Käse
Foto: Stefanie Misslinger http://bilder.tibs.at (CC BY-NC-SA 3.0 AT)

Ich bin Mitglied einer kleinen Gruppe der Kirchengemeinde, die den utopischen Titel “Weltverbesserung” trägt. Wir sind immer noch auf der Suche, wie wir das konkret tun können. Ein Blog war schon im Gespräch mit guten Ideen, Hoffnungsgeschichten aus der Nachbarschaft, die zur Nachahmung anregen.

Außerdem gibt es bei unseren Treffen informative Impulse wie diesen, den ich für unser nächstes Treffen versprochen habe: Warum sind Milchprodukte kein sinnvoller Ersatz für Fleisch? 

Als ahnungsloser Laie würde man das annehmen. Dass Fleischkonsum extrem klima- und umweltschädlich ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Was aber zumindest bei uns keiner glauben wollte: Milchprodukte fressen fast genauso viele Ressourcen wie Fleisch. Käse ist sogar doppelt so schlimm wie Schweinefleisch bei der Klimabilanz, wie diese schöne Liste zeigt (S. 5).

Woran liegt das? Nach meinen Recherchen – da bin ich kein Fachmann – vor allem am Methangas, das Kühe rülpsen, und am Futter, das sie fressen, meist nämlich kein Gras mehr von der heimischen Weide, sondern Kraftfutter von jwd.

Das Bundesumweltministerium gibt ahnungslosen Leuten wie mir Nachhilfe:

Lebensmittel unterscheiden sich stark in ihrer CO2-Äquivalenz: Sie sind mal mehr, mal weniger klimafreundlich. Milchprodukte zum Beispiel sind eher klimaunfreundlich: Kühe stoßen erhebliche Mengen des Treibhausgases Methan aus. Ihr Kraftfutter basiert meist auf importiertem Sojaschrot. Für den Sojaanbau werden in Ländern wie Brasilien große Regenwaldflächen gerodet, die wichtig für das Klima sind. Außerdem werden für die Futterherstellung in konventioneller Landwirtschaft die Böden künstlich gedüngt, mit erheblichen Folgen für den Klimawandel

Man sollte den Effekt zwar nicht überbetonen, wie der Artikel “Die Mär vom Klimakiller Kuh” darlegt, aber er ist eben doch vorhanden. Schlimmer ist in jedem Fall mit über 80% Beitrag zu den Treibhausgas-Emissionen laut Umweltbundesamt der Brennstoffsektor. Wer also leckere Gemüseaufstriche aus dem Reformhaus statt Käse aus dem Supermarkt auf das nicht mit Butter bestrichene Vollkornbrot schmiert und dafür drei Kilometer extra fährt, hat vermutlich eine negative Klimabilanz.

Unser Ziel als Gruppe ist es, etwas dafür zu tun, dass unsere Kinder – die Idee ist im Rahmen einer Vater-Kind-Freizeit entstanden – auf einer Erde leben können, die genauso lebenswert ist wie unsere. Die bildhafteste Umsetzung dieser Idee ist der ökologische Fußabdruck. Dass die Erde nicht beliebig viele Menschen ernähren kann ist völlig logisch. Die Grenzen des Wachstums sind durch technologischen Fortschritt nicht beliebig erweiterbar. Unter dem ökologischen Fußabdruck versteht man die Fläche, die man braucht, um den eigenen Lebensstil möglich zu machen. Wer wissen will, auf wie großem Fuß er lebt, sollte unbedingt mal den Fußabdruckrechner von Brot für die Welt ausprobieren. Man kann ihn nicht nur einzeln machen, sondern auch eine Gruppe anlegen und sich so gemeinsam Ziele setzen, z. B. indem man weniger Fleisch isst oder die Eltern überredet auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Passend dazu gibt es auch pädagogisches Material.

Ein anderes Modell, um denselben Sachverhalt zu veranschaulichen, ist die 2000-Watt-Gesellschaft, die vor allem in der Schweiz populär ist. Sie geht aus von der Annahme, dass jedem Menschen auf dieser Welt derzeit ungefähr 2000 Watt Primärenergie zur Verfügung stehen. Wir liegen natürlich deutlich darüber. Immerhin kann eine vierköpfige Schweizer Familie  mit vertretbarem Aufwand ihren Energieverbrauch von den üblichen 8.300 Watt pro Person auf 4634 Watt senken.

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage: Sollten wir lieber Schweinefleisch statt Käse essen, weil es weniger als halb so stark klimaschädlich ist? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn man sieht, wie schweinisch wir mit Schweinen umgehen (siehe den schönen Blogbeitrag http://netzfrauen.org/2014/01/17/schweine-fuer-den-muellcontainer-warum-ist-das-fleisch-billig-und-woher-kommt-es/ auf netzfrauen.org) macht das sicherlich nicht sonderlich viel Appetit. Außerdem ist es interreligiös nicht besonders sensibel, obwohl dem Reinen andererseits nichts unrein ist, was wir von Jesus mit seiner ansteckenden Reinheitskonzeption (G. Theißen) gelernt haben.

Vielleicht war das ja, weil ich es als Mann geschrieben habe, ein Beitrag dazu, dass der Klimawandel eine Frau wird, auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass Käse essen für den Klimawandel genauso Käse ist wie Flugzeug Fliegen und die Wohnung Überheizen. Guten Appetit weiterhin!

 

 

 

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Sollten wir Schweinefleisch statt Käse essen?
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