Kann man, darf man mit Konfis und in der Jugendarbeit über das Thema Homosexualität reden? Nachdem ich im  Beitrag Akzeptanz sexueller Vielfalt aufgefordert hatte, gute Ideen zu liefern, wie man das mit Konfis bearbeiten kann, hat sich über Facebook tatsächlich jemand aus der Jugendarbeit gemeldet, Milena Korneck.

Ihre Anregung – vielen Dank! – will ich hier gern weitergeben:

Es gibt dieses Lied „same love“ von Macklemore. Er ist bei uns gerade sehr beliebt, ich könnte mir vorstellen, dass man so vielleicht an die Jugend herankommt, weil Macklemore in diesem Lied offen und kritisch mit diesem Thema umgeht und es nicht ins Lächerliche zieht, wie es in der Gesellschaft oft der Fall ist, wenn Menschen pseudo-lässig mit dem Thema umzugehen versuchen. Anbei der Link und beste Grüße,

http://www.youtube.com/watch?v=YcNOapwgw6I

 

Die wichtigsten Infos zu Macklemore hier auf Wikipedia. Als UN-Botschafter setzt er sich zusammen mit Ryan Lewis  im Auftrag der Vereinten Nationen für die Gleichberechtigung Homosexueller ein.

Hier findet man den Songtext auf Englisch und die Übersetzung mit einigen Erklärungen. Im Song wird auch das Thema Suizidneigung angesprochen, das die Petition so merkwürdig instrumentalisiert hat. Dass Menschen, die anders empfinden, hier vor einer großen Herausforderung stehen und es schwerer haben als andere, ist klar. Nachlesen kann man das im mutigen Bericht von Floh Maier „Ich bin schwul“, den man – gerade weil er so ehrlich ist und das Konfi-Alter anspricht – in Auszügen ruhig mal mit den Konfis lesen kann. Heute habe ich Konfirmanden (männliche) nach ihrer Meinung zum Thema gefragt, und sie haben das ganz entspannt gesehen und gleich erzählt, dass es in ihrem Ort einen schwulen Pfarrer gegeben habe, mit dem keiner ein Problem hatte, der aber inzwischen wieder weg sei (war ein Vikar, wie sich später herausstellte).

Beim Thema „Legalize Gay Marriage“, das im Video auf den T-Shirts zu sehen ist, kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Die Fakten dazu hier. Aber das ist doch ein schönes Thema, das man beim sechsten Gebot diskutieren kann: Sollte die Ehe reseviert bleiben für Mann und Frau oder sind hier auch andere Kombinationen möglich und sinnvoll. Hier gibt es übrigens Material zu den zehn Geboten, vielleicht kann man mit dem zum sechsten Gebot etwas anfangen und das als Einstieg nutzen.

Über die Frage, wie Homosexualität in der Bibel beurteilt wird, ist viel geschrieben worden. Online gut orientiert ist man meist mit wibilex, das bereits einen Artikel für das AT und einen für das NT bietet. Dass damals andere kulturelle Verhältnisse herrschten als heute, dürfte jedem klar sein, auch in Fragen der Sexualethik. Die Polygamie des Alten Testaments will ja auch keiner wieder einführen. Wie eine Ethik, die sich an der Bibel orientiert, in der Gegenwart aussieht, muss jede Zeit neu definieren. Die jüdische Tradition ist hier wesentlich flexibler als manche, die die Bibel ohne sachgerechte Auslegung wörtlich nehmen und gerade dadurch ihren Sinn verfehlen.

Für Konfirmand_innen ist – wie für viele Erwachsene auch – Familie einer der höchsten Werte. Dabei machen Kinder im Durchschnitt gar nicht glücklicher, sondern eher Stress, wie eine neue Studie herausgefunden hat. Auch Jesus hatte zur Familie – auch zu seiner eigenen – ein eher distanziertes Verhältnis, was aus Josef geworden ist weiß keiner so genau, nach den Kindheitsgeschichten hört man nichts mehr von ihm. Heile heilige Familie sieht anders aus. Afamiliäres Ethos nennt das Gerd Theißen und das passt nicht so recht zu unserer bürgerlichen Familienmoral, die wir als Kirche hochhalten, weil sie zum Milieu passt, das zu uns hält. Sicher hängt das im Neuen Testament mit der Naherwartung zusammen. Wenn das Reich Gottes schon morgen anbricht, lohnt es sich nicht mehr, eine Familie zu gründen und die damit verbundenen Einschränkungen auf sich zu nehmen. Freier für das Reich Gottes ist man schließlich als Single, siehe Paulus.

Trotzdem: Die Aussagen über Schöpfung des Menschen als Mann und Frau, das Gebot sich zu mehren und fruchtbar zu sein, das sechste Gebot, die Aussagen der Pastoralbriefe, dass man – zumindest als Gemeindeleiter –  ordentliche Familienverhältnisse haben soll, sind ebenfalls von Gewicht, zumindest solange die Erde steht und Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter nicht aufhören. Irgendwo muss schließlich die nächste Generation herkommen und die soll in guten Verhältnissen aufwachsen, was sie heute in der Regel auch tut.

Zum Schluss noch ein Tipp: Jörg Conrad hat für das Heft anknüpfen update 7 einen sehr gelungenen Baustein verfasst zum Thema Liebe: Marcel und Tina oder „Das 1×1 der Liebe“ Mit einer Foto-Lovestory, auf der ehemalige Konfis von mir zu sehen sind, wird hier sehr dezent das Feld der Liebe eröffnet und eingeordnet in die große göttliche Liebe, die uns umschließt und trägt. Der Artikel ist auch in den neuen anknüpfen-Praxisideen enthalten und hat auf meiner letzten Pfarrerfortbildung ziemliche Diskussionen ausgelöst. Einfach mal ausprobieren und die Anregungen zum Thema Homosexualität von ganz oben integrieren, dann ist spannender Konfi garantiert!

 

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Wie kann man mit Jugendlichen über Homosexualität reden?
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