Osterpredigten sind etwas Besonderes, für Hörer/innen und Predigende, so empfinde ich das jedenfalls. Ich habe hier – nachdem ich an Ostern diesmal zuhören darf (an Quasimodogeniti darf ich mal wieder predigen) – mal sehr subjektiv und ein bisschen humorvoll versucht, 10 Fragen zusammenzustellen, auf die ich mir eine Antwort wünsche und viele andere vielleicht auch.

1. Ist Jesus wahrhaftig auferstanden und wie kann ich mir das vorstellen?

Das Heikelste zuerst. Wer Theologie studiert hat, weiß, wie klug man über diese Frage debattieren kann und wie Rudolf Bultmann sich die „Auferstehung ins Kerygma“, also die Botschaft, dass es mit der Botschaft Jesu weiter geht, vorgestellt hat. Ich wünsche mir mehr als Placebo-Mutmacherparolen, wünsche mir aber auch, dass ich Brücken gebaut bekomme, um als Mensch des 21. Jahrhunderts, der einen elektrischen Rasierapparat benutzen könnte (sich aber nass rasiert), die unglaubliche Botschaft glauben zu können.

2. Warum haben sich die sieben Wochen Vorbereitung und Verzicht gelohnt?

Fasten in den „sieben Wochen ohne“ ist schwer in Mode. Wer sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten gelebt hat, will an Ostern neu vergewissert werden. Wer verzichtet hat, will im Alltag wieder Fülle erleben. Die Osterbotschaft muss uns essensmäßig und medial übersättigten Menschen etwas zu sagen haben, wo es Fülle gibt, die nicht zur Bulimie und zum Burnout führt. Wo Verzicht uns neu öffnet für die Geheimnisse des Glaubens.

3. Wie gehe ich mit meinen Zweifeln um?

Die Ostererzählungen berichten alle vom überwundenen Zweifel. Der Zweifler Thomas war mir schon immer sympathisch. Heute hört man oft die Botschaft: Zweifel gehören dazu, ich zweifle auch. Richtig. Aber das kann nicht das Ende der Botschaft sein. Als Zuhörer will ich wissen, wie ich Zweifel überwinde oder zumindest verhindere, dass das kleine Pflänzlein Glaube ersticken. Sehr anregend für Pfarrer/innen muss dazu der neue Film über Vikar/innen aus Wittenberg sein, von dem dieser Trailer einen kleinen Eindruck verschafft. Vgl. auch diesen Blogbeitrag auf theologiestudierende.de

4. Ist Weihnachten nicht doch das heimliche Hauptfest der Kirche?

Wir sagen ja immer: Zahlen machen es nicht – und zählen doch. Wird nicht oft schon durch die Gestaltung der Gottesdienste auch eine Wertung deutlich? Wie festlich ist unser Osterfest, wie sorgfältig vorbereitet die Predigt? Und was macht es mit uns, wenn an Ostern die Kirche leerer ist als sonst, weil alle im Urlaub sind?

5. Wo kann ich in meinem Leben Osterspuren finden?

Das ist sicher die schwerste Aufgabe, aber auch die wichtigste. Predigten, die bei der Erklärung historischer Tatsachen oder hermeneutischen Verrenkungen stehen bleiben, sprechen mich zumindest selten an. Ich will wissen, wie ich das auf mein Leben beziehen kann. Welche Aussage bleibt so hängen, dass sie mein Leben in der kommenden Woche – bei einer Osterpredigt vielleicht sogar mein ganzes Leben – spürbar prägt und verändert. Eine Aussage, die nicht nur hängen bleibt, sondern sich verselbständigt und produktiv wird. Da braucht es Beispiele, aber auch griffige Formulierungen. Banal darf es nicht sein, unkonkret aber auch nicht.

6. Was sage ich meinem Kind, wenn es mich nach Ostern fragt?

Auch Kinder wollen wissen, warum wir Ostern feiern. Und wir sollten ihnen die Auferstehungsbotschaft nicht vorenthalten, auch wenn das Sterben Jesu am Kreuz notwendig miterzählt werden muss und nicht einfach zu erkären ist. Aber wenn wir Kindern keine Antwort geben können, was die Auferstehung Jesu bedeutet, ist das mehr als traurig. Beruhigend ist aber, dass Kinder oft einen sehr natürlichen Umgang mit dem Tod und eine ursprüngliche Erwartung haben, dass der Tod nur eine Durchgangsstation zu einem anderen Leben ist.

7. Warum sollte man auch als Konfirmand/in hinhören?

Immer häufiger sitzen – zumindest in Württemberg – Konfirmand/innen im Ostergottesdienst, wird doch demnächst (ab dem Reformationsjahr 2017) nur noch nach Ostern, meist am Sonntag Rogate, konfirmiert. Ich habe ich auf diesem Blog schon einmal beschrieben (hier nachzulesen), warum und wie wir Konfis in der Predigt besonders berücksichtigen können. Und noch besser ist natürlich, sie zu beteiligen. Dafür ist es jetzt aber natürlich zu spät …

8. Wieso predigt die Pfarrerin heute länger als sonst?

Eine interessante Erfahrung: Obwohl man sagt eine Predigt dürfe über alles gehen, aber nicht über zwanzig Minuten, fällt mir auf, dass gut besuchte Gottesdienste fast immer eine längere Predigt haben. Woran liegt’s? Ich weiß es nicht. Auch mir sind kurze, knackige Predigten lieber als lange, einschläfernde. Aber wenn eine Predigt gut ist und zu Herzen geht, darf sie fast so lang sein, wie sie will, man schaut ja eh nicht auf die Uhr.

9. Warum lohnt es sich, für eine Osterpredigt um 5 Uhr aufzustehen und auf den Friedhof zu gehen?

Das durfte ich auf dem Friedhof jedes Jahr an Ostern erleben: dass die Auferstehungsbotschaft ein anderes Gewicht bekommt, wenn sie auf dem Friedhof vor Leuten verkündigt wird, die dort einen lieben Menschen betrauern und schmerzlich vermissen.

10. Warum soll ich nächstes Jahr an Ostern wiederkommen?

Weil man beim Leben von Ostern her nie auslernt und immer Jünger, zu deutsch: Schüler bleibt!

10 Fragen, die eine Osterpredigt beantworten sollte

Ein Gedanke zu „10 Fragen, die eine Osterpredigt beantworten sollte

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