Pastor Mraz wieder nach Zagreb zurückgebracht hatten, machten wir uns dann auf den Heimweg, der durch Schneefall in den Bergen noch um einiges verzögert wurde. Um 2.30 Uhr mitten in der Nacht war ich dann wieder zu Hause.

Was bleibt noch zu tun? Mit etwas Abstand will ich noch ein Fazit meiner Reise schreiben, außerdem wird es noch einen längeren Film geben, den ich noch schneiden muss. Es lohnt sich also bei Gelegenheit nochmal auf dieser Seite vorbeizuschauen …

Ich hoffe, ich konnte ein paar Eindrücke meiner Reise vermitteln. Vielen Dank an Johannes Neudeck, der den Einsatz und die Reise für mich ermöglicht hat und mir so viele Kontakte vermittelt hat!

Hilfe und Unterstützung für Hilfe konkret e.V. ist auf jeden Fall gut angelegt und kommt sehr direkt vor Ort an. Durch die vielen Netzwerke von Christen vor Ort ist die Arbeit sehr nachhaltig und wird hoffentlich dazu beitragen, dass Kroatien und Bosnien geistlich und menschlich eine gute Perspektive haben.

Wie immer freue ich mich über Feedback und auch Rückfragen, die ich gerne beantworten werde. Am besten unten in den Kommentaren oder auch über die bekannten Kommunikationswege.

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Mein Reisebericht: Mit “Hilfe konkret” auf der Balkanroute für Flüchtlinge
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