Fast wöchentlich besuche ich gerade Vikar*innen im Konfi-Unterricht, um sie bei ihren ersten Unterrichtserfahrungen zu begleiten. Und dabei sehe ich dann auch oft, welche Bibel sie benutzen. Nun ist gerade die Lutherbibel 2017 herausgekommen – eine klare Kaufempfehlung für Konfis oder ist eher ein dickes Warnschild angebracht? Schon länger beobachte ich einen gewissen Retro-Trend zurück zur Lutherbibel, sicher auch angeregt durch die 10 Jahre Vorbereitung auf 2017. Das hat mich dazu angeregt, diesen Artikel zu schreiben.

Welche Bibeln genutzt werden

Aus meinen Besuchen lässt sich leider keine zuverlässige Statistik ableiten. Die Twitter-Umfrage ist auch nicht ganz repräsentativ. Vielleicht hat ja jemand genauere Zahlen. Gefühlte 50% arbeiten mit der „Guten Nachricht“ , 30% mit der Lutherbibel, weitere 10% mit der Basisbibel (die leider noch nicht vollständig vorliegt) und nochmal 10% mit der Hoffnung für alle, die es in vielen verschiedenen Ausgaben gibt. Die vor allem bei Pfarrerinnen beliebte Bibel in gerechter Sprache ist mir übrigens noch nie begegnet, auch nicht die in Schulen oft auch im evangelischen Religionsunterricht genutzte Einheitsübersetzung, die de facto die katholische Bibel ist.  Für einzelne Texte für Jugendliche sehr interessant ist die Volxbibel. Martin Dreyer und die Jesus Freaks stecken dahinter; sie gehen sehr frei mit dem Bibeltext um, indem sie heutige Begrifflichkeiten und auch coolen Slang in die Texte einbauen. Reinschauen lohnt sich immer, als Konfi-Bibel würde ich sie nicht empfehlen. Insgesamt gibt es für die deutsche Sprache meines Wissens über 14 vollständige Bibelübersetzungen. 

Sehr vielversprechend finde ich übrigens die Offene Bibel, die nach dem Wikipedia-Prinzip ensteht, (siehe dazu auch meine Rezension), bei der es auch eine Fassung in leichter Sprache gibt, die allerdings noch nicht sehr umfangreich ist. 

Nachtrag 19.1.17 – Eine Umfrage in Württemberg

 Diese Umfrage ist zwar nicht ganz repräsentativ, aber doch ein Anhaltspunkt. Manche haben auch angegeben, dass sie zusätzlich die Basisbibel nutzen …

Übersetzungsvergleich

Ein direkter Vergleich zeigt am besten, wo die Unterschiede liegen. Ich habe bewusst einen anspruchsvollen Paulustext aus Römer 6 gewählt, der durchaus einmal mit Konfis zum Thema Taufe gelesen werden kann.

Basisbibel Gute Nachricht Luther 2017 Hoffnung für alle
1 Was sollen wir dazu sagen?Etwa: »Lasst uns in unserer Sünde bleiben, damit die Gnade noch größer wird!«?

2 Auf keinen Fall! Für die Sünde sind wir ja tot.Wie könnten wir da noch weiter in ihr leben?

3 Ihr wisst doch: Bei unserer Taufe wurden wir förmlich in Christus Jesus hineingetaucht. So wurden wir bei der Taufe in seinen Tod mit hineingenommen.

4 Und weil wir bei der Taufe mit ihm gestorben sind, wurden wir auch mit ihm begraben. Aber Christus ist durch die Herrlichkeit des Vaters vom Tod auferweckt worden. Und genauso sollen auch wir jetzt ein neues Leben führen.
5 Denn wenn wir ihm im Tod gleich geworden sind, werden wir es auch in der Auferstehung sein.

1 Was folgt nun daraus? Sollen wir ruhig weitersündigen, damit die Gnade sich noch mächtiger entfalten kann?

2 Unmöglich! Die Sünde hat kein Anrecht mehr an uns, für sie sind wir tot – wie könnten wir dann noch weiter in der Sünde leben?

3 Ihr müsst euch doch darüber im Klaren sein, was bei der Taufe mit euch geschehen ist. Wir alle, die »in Jesus Christus hinein« getauft wurden, sind damit in seinen Tod hineingetauft, ja hineingetaucht worden.

4 Durch diese Taufe wurden wir auch zusammen mit ihm begraben. Und wie Christus durch die Lebensmacht Gottes, des Vaters, vom Tod auferweckt wurde, so ist uns ein neues Leben geschenkt worden, in dem wir nun auch leben sollen.

5 Denn wenn wir mit seinem Tod verbunden wurden, dann werden wir auch mit seiner Auferstehung verbunden sein.

1 Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?

2 Das sei ferne! Wir sind doch der Sünde gestorben. Wie können wir noch in ihr leben?

3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?

4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.

5 Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.

