Heute gibt es mal wieder einen Service für alle, die Predigen dürfen bzw. müssen: ein Konfi-Impuls mit einer Idee zu Mt. 26,30-56 (u. a. Gefangennahme Christi), wie man den Gottesdienst Lätare mit Konfis gestalten kann. In Württemberg gibt es die schöne Tradition der Continua-Texte in der Passionszeit, mit der man in der Passionszeit durch alle Passionstexte eines Evangeliums kommt. Daraus ist dieser Predigttext. Die Idee zu Caravaggio kann man aber sicher auch so einmal verwenden.

Der Bibeltext aus der württembergischen Continua-Reihe schließt unmittelbar an den Bericht vom ersten Abendmahl an, das den Konfirmanden bereits vertraut sein dürfte. Intensive Gemeinschaft erleben die Jünger, auch und vielleicht gerade weil Jesus weiß und sagt, dass er sterben wird (Mt. 26,1). Jesus kennt den Verräter, lässt ihn aber trotzdem gewähren, weil das Schreckliche, das er vorhat, dem Plan Gottes entspricht. Der sich anschließende Predigttext führt schonungslos das Versagen der Jünger vor Augen: Großmaul Petrus bekommt von Jesus und noch mehr vom Gang der Dinge aufs Maul. Die drei Vorzeige-Jünger sind zu müde zum Beten. Und Judas wird abschließend gar zum aktiven Verräter, der dafür sorgt, dass die Römer Jesus gefangen nehmen können, ohne dass es einen Volksaufstand gibt. Mit der feigen Flucht aller Jünger endet der Predigttext lapidar schonungslos.

Mit intensiver Gemeinschaft verbinden im Idealfall auch Konfirmand/innen die Feier des Abendmahls, vielleicht auch die ganze Konfi-Zeit; darauf kann man sich beziehen. Aber gerade, weil sie in diesem Alter gern dazugehören wollen und extrem angewiesen sind auf positives Feedback aus der Gruppe, reagieren sie auch besonders stark auf Ausgrenzungs- und Mobbingerfahrungen. Auch Jesus und seine Jünger haben sich offenbar als Freundschaftsclique verstanden (Lk. 12,4; Joh. 15,13f). Das macht den Verrat durch Judas umso bitterer, auch wenn seine wirklichen Motive im Dunkeln sind und wohl weniger Geldgier der Auslöser war als der Versuch, Jesus als Messias endlich zum sichtbaren Ein- und Durchgreifen gegen die Römer zu bringen.

Vorschlag für einen Konfi-Beitrag im Gottesdienst:

Einstieg am Mittwochnachmittag über zwei Impulsplakate mit Schreibgespräch: „Menschen verraten“, „Überzeugungen verraten“. Im anschließenden Gespräch klären:

  • Wie sieht das heute aus, wenn man jemand ans Messer liefert, einen Freund seinen Feinden überlässt?
  • Welche Motive gibt es für Mobbing und Verrat, für den Versuch, jemand aus einer schützenden Gemeinschaft auszuschließen?
  • Wie reagiert ihr, wenn ihr a) erlebt, dass ihr selbst verraten werdet? b) erlebt, dass eine/r eurer Freund/innen zum Opfer wird?

Anschließend wird gemeinsam der Bibeltext erarbeitet und ein Beitrag für den Gottesdienst vorbereitet. Man könnte

  • den Figuren in Caravaggios beeindruckendem Bild „Die Gefangennahme Christi“ (Bildquelle: wikimedia.org), ausgestellt in Dublin, Gedanken in den Kopf und Texte in den Mund legen und diese von Konfirmand/innen vortragen lassen, während das Bild groß projiziert wird.
  • die Gefangennahme und aktuelle Beispiele für Verrat als Standbild nachstellen.

Informationen zu Caravaggios „Gefangennahme Christi“

10_ENDE_the-taking-of-christ_mittelgroß

Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/The_Taking_of_Christ_%28Caravaggio%29

Die sieben Figuren auf dem Bild sind von links nach rechts: Der Jünger Johannes, Jesus, Judas, zwei Soldaten, ein Mann (ein Selbstportrait Caravaggios, der eine Laterne hält) und ein weiterer Soldat im Hintergrund. Das Gewand von Johannes wird von einem Soldaten festgehalten, vermutlich ist damit die Szene Mk. 14,51 gemeint, wo ein namenloser Jünger nackt flieht.

 

08_moderner_menschSpannend ist, dass Caravaggio sich selbst als modernen Beobachter in das Bild eingefügt hat, der die Szene beleuchtet und betrachtet. Er wird von außen mit in das Geschehen hineingezogen und bildet – vermutlich als moderner Gläubiger verstanden – einen merkwürdigen Kontrast zum fliehenden Jünger Johannes wie zum Verräter Judas.

 

07_betende_hände_jesuAuffällig sind die Köpfe von Jesus und Johannes, die wie miteinander verwachsen erscheinen und jetzt gewaltsam auseinander gerissen werden. Bemerkenswert sind die betenden Hände Jesu: Durch das Gebet erhielt Jesus und erhält jeder Beter die Kraft, dem Bösen friedfertig zu widerstehen.

03a_soldatenarm

Jesus ist als einziger nach rechts gerichtet, der starke Strom der Menschen will ihn buchstäblich von der Bildfläche verschwinden lassen. Doch anders als der panische Jünger bewegt gerade er sich nicht vom Fleck, weil eine unsichtbare göttliche Macht hinter ihm und seiner Sanftheit steht. Auffällig ist auch der metallisch glänzende Arm des Soldaten, der die Faszination von Macht durch Rüstung und Waffengewalt ausdrücken soll.

 

Judas hat e02_judaskussine auffällige Tonsur auf dem Kopf, was andeutet, dass er zum Kreis der frommen Jünger gehört. Er verrät nicht nur Jesus, sondern auch sich selbst und seine Glaubensüberzeugungen. Auffällig an ihm sind die ausgeprägten Zornesfalten auf seiner Stirn. Sie passen nicht so recht zum angedeuteten sanften Kuss und zeigen wohl die Hintergedanken, das was im Kopf vor sich geht, die ganze Heuchelei des sanften Kusses.

 

 

Download als Zip-Datei der vorsortierten Bildausschnitte und des Originalbilds.

Konfi-Impuls zum Sonntag Lätare – Jesus wird verraten

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