Altmeyer, Stefan u. a., Werte – Religion – Glaubenskommunikation. Eine Evaluationsstudie zur Erstkommunionkatechese, Springer VS 2015, 353 S., 49,99 Euro

Es hat lange gedauert, bis die empirische Wende der Religionspädagogik auch in der Gemeindepädagogik angekommen ist. Erstmals liegen jetzt bundesweit erhobene, repräsentative Daten für die Erstkommunionkatechese vor, die zum großen Teil auch auf Konfi 3, der erste Phase der Konfirmandenarbeit in der dritten Klasse, übertragbar sein dürften. Die Daten wurden in einer aufwändigen DFG-geförderten quantitativen und qualitativen Studie von 2010 bis 2012 erhoben. Drei Befragungswellen gab es: am Anfang des Erstkommunionunterrichts, direkt nach Abschluss und ein Jahr danach. Befragt wurden Kinder und Eltern und auch eine Vergleichsgruppe, die klare Aussagen darüber ermöglicht, welche Effekte tatsächlich auf die Erstkommunionvorbereitung und -feier zurückzuführen sind.

Das vorliegende Werk ist breit angelegt und wissenschaftlich auf hohem Niveau. Neben der ausführlichen Darstellung und Diskussion der Forschungsergebnisse bietet es auch einführende Artikel von insgesamt 13 Autor/innen zu Theorien religiöser Sozialisation und möglichen Konsequenzen. Das Vorgehen wird sehr konkret beschrieben und die methodischen Probleme werden ausführlich diskutiert. Besonders lesenswert sind die sechs Familienporträts, die mit vielen wörtlichen Zitaten konkrete Einblicke hinter die Kulissen erlauben.

Was sind nun die zentralen Ergebnisse: Ich finde es sehr beeindruckend zu sehen, wie deutlich und klar messbar sich diese Arbeitsform auf die Werteentwicklung, das Gottesbild, die affektive Bindung zum Christentum und auf religiöse Praxis auswirkt. Findet bei Kindern dieses Alters eine spürbare Distanzierung von religiösen Inhalten statt, wird dieser Trend bei Erstkommunionkinder klar unterbrochen und setzt sich anschließend von einem höheren Niveau aus wieder fort (S. 173 und Grafik S. 174). Auch das religiöse Wissen nimmt deutlich zu. Bemerkenswert ist, dass durch die Erstkommunionzeit das Vertrauen der Eltern in die christlichen Kirchen spürbar zunimmt (S. 187). Besonders erfreulich ist, dass diese verstärkte Kirchenbindung mindestens in der ersten Zeit nach der Erstkommunion auch bestehen bleibt. Viele der Kinder beteiligen sich in der Folge an Ministrantengruppen und verlängern damit ihre Erstkommunionzeit.

Die für die Durchführung verantwortlichen Personen sind zu 75,8% Ehrenamtliche, meist unterstützt durch hauptamtliche. Nur in 5,3% der Fälle war der Pfarrer alleine zuständig. Auffällig ist, dass 61,8% der Mitarbeitenden vor der unterschiedlich langen Schulung keine Vorerfahrung hatte. Der Unterricht fand hauptsächlich in Gebäuden der Pfarrgemeinde statt (54,9%), aber auch in Privatwohnungen (40,2%). Viele Eltern stimmen der Aussage zu, dass sie die Kommunionszeit ihres Kindes auch als Bereicherung für sich selbst erlebt haben (S. 155).

Erstaunlich ist, dass die Dauer der Katechese nicht erfolgsrelevant ist, was wohl daran liegt, „dass mit zunehmender Dauer die Häufigkeit von Störungen sowie der Unwille der Kinder, an der Kommunionkatechese teilzunehmen, wächst“ (S. 161f). Deutlich bestätigt wird, dass die Effekte besonders stark sind, wenn die eigenen Eltern – meist Mütter – an der Vorbereitungsgruppe beteiligt sind (S. 163, 311).

Auch genderspezifische Aspekte werden diskutiert. Es zeigt sich, „dass Mädchen sowohl die Praxis der Erstkommunionkatechese als auch Katechetinnen und Katecheten besser bewerten als Jungen.“ (S. 317) Dies liegt wohl vor allem an der affektiven Bindung zum Christentum. „Bei Mädchen ist die affektive Bindung zum Christentum stärker ausgeprägt als bei Jungen – und mit zunehmender Bindung verbessert sich die Beurteilung der Erstkommunionatechese; (…) Demnach können Mädchen affektive Aspekte besser vermittelt werden als Jungen.“ (S. 318f) Didaktische und methodische Antworten auf diese Herausforderung durch die Jungen müssen noch entwickelt werden. Vielleicht wäre die stärkere Einbeziehung von Vätern ein erster Ansatzpunkt.

Auch wenn der Stellenwert der Eucharistie und der ersten Feier der Kommunion in der katholischen Kirchen sicher traditionell ein anderer ist als im evangelischen Bereich, macht die Studie Mut, in Sachen Konfi 3 nicht nachzulassen: Diese Arbeitsform wirkt positiv, auf Eltern und Kinder, verändert spürbar Verhalten, Werte und Wissen. Ein Buch, das Kirchenleitungen und Religionspädagog/innen unbedingt zur Kenntnis nehmen und intensiv diskutieren sollten!

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Rezension „Werte – Religion – Glaubenskommunikation“ (Evaluationsstudie zur Erstkommunionkatechese)
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