1 Was bedeutet das nun für uns? Sollen wir etwa weitersündigen, damit Gott Gelegenheit hat, uns seine Barmherzigkeit in ihrer ganzen Größe zu zeigen?

2 Natürlich nicht! Als Christen sind wir für die Sünde tot. Wie könnten wir da noch länger mit ihr leben?

3 Ihr wisst doch, was bei der Taufe geschehen ist: Wir sind auf den Namen Jesu Christi getauft worden und haben damit auch Anteil an seinem Tod.

4 Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht seines Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir ein neues Leben führen.

5 Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung.

Wie man leicht sehen kann, kommen bei Luther immer wieder Formulierungen vor, die mit der heutigen Sprache wenig zu tun haben. Ich habe noch keine Jugendlichen sagen gehört: „Das sei ferne“. Auch das typisch lutherische „auf dass“ verwendet heute niemand mehr. Was nicht verwunderlich ist und in der neuen Revision zum Teil sogar noch verstärkt wurde: In der Lutherübersetzung sind so viele Spuren von Luther und 16. Jahrhundert drin, dass es manchmal eine echte Zeitreise ist. Dabei stammt der Text doch eigentlich aus dem 1. Jahrhundert und ist ursprünglich griechisch. Warum müssen wir mit Jugendlichen eine doppelte Zeitreise machen, um die Bibel zu verstehen? Mir leuchtet das nicht ein.

Die Basisbibel, die mir von den aktuellen Übersetzungen am besten gefällt, wurde entwickelt für Menschen des 21. Jahrhunderts, deren Lesegewohnheiten schon durch das Internet geprägt wurden. Hier kann man das schön nachlesen: http://www.basisbibel.de/ueber-die-basisbibel . Die Sprache wird immer knapper. Dafür gibt es jetzt Links, wenn etwas so knapp wird, dass man es kaum noch versteht oder wenn man den Fachbegriff nicht kennt. Ein schönes Beispiel dafür ist der Begriff „Gnade“, den die Basisbibel wie Luther verwendet, der aber von Hoffnung für alle mit „Barmherzigkeit“ wiedergegeben wird. Aber die Basisbibel hat eine Erklärung neben dem Wort Gnade stehen („Gnade: Gott wendet sich den Menschen liebevoll und ohne jede Vorbedingung zu“). So können heutige Menschen in die Sprache der Bibel hineinwachsen und sich die zentralen Begriffe aneignen, ohne die man auf lange Sicht nicht auskommt.  

Luthers Anliegen war es, dem Volk aufs Maul zu schauen und die Bibel für die Menschen seiner Zeit verständlich zu übersetzen. Wenn wir Luther heute fragen könnten, würde er davon abraten, jungen Leuten seine Bibelübersetzung vorzusetzen. Er hat oft genug das gemacht, was die Volxbibel ständig tut: Begriffe seiner Zeit gewählt, die sachlich gar nicht zur Zeit der Bibel passen. Ich würde also ganz klar davon abraten, die Lutherbibel für Konfis zu verwenden, Kulturgut Lutherübersetzung für die deutsche Sprache hin, Liebe zu Luther her. Da beißt keine Maus den Reformationsfaden ab, sondern wir bleiben dem Anliegen Luthers treu, die Hürden zum Zugang zur Bibel so niedrig wie möglich zu halten.

Das heißt nicht, dass die Lutherbibel heute schon überholt ist. Noch immer ist Luthers Sprache in vielen Passagen unübertroffen. Wer das entsprechende Alter, den entsprechenden Bildungsgrad dazu hat, soll gern die Luther-Bibel lesen. Aber auch in Gottesdiensten erlebe ich immer wieder, dass Kirchengemeinderäte für die Schriftlesung wegen der prägnanten Sprache die Basisbibel auswählen. Die ist nämlich so gesetzt, dass das Zeilenende immer auch eine Sinneinheit ist, so dass es viel leichter ist, den Text vorzulesen – gerade, wenn man womöglich aufgeregt ist.

Das Dilemma und ein Tipp

Leider ist die Basisbibel noch nicht vollständig, es wird gerade heftig daran gearbeitet, aber vor 2019 soll es nicht so weit sein. Weil es eigentlich nicht geht, Konfis eine unvollständige Bibel zu schenken – das wirkt so als sei das erste Testament nicht so wichtig -, alle anderen Übersetzungen meines Erachtens aber nicht so gut sind wie die Basisbibel, muss man vielleicht für die nächsten drei bis vier Jahre tatsächlich mit zwei Bibeln arbeiten. Eine davon gehört nach Hause, dort wo die Jugendlichen hoffentlich – angeregt durch den Unterricht – auch einmal selbständig in der Bibel lesen. Eine lagert als Gruppensatz im Gemeindehaus für den Einsatz in der Gruppe. Welche Bibel wo zum Einsatz kommen soll, kann man dann immer noch überlegen. An den Bibeln sollten wir als protestantische Christen jedenfalls nicht sparen. Zumindest nicht, solange die Kirchensteuer noch so gut wie die letzten Jahre ausreicht, um so allerlei zu finanzieren. Beispiele erspare ich mir. 

