Bei Openreli 2014, einem religionspädagogischen Online-Kurs, gibt es ein spannendes Projekt: Ein digitales Religionsbuch zum Thema „GlaubWürdig“ soll entstehen, das an den Bedürfnissen der Schüler_innen orientiert ist. Reinhard Weber, Religionslehrer an der HTL Mödling in Österreich, hat dazu ein schönes Video erstellt.  Ich bin schon länger ein Anhänger der Open-Source- und Open-Content-Bewegung, denn es macht Sinn, Dinge, die mit viel Aufwand und Liebe erstellt wurden, zur Weiterbearbeitung freizugeben. Linux ist das beste Beispiel dafür, was wachsen kann, wenn man zuerst an die Freude machende Optimierung eines vorhandenen Produkts denkt und nicht an die Gewinnmaximierung, indem man sich alle Rechte sichert und niemand am eigenen Produkt arbeiten lässt. Wikipedia hat die Encylopedia Britannica obsolet gemacht, Android iOS den Rang abgelaufen, die offene Bibel arbeitet an der Quadratur des Kreises, indem sie eine exegetisch solide Übersetzung kombinieren will mit einer lesbaren Variante der Bibel und sogar einer Version in leichter Sprache und dabei den Entstehungs- und Diskussionsprozess offenlegt, der sonst unter Ausschluss der Öffentlichkeit unter Fachexegeten stattfindet. Das ist mehr als die Basisbibel mit ihrem ebenfalls internetaffinen Konzept leisten kann und leisten will – wenn es denn gelingt. Warum sollte die Zeit also nicht reif sein für ein offenes digitales Religionsbuch? Sicher wird der erste Wurf dieses Werks nicht perfekt sein, aber vielleicht schon brauchbar (wie das m. W. erste digitale Religionsbuch zum Thema evangelisch-katholisch, das in Zusammenarbeit mit Schüler_innen erstellt wurde . Warum soll das Fach Religion nicht Vorreiter sein beim Thema Offenheit und #OER (Open Educational Resources) statt anderen Fächern hinterherzuhinken? Zu Jesus und seiner Offenheit für die Menschen würde es passen, zum Auftrag Jesu, seine Lehre so gut wie möglich unter die Leute zu bringen, auch. Hart wird es zugegebenermaßen für die Verlage, die ihr Geschäftsmodell umstellen müssten. Aber so wie es im Open-Source-Bereich viele auch geschäftlich erfolgreiche Modelle gibt (neben solchen, die einfach mit Leidenschaft betrieben werden und Spaß machen), müsste es auch im OER-Bereich funktionieren: Es braucht Impulsgeber und Qualitätssicherer, die dafür sorgen, dass die vielen guten Ideen, die die Basis entwickelt (vgl. die Bildungsstandards der Crowd), auch bei den Schüler_innen ankommen in Form von qualititativ tadellosen und intuitiv nutzbaren digitalen Religionsbüchern (besser: offenen Bildungsmedien). Also: Mitmachen bei Openreli 2014 lohnt sich, dieser Kursüberblick klingt auf jeden Fall schon vielversprechend, Kompetenzerweiterung, egal in welcher Hinsicht, scheint garantiert, und wenn es nur das Mitwirken an einem ergebnisoffenen Prozess ist, der einen wie so oft im Leben um viele Erfahrungen reicher macht, auch die Erfahrung, dass nicht alle Blütenträume im ersten oder zweiten Jahr reifen. P. S.: Zur Teilnahme anmelden kann man sich übrigens hier https://twitter.com/OpenReli/status/463335674746511361 Ich habe vor, dieses Jahr auch dabei zu sein und nicht nur Zaungast wie 2013 …

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Digitales Religionsbuch, wer schreibt mit?

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