– gedacht für Konfirmanden und Jugendliche und alle, die es lesen wollen –

Besser hätte man die Jahreslosung für dieses Jahr nicht auswählen können. Trost für Menschen, die durcheinander sind wie Kinder. Mütterlicher Trost, der anknüpft an eine Erfahrung, die fast jeder gemacht hat: auf dem Schoß der Mutter sitzen, an ihrem Rockzipfel hängen dürfen, ein Pflaster auf die frischen Wunden.

Wie ist unser Leben? Wie ist es hinter der Fassade, die wir – durch welche Not eigentlich not-gedrungen – aufrecht erhalten? Wie sieht dieses Leben aus, wenn wir für vier Minuten, 41 Sekunden in die Beobachterrolle gehen? Vielleicht so:

Die Zeit unter der Lupe. Man sieht mehr, auch Dinge, die man sonst nicht wahrnimmt. Ethnische Vielfalt. Rollstuhlfahrer und Radfahrer in einer Szene. Echte Menschen vor Schaufensterwerbung. Oft gibt es einen, der schneller ist als die anderen. Fast scheint es, als könnte er der Schockstarre durch übertriebenen Aktionismus entkommen. Aber auch er bleibt gefangen. Wehende Haare im Wind. Seifenblasen in der Luft. Über allem eine typisch Dittbernersche Melacholie. Optik in schwarz-weiß. Der Beobachter ist er selbst. Scheinbar unbeteiligt. Ganz der Poet, der aus Erlebtem einen Text macht, ohne agiert zu haben.

Trost. Brauchen alle diese Szenen. Trost braucht jeder.

Gott spricht:
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66,13

Hören wir ruhig den ganzen Bibelvers: „ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.“ Es ist eine politische Jahreslosung. Da wird ein Volk getröstet, das scheinbar keine Zukunft hat. Vielleicht kehrt ja bei uns nach den Ereignissen von 2015 das Verständnis für die politische Dimension von Trost zurück. Nach der Erfahrung, dass ganz Europa geschockt war von den Pariser Attentaten. Ein Plan der Pariser Metro hängt im Hintergrund der Schlussszene. Das Video ist vor dem 13. November 2015 entstanden. Vor den Anschlägen auf Konzerte und Cafés, auf die westliche Lebensart. Leben wir wirklich in einer „hellen Zeit“?

Aber auch persönlich brauchen wir Trost, brauchen wir jemand, der uns Mut macht, den Kopf wieder hoch zu halten. „Verlaufen und verrannt“ hat sich jeder schon mal. (Den ganzen Songtext findet man z. B. hier: http://www.golyr.de/philipp-dittberner/songtext-das-ist-dein-leben-750136.html) „Das Leben ist und bleibt unfair.“ Diese Erfahrung kenne ich. Chancengleichheit ist doch ein Witz. Jeder ist mit unterschiedlichem Tempo unterwegs. Selbst wenn es nicht das eine Treppchen gibt, auf dem alle stehen wollen, muss doch jeder ein unterschiedlich großes Päckchen an Belastungen durchs Leben tragen.

Wie leicht lasse ich mich trösten? Mache ich es mir und anderen schwer? Warum will ich mir immer selbst das Wort sagen, das mich aufrichtet und befreit? Philipp Dittberner sehnt sich nach dem Du, dem anderen, von dem ein tröstendes Wort kommen kann. Aber da kommt bei ihm nicht viel. Er fragt sich: „Warum du den wieder vermisst, der dich sicher nicht befreit.“ Und klingt resigniert, wenn er sagt: „Das ist dein Leben und du wirst es nie verstehn.“

Für mich ist da eine Hoffnungs-Leerstelle. Echte Befreiung, echte Leichtigkeit kann ich nie von einem Menschen erwarten. Da überfordere ich jeden Mit-Menschen. In der Liebe passiert das oft. Die Enttäuschung ist dann nicht fern. Ich höre hier die Botschaft der Jahreslosung: Gott spendet Trost wie eine Mutter, aber er tut das lebenslang. Gott hilft mir, meinem Leben einen Sinn zu geben, weil er als mein Schöpfer weiß, was für mich gut ist. Er bringt Bewegung in festgefahrene Situationen. Gott sei Dank!

Ein Gedanke noch zum Schluss, damit nicht der Eindruck hängen bleibt, Trauer und Leid, Frust und erlebte Sinnlosigkeit seien das Normale, Unvermeidliche, wie manche Existentialisten dachten. Das schöne Wort „Trost“ hat viel mit „Trust“ zu tun, mit Vertrauen (vgl. das Wörterbuch der Gebrüder Grimm: http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=trost und http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=getrost). „Getrost durchs Leben gehen“, sagt man heute eher nicht mehr. Aber: Der traut sich was! Wer „nicht ganz bei Trost“ ist, ist durchgeknallt, verrückt, jenseits von Gut und Böse, ein Irrer. Wer getrost ist, hat Mut, weiß, dass er mit Gottes Hilfe auch Krisen durchstehen kann, weiß, dass er im entscheidenden Moment die Kraft bekommt, für das, was ihm aufgetragen und auferlegt ist.

„Das ist dein Leben.“ Es kommt nicht nur darauf an, wie du es lebst und was du daraus machst. Sondern auch, ob und wie du dir von Gott Lebens-Zuversicht schenken lässt. Schau es dir mal darauf hin an – in einer ruhigen Stunde oder mitten im Großsstadttrubel.

Liedvorschlag

Das wünsch ich Dir

 

Ein gesegnetes Jahr 2016 …

wünsche ich allen Leser*innen meines Blogs. Möge es getrost und friedlich sein, mit der richtigen Balance von Spannung und Entspannung!

Bild zur Jahreslosung

Dieses Bild kann gern verwendet werden. Direkt herunterladen kann man es hier: jahreslosung-2016-ebinger.jpg

Foto: https://pixabay.com/de/mutter-tochter-liebe-429158/ Bearbeitung T. E.
Foto: https://pixabay.com/de/mutter-tochter-liebe-429158/ Bearbeitung T. E.

Material zur Jahreslosung

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Getrost durchs Leben – Andacht zu Ph. Dittberner „Das ist dein Leben“ und zur Jahreslosung 2016
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