Auch das noch …

wenn wir schon mal beim Thema Bibel sind:

Bibelüberreichung

Jeder evangelische Christ sollte seine eigene Bibel besitzen. Um das sicherzustellen, ist es gute Tradition, dass jede/r Konfirmand/in eine Bibel bekommt, in der Regel als Geschenk der Kirchengemeinde. In manchen Landeskirchen, z. B. in Württemberg, gibt es die schöne Tradition, dass die Bibeln feierlich überreicht werden, in der Regel in dem Gottesdienst, in dem die Konfis sich zum ersten Mal als Gruppe der Gemeinde präsentieren; dieser Gottesdienst heißt hier Vorstellungsgottesdienst. Früher hat auch einmal das Gesangbuch zur Grundausstattung einer evangelischen Christin gehört. Ich finde schade, dass diese Tradition gerade weitgehend am Aussterben ist.

Pimp Your Bible

Eine schöne Idee sind die Konfi-Bibeln mit weißem Einband, die man mit verschiedenen Techniken personalisieren kann. Mein badischer Kollege Stefan Kammerer hat hier ein paar richtig gute Ideen dazu entwickelt: https://www.die-bibel.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Bibel_zum_Selbstgestalten_Leitfaden_und_Arbeitsblaetter.pdf 

Bibel digital

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Die Lutherbibel 2017 gibt es dank EKD-Initiative für ein Jahr kostenlos als App, hoffentlich auch darüber hinaus. Zusammen mit ein paar technikaffinen Konfi- und Jugendarbeitsleuten und der Deutschen Bibelgesellschaft arbeiten wir gerade daran, jugendgemäße Übersetzungen der Bibel baldmöglichst im Rahmen einer Konfi-Bibel-App zur Verfügung zu stellen. 

Und jetzt bin ich gespannt auf eure Kommentare: Welche Erfahrungen habt ihr mit verschiedenen Bibelausgaben und -übersetzungen gemacht? Es wäre schön, wenn ihr das mit den anderen unten in den Kommentaren teilt.

Links

Was ist eigentlich die beste Konfi-Bibel?
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5 Gedanken zu „Was ist eigentlich die beste Konfi-Bibel?

  • Pingback: Alles Luther 2017 oder was? Welche Bibelübersetzungen sich für Konfis eignen – rpi-virtuell News

  • 22. November 2016 um 10:23
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    Vielen Dank für die Gedanken. Bin ganz Deiner Meinung. Auch ich finde die Basis-Bibel am Besten. Und im Übrigen oft erstaunlich genau. NGÜ finde ich sehr schön, allerdings von der Übersetzung her nicht immer ganz „offen“ – falls man das versteht. Das Design ist halt der Knaller. Was das Gesangbuch angeht: Meine Überlegung war mal, ob man den Jugendlichen nicht „Das Liederbuch“ schenken soll. Es ist dann auch gleich das Liederbuch für den Konfis und natürlich weitaus vielfältiger als das EG. Im Dänemark wurde mir das auch so erzählt, dass das Liederbuch zu Konfirmation (seit Grundvig eingeführt) DAS generationsübergreifende Buch überhaupt sei. Das hat mir eingeleuchtet.

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    • 22. November 2016 um 10:56
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      Die Idee mit dem Jugendliederbuch finde ich gar nicht schlecht, lieber Markus. Das wäre dann ein Standard, auf den man später immer wieder zurückgreifen könnte, nicht nur beim vielzitierten Trau- und Taufgespräch ein bis zwei Dekaden später.

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  • 18. November 2016 um 14:15
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    Vor dem Bibel-Ausgaben-Dilemma stehen wir bei uns natürlich auch. Nach Jahren mit der „Guten Nachricht“, die an vielen Stellen nicht weniger unverständlich übersetzt als Luther, machen wir dieses Jahr unsere Erfahrungen mit der Lutherbibel. Na ja, einige Probleme damit wurden im Block ja schon angesprochen.
    Am geeignetsten als Konfi-Bibel halte ich eigentlich die NGÜ, die im Block leider ganz unbeachtet blieb, aber das gleiche Dilemma mitbringt wie die Basisbibel – nur als NT mit Psalmen verfügbar. Das kommt als Konfi-Bibel m.E. gar nicht infrage.
    Auch bei der NGÜ wird angeblich am AT gearbeitet. Wann ist denn damit endlich zu rechnen?
    Statt Konfi-Bibel eine App zu benutzen, in der unterschiedliche Ausgaben verfügbar sind, ist auch eine interessante Überlegung…
    Gruß Matthias Wanzeck, Rommelshausen

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    • 18. November 2016 um 15:04
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      Vielen Dank für die Hinweise. Mir gefällt die NGÜ auch sehr gut, sie war wenn ich mich recht erinnere auch schon mal Grundlage der ökumenischen Bibelwoche.

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