Warum Konfirmand/innen besondere Predigthörer/innen sind

 Erschien im Januar 2013 als Artikel in der württembergischen Pfarrer/innen-Zeitschrift „Für Arbeit und Besinnung“. Linktipp:  http://predigten.evangelisch.de/ Hier werden die Konfi-Predigtimpulse aus Württemberg online veröffentlicht (wenn alles klappt).

Im vergangenen Kirchenjahr gab es als Initiative zum Jahr des Gottesdienstes in a und b die sog. „Konfi-Fragen“. Als regelmäßiger Leser der Predigtmeditationen war das für mich – damals noch im Gemeindepfarramt – eine schöne und wichtige Erinnerung daran, die Konfirmand/innen bei der Predigtvorbereitung nicht aus dem Blick zu verlieren. Diese Tradition soll nun auf Initiative des Beirats zum Jahr des Gottesdienstes als Konfi-Impuls dauerhaft fortgeführt werden und einen Beitrag leisten zur Erneuerung des Gottesdienstes.

Bei der Auswertung einer Gottesdienstumfrage in meiner Gemeinde wurde mir deutlich, dass Konfirmand/innen sehr wohl Unterschiede wahrnehmen, wie gut und interessant eine Predigt ist und dass dies stark damit zusammenhängt, ob und wie es gelingt, Themen und Probleme aus ihrer Lebenswelt anzusprechen. Niederschmetternd war für viele das Ergebnis der von der Universität Tübingen durchgeführten wissenschaftlichen Konfirmandenarbeitsstudie. Es zeigte sich, dass Konfirmand/innen den Gottesdienst umso langweiliger finden, je häufiger sie ihn besuchen. Sie merken, dass die meisten dieser Gottesdienste nicht für sie gedacht und gemacht sind. Karlo Meyer ist diesem Thema in seiner umfangreichen empirischen Studie „Gottesdienst in der Konfirmandenarbeit“ weiter nachgegangen und hat festgestellt, dass es klar benennbare Faktoren wie die Gruppensicherheit gibt, die darüber entscheiden, ob ein Gottesdienst für Konfirmand/innen gelungen ist oder nicht. Auffällig ist, dass bei Konfirmand/innen Handlungsorientiertes außerhalb der Predigt viel leichter hängen bleibt als die Inhalte der Predigt, die doch traditionell das Zentrum des württembergischen Gottesdienstes bildet. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Jugendliche oft weder angesprochen werden noch sich angesprochen fühlen. Schon beim höflichen „Sie“ fühlen sie sich oft außen vor. Ein liturgisch-persönliches „Du“ entspricht ihnen eher. Und natürlich sind sie durch und durch medial geprägt, vielen Worten ohne Bild zu folgen müssen sie erst lernen.

Nach meiner Erfahrung gibt es aber durchaus Themen aus ihrer Lebenswelt, bei denen sie instinktiv aufmerken: Mobbing, Leistung und Bewertung von Leistungen, Erfahrungen mit Freundschaft und Liebe, große Zukunftspläne und der alltägliche Kampf ums Überleben um nur einige zu nennen. Während es Jugendlichen schwer fällt sich in die Welt von Senioren hineinzudenken, ist dies umgekehrt kein Problem, denn jeder war ja einmal jung. Ich bin der festen Überzeugung, dass Gottesdienste, in denen es gelingt bei der Auslegung der Bibel Jugendliche anzusprechen, auch für Erwachsene ansprechend sind. Dass der umgekehrte Weg häufig misslingt, weiß eigentlich jede/r Pfarrer/in im tiefsten Innern, inzwischen ist es sogar empirisch erwiesen. Deshalb sollen die Konfi-Impulse mit bewusst jugendgemäßen, manchmal auch verrückten Ideen, dazu beitragen, dass Gottesdienste attraktiv bleiben und immer mehr werden. Das Prinzip der Konfirmandenarbeit in Württemberg: „anknüpfen“ an Lebensthemen gilt auch für den Gottesdienst, in dem Konfirmand/innen oft schon zahlenmäßig eine der wichtigsten Gruppen sind. Nur so wird es gelingen, dass Gottes Wort den Weg zu den Herzen der Menschen findet, dass Gottesdienst zu einer Feier der Gegenwart Gottes wird und nicht zu einer langweiligen Pflichtveranstaltung, die man sich ohne Not nicht antut.

Übrigens: Auf der Internetseite http://predigten.evangelisch.de/ finden sich für fast jeden Sonntag des Kirchenjahres Konfi-Impulse mit Anregungen und Ideen, auch aus Württemberg.

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Konfis als Predigthörende

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