Wenn man als Blogger unaufgefordert Bücher zugeschickt bekommt, ist das eine feine Sache. Wenn es dann noch ein Buch ist, das gut zu lesen ist, umso mehr. „Woran glaubst du?“ hat gleich auf den ersten Blick ein spannendes Konzept. Denn es ist eines von diesen Büchern, das man von zwei Seiten her lesen kann. Auf der einen Seite erwarten einen auf 112 Seiten 46 Bekenntnisse von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten, auf der anderen Seite ist man selbst gefragt: „Daran glaube ich!“ 48 leere Seiten, die gefüllt werden wollen mit den eigenen Gedanken über Gott und die Welt. Dazu kommt ein Gummiband, das stark an die schicken Moleskine-Notizbücher erinnert, die so geschickt vermarktet werden, dass sie mir gleich als erstes dazu eingefallen sind.

Bücher dieser Art kann es nie genug geben, liefern sie doch Anregungen für das eigene Nachdenken über den Glauben, vorbildhafte Formulierungen genauso wie die Verweigerung von Bekenntnisaussagen. Es sind einige echte Promis dabei, Frank-Walter Steinmeier und Thomas de Maizière, Bärbel Wartenberg-Potter und Manuela Schwesig, die sich erst nach der Wende taufen ließ. Einige sind mindestens in schwäbischen Landen wohlbekannt und gern gehört oder gesehen, der Mundart-Autor Gerhard Raff, der aus der einprägsamen Werbung mit dem Affen bekannte Trigema-Besitzer Wolfgang Grupp und Giovane Elber, der in besseren VfB-Zeiten Teil des magischen Dreiecks war.

woran_glaubst_du

Es fällt mir schwer, einzelne Aussagen herauszuheben. Bemerkenswert ist auf jeden Fall die Breite der Glaubensaussagen, die von Jürgen Werth bis Volker Beck reicht. Eine verweigert gar ganz, ein öffentliches Bekenntnis abzulegen, andere finden nur leere Worte, offensichtlich geehrt davon, gefragt worden zu sein, viele schreiben beeindruckend persönlich. Auch der Herausgeber Uwe Metz bekennt sich in einem Beitrag.

Glaubensbekenntnis – öffentlich und privat

Mit Konfis habe ich das oft gemacht: sie dazu ermutigt, eine Momentaufnahme ihres Glaubens zu formulieren. Oft auf Blättern in grün und rot. Das grüne für die Öffentlichkeit bestimmt, das rote als privat und geschützt vor den Augen anderer. Glaube hat beide Seiten, aber viel zu oft verstecken wir ihn, verbannen ihn in die Privatsphäre. Dabei heißt Konfession doch „Bekenntnis“. Wahrscheinlich müssen wir das neu lernen in einer Zeit, in der die Konfession ihre Selbstverständlichkeit verloren hat. Müssen wir nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene dazu ermutigen, ihren Glauben zu formulieren und vorher zu reflektieren, was vom Letzten, von Gott und dem Wert des Lebens, wie gesagt werden kann.

Das Buch ermutigt dazu und will die Bekenntnisse sogar öffentlich machen. Auf der Facebook-Seite des Projekts, auf einem extra eingerichteten Blog (der von den Bekenntnissen aus dem Buch leider nur einige Fragmente bietet), vermutlich auch beim Kirchentag. Denn danach soll ein zweites Buch folgen, in dem diese Beiträge veröffentlicht werden sollen.

Mein Fazit

Mir gefällt das Büchlein und ich habe es gern gelesen. Die Texte richten sich eher an Erwachsene und Prominenz ist nie absolut, sondern durchaus generationenabhängig. Für Konfis müsste wohl eher Bianca Heinecke mit ihrem Beauty Palace etwas über ihre Glaubensüberzeugungen erzählen. Toll wäre es in jedem Fall, wenn es ein ähnlich  aufgemachtes „Wendebuch“ auch für Konfis gäbe. Nur der Preis (14,95) müsste dann sicherlich günstiger sein, damit sich jemand ein solches Buch kauft. Aber bei Erwachsenen spielt Geld ja keine Rolle wie man an den Moleskine-Notizbüchern sieht, oder etwa nicht?

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Woran glaubst du? (Rezension)
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