Für die Jugendgottesdienstplattform http://www.jugendgottesdienste.de/ habe ich einen Artikel zu Minecraft bzw. Minetest geschrieben, der hier veröffentlicht ist http://www.jugendgottesdienste.de/weiterkommen/detail/news/spielerisch-kirche-bauen/   und jetzt auch bei mir im Blog gelesen werden kann.

Gottesdienste atmen oft den Geist vergangener Jahrhunderte. Anders wird das, wenn man aktuelle digitale Spielmöglichkeiten einbezieht. Minecraft gehört laut JIM-Studie 2017 zu den beliebtesten Spielen bei Jugendlichen bis etwa 15 Jahre und ist das einzige Spiel, das bei Mädchen und Jungen gleichermaßen beliebt ist (S. 51). Seine Faszination bekommt das Spiel aus den Möglichkeiten des unbegrenzten kreativen Bauens und der Simulation sozialer Wirklichkeiten. Wie im echten Leben kann man durch Kooperation sehr schnell auch ehrgeizige Ziele erreichen, andererseits ist die Trägheit und Zerstörungslust anderer Spieler ein Dauerproblem.

Weil Minecraft Geld kostet, setze ich für meine Projekte die freie Variante Minetest ein, die richtig konfiguriert fast die gleichen Möglichkeiten bietet, wesentlich leichter administrierbar ist und geringere Anforderungen an die Hardware stellt. Zusammen mit rpi-virtuell, dem virtuellen religionspädagogischen Institut, betreiben wir einen Minetest-Server und bieten technische und pädagogische Unterstützung für Projekte an. Siehe https://blogs.rpi-virtuell.de/minetest/.

Bau die Kirche der Zukunft

Wie lässt sich Minecraft/Minetest in einen Gottesdienst integrieren? Für die Churchnight 2017 in Wüstenrot haben wir das folgendermaßen umgesetzt:

Etwa zwei Stunden vor Gottesdienstbeginn wurde eingeladen, virtuell die „Kirche der Zukunft“ zu bauen. An Biertischgarnituren waren 12 per Wlan-Router miteinander vernetzte Laptops aufgebaut, ein Laptop diente als Server. Die Welt war schon generiert, es gab schon einfache Häuser und Wege, damit man nicht bei Null anfangen musste. Außerdem waren verschiedene Mods (Modifikationen) installiert, die weitere Elemente für den Kirchenbau bereitstellen und sogar eine Bibel, die beim Blättern Bibelverse in den Chat schreibt. Die Jugendlichen, die nach und nach eintrudelten waren gleich neugierig und setzten sich an die bereit gestellten Laptops. Der Auftrag an sie: Baut die Kirche der Zukunft, wie ihr sie euch vorstellt. Was gehört unbedingt dazu? Wie sieht eine solche Kirche aus, was wünscht ihr euch?

Die Jugendlichen waren mit großem Eifer am Bauen, in kurzer Zeit entstanden sehenswerte Bauwerke. Im Gottesdienst erklärte sich ein Spieler bereit, in Echtzeit die entstandenen Bauwerke im Flugmodus auf der großen Leinwand vorzuführen. Durch die öffentliche Einbeziehung der gebauten Kirchen entstand eine hohe Identifikation mit dem Churchnight-Gottesdienst und der Kirche überhaupt, gerade bei den jüngeren Baumeistern, meist Konfis, die sich sonst nicht aktiv hätten einbringen können. Im Anschluss an den Gottesdienst haben wir die Welt auch online verfügbar gemacht, so dass man die Bauwerke von zu Hause aus anderen zeigen konnte und noch ein wenig weiterbauen.

Präsentation im Gottesdienst

Ein kleines architektonisches Meisterwerk – von einer Frau gebaut.

Für die Präsentation gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. Man kann im Vorfeld ein schönes Video drehen, das Live kommentiert und mit Musik unterlegt werden kann. Entweder wird das ein eher klassisches Let’s-Play-Video oder man dreht sogar eine richtige Geschichte mit sprechenden Personen. Das kann auch gut eine biblische Geschichte sein.
  2. Man macht Screenshots und kommentiert diese in der Art einer Diaschau. Dafür entfernt man alle Texte vom Bildschirm (Funktionstasten durchprobieren) und drückt dann F12. Stimmungsvollere Bilder bekommt man hin, wenn man gezielt die Tageszeit manipuliert und einen Screenshot z. B. bei Sonnenauf- oder Untergang macht.
  3. Ein Spieler präsentiert live einen Durchflug der Welt. Dafür muss er sich gut auskennen. Alternativ kann man auch die Orte in ein POI-System eintragen (Point of Interest), so dass sie leichter zu finden sind und man sich direkt dort hinbeamen kann.

Anschließend gibt es bestimmt Neugierige, die auch noch einen Blick in die virtuelle Welt werfen wollen, weshalb man die Rechner noch betreut durch erfahrene Spieler weiterlaufen lassen sollte.

Ideen für Jugendgottesdienste

Minecraft/Minetest lässt sich zu fast jedem Thema einsetzen. Die Jugendlichen bekommen den Auftrag, zum Thema oder einem passenden Bibeltext ein Kunstwerk zu bauen. In einem Textfeld sollen sie ihre Gedanken dazu formulieren. Vielleicht gibt es sogar einen Bauwettbewerb, in dem das schönste Kunstwerk einen Preis verliehen bekommt.

Besonders geeignete Themen:

  • Arm und Reich, Gerechtigkeit
  • Einsam und Gemeinsam – Gemeinschaft leben
  • Gott, du bist für mich wie …
  • Beten ist wie …
  • Bilder von Gemeinde
  • Die Ich-bin-Worte Jesu
  • Was mir im Leben wichtig ist
  • Advent und Weihnachten – mehr als Idylle und Zimtsterne
  • Christliche Symbole und was sie für uns bedeuten
  • Unsere Kirche – virtuell aufgepimpt

Virtuell Gottesdienst feiern

Ein Biergarten gehört für Jugendliche auch dazu, wenn gefeiert wird …

Besonders spannend, weil noch völlig experimentell, sind Formen der Gemeinschaft, die online stattfinden. Warum versucht man nicht zwischen den regulären Terminen mal einen virtuellen Gottesdienst? Alle loggen sich in die gleiche Welt ein, manche von zu Hause aus, andere vielleicht gemeinsam vor verschiedenen Rechnern im Gruppenraum. Mit Hilfe eines Sprachchats (mumble oder teamspeak) oder eher konventionell im geschriebenen Chat lässt sich wunderbar kommunizieren. Wir haben das in einem Gottesdienst am 1. Advent in einer Kirche ausprobiert und es hat erstaunlich gut funktioniert. Virtuelle Gottesdienste sollen und werden konventionelle auf keinen Fall ersetzen, aber sie sind nah dran an der Lebenswelt der Jugendlichen und haben auf jeden Fall einen besonderen Spaßfaktor.

Weiterführende Links

Wer hat weitere Ideen? Die kann man gern unten in den Kommentaren ergänzen.

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Jugendgottesdienste – spielerisch Kirche bauen mit Minecraft/Minetest
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