In den letzten Wochen waren ja wieder Konfirmationen, da kann man allerhand hören und erleben. So manches dringt an meine Ohren, anderes habe ich (nicht nur dieses Jahr) selbst erlebt. Die folgende Liste ist bitte immer mit einem Augenzwinkern zu lesen, manches lässt sich aus welchen Gründen auch immer halt nicht anders machen. Vieles aber schon!

  1. Verstecke nicht die Konfirmand/innen: Konfis sitzen nicht immer gern auf dem Präsentierteller. Aber andere – z. B. ein Posaunenchor – gehören bei einer Konfirmation bestimmt nicht dorthin. Wo es geht, finde ich es sehr schön, wenn die Konfirmand/innen seitlich sitzen. Dann kann die Gemeinde sie sehen und man kann sie als Pfarrer/in trotzdem ansprechen. In der ersten Reihe gehen Konfis leicht unter, wenn sie nicht oft genug im Gottesdienst „vorkommen“.
  2. Überlasse es nicht den Kampfomas, welche Familie wo sitzt. Die Deutschen sind ein Volk von Handtuchlegern. Da wird ein Mitglied der Sippe vorgeschickt und belegt dann gleich mehrere Bankreihen mit der besten Sicht. Die sollten längst klar gekennzeichnet sein mit Hilfe eines transparenten Verfahrens.
  3. Spare nicht am Liedblatt. Ins Liedblatt gehört mehr als die Liedtexte. Man kann z. B. die Verpflichtungsfrage mit abdrucken, alle Namen, die Denksprüche, ein schönes Gruppenbild, Aktionen aus dem Konfi-Jahr. In Farbe wird das Liedblatt zur schönen Erinnerung, wenn eine Gemeinde keinen Farbdrucker hat, kann man das Liedblatt auch drucken lassen, das ist heute erstaunlich günstig.
  4. Erspare den Konfis beim Segen den Tunnelblick. Wenn man mit Talar zwei Konfis gleichzeitig segnet, entsteht fast immer durch den Blick in den weiten Ärmel des Talars ein schwarzer Tunnelblick. Schöner ist eine Einzelsegnung, bei der der Kopf mit beiden Händen von der Seite berührt wird.
  5. Lass auf keinen Fall den Namen bei der Segnung weg. Wenn Gott uns bei unserem Namen ruft, darf man als Pfarrer/in nicht aus Angst vor der Aufregung und dem möglichen Verwechseln von Namen die Anrede weglassen. Segen ist etwas sehr persönliches und wird viel persönlicher, wenn er mir namentlich zugesprochen wird. 
  6. Lade keine Gäste aus. Immer wieder hört man von Beschränkungen bei Konfirmationen: Jeder darf nur 25 Verwandte und Freunde mitbringen. Manchmal wird sogar bei den Bekanntgaben die Gemeinde ausdrücklich ausgeladen und gebeten, den Konfirmationsgästen den Vortritt zu lassen. Ist das noch ein Fest der Gemeinde und der Kirche, wenn die sonntägliche Kerngemeinde ausgeladen wird? Immerhin ist die Farbe des Paraments rot, die Farbe der Kirche, die Farbe von Pfingsten. Da waren es immerhin 3000, die den Geburtstag der Kirche mitfeiern durften.
  7. Ignoriere nicht Gastwirtschaften, Fotografen und Blumenläden. Die Konfirmationsfeiern sind ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Es ist für Pfarrer_innen oft eine heikle Gratwanderung: Soll man sagen, welche Fotografin die besten Bilder macht? Soll man den Tipp der Mesnerin weitergeben, dass es mit dem Blumenladen Sonnenblume so toll geklappt hat beim letzten Mal, die Kirche zu schmücken und sogar jemand zwischendurch kam, um die Blumen zwischen den beiden Konfirmation zu erneuern. Den Kampf um den ersten Anruf bei den Gastwirtschaften kennen alle, gerne wird die Pfarramtssekretärin hier gelöchert, ob der Termin schon bekannt ist und Kirchengemeinderäte können die ganze Würde ihres Amtes ausspielen und Andeutungen machen, worauf der Termin im Jahr 2016 wohl hinauslaufen wird. Und wen man gefragt wird: „Wie lange dauert die Konfirmation denn?“, nicht sauer werden, weil man weiß, es geht darum, wann in der Wirtschaft das Essen serviert werden soll. Jeder hat schließlich bei einem Fest gern warmes und nicht verkochtes Essen auf dem Tisch.
  8. Mache keine One-Man/Woman-Show aus der Konfirmation. Die Stars sind die Konfirmand/innen. Die Pfarrerin kann man schließlich fast jede Woche erleben. Manche lassen die Konfis sogar selbst begrüßen und moderieren. Predigen sollen sie laut württembergischer Agende ohnehin (einen wesentlichen Teil der Verkündigung übernehmen). Schon beim Ein- und Auszug ist es schön, wenn Teamer und Kirchengemeinderäte mit dabei sind. Nachfolgeprägung à la Konrad Lorenz ist nicht das, was wir anstreben sollten, dass Konfis wie Gänse dem schwarzen Pfarrervogel nachlaufen, sondern ein fröhliches Hineingeführtwerten von einer Gemeinschaft in eine noch größere Gemeinschaft.
  9. Lass nicht zu, dass die Konfirmation eine Leistungsschau der Gemeinde wird. Es ist ja schön, dass die Kirchengemeinde einen junggebliebenen Posaunenchor, einen fetzigen Gospelchor, einen an Monteverdi geschulten Kirchenchor, einen Flötenkreis und eine Bauchtanzgruppe hat. Aber müssen wirklich alle in einem Gottesdienst auftreten  – wohlgemerkt neben der extra zusammengestellten Konfiband (die ich immer super finde)?
  10. Brauche nicht länger als 90 Minuten. Länger kann kein Mensch ohne Pause aushalten. Schlimm, wenn die Gäste sich die Pause dann selbst gönnen und irgendwan draußen vor der Kirche bei einem Zigarettchen bessere Stimmung ist als in der Kirche, wo alle gespannt darauf warten, ob nach dem Grußwort des Kirchengemeinderats noch die kompletten Abkündigungen verlesen werden.
  11. Lege nicht deine Worte in den Mund der Konfis. Die können schließlich selbst sprechen und haben oft herrlich schräge Formulierungen für Dinge, die in der üblichen Kirchen-Pfarrer-Sprache schon völlig abgenutzt und ausgeleiert sind.

Wer hat aus eigener Erfahrung weitere Dont’s? Die können über die Kommentarfunktion gern ergänzt werden …

Die 11 DONT’s der Konfirmation

Ein Gedanke zu „Die 11 DONT’s der Konfirmation

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.