Am 5. Juli haben wir als Team wieder einmal einen „anderen“ Gottesdienst gestaltet zum Thema: Jeder Mensch wird von Gott gekrönt, mit Gnade und Barmherzigkeit. Predigttext war natürlich Ps. 103, ein Text der in fast jeder Abendmahlsliturgie vorkommt. Das Thema eignet sich – leicht abgewandelt – auch für Gottesdienste mit Konfis, die diesen Text oft kennen lernen oder sogar auswendig beherrschen sollten wie in Württemberg. Wie revolutionär die Botschaft dieses Psalms ist, merkt man erst, wenn man sich ein wenig mit dem alten Orient und der dort herrschenden Königsideologie beschäftigt. Hilfreich war für mich die Lektüre der Artikel König/Königtum im Wibilex (http://www.bibelwissenschaft.de/de/stichwort/23844/) sowie Krone / Krönung im AT (http://www.bibelwissenschaft.de/de/stichwort/24181/).

Die Prezi …

Veranschaulicht wurde die Predigt durch eine kleine Prezi-Präsentation, die hier zur Weiterbearbeitung zur Verfügung steht: https://prezi.com/80l6fnk0sjcz/das-ist-die-kronung-wert-und-wurde-des-menschen-nach-ps-103/

… zur Predigt

[Folie 1] Gesamtbild

Liebe Welcome-Gemeinde,

das ist die Krönung – ganz wörtlich. Von König David. Ein kleiner Hirtenjunge wird auf den Schild gehoben und bekommt die Krone aufgesetzt. [byzantinische Buchmalerei aus dem „Pariser Psalter“ (10. Jh.)].

Zum Glück ist die Monarchie bei uns abgeschafft, es lebe die Republik und vor allem die Demokratie.

Trotzdem lässt uns der König mit seiner Krone nicht los. Wer wäre nicht gern wenigstens ab und zu „der King“. [Folie 2]

Der deutsch-kanadische Rapper nennt sein viertes Album so und kommt dabei ziemlich cool als König der Unterwelt rüber. Wie wäre es, einmal so richtig der King zu sein. Über den anderen zu stehen, es allen so richtig zu zeigen, was man drauf hat. Unumstritten die Nummer eins sein. Befehlen können und keiner wagt es zu widersprechen. Deine Untertanen liegen vor dir im Staub, gnädig erlaubst du ihnen, dich anzublicken. Von deinem goldenen Thron aus. Einmal der King sein.

Merkwürdig, dass gerade von „King David“ ein Text der Bibel stammt, der so wichtig, dass er bei fast jedem Abendmahl vorkommt. Psalm 103.

[Folie 3]

Lobe den HERRN, meine Seele,

und was in mir ist,

seinen heiligen Namen!

Lobe den HERRN, meine Seele,

und vergiss nicht,

was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht

und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Psalm 103,1-5 Lutherbibel

Bei bekannten Texten ist es oft gut, sie noch einmal anders zu hören, weil sie dann anders sprechen.

Die Basisbibel gibt diesen Königstext so wieder:

[Folie 4]

Lobe den HERRN, meine Seele!

Und alles in mir preise

seinen heiligen Namen!

Lobe den HERRN, meine Seele!

Und vergiss nicht das Gute,

das er für dich getan hat!

Er vergibt dir alle deine Vergehen.

Er heilt alle deine Krankheiten.

Er führt dein Leben aus der Todesnähe.

Er schmückt dich mit einer Krone –

sie besteht aus Güte und Barmherzigkeit.

Er versorgt dich mit Gutem dein Leben lang,

so fühlst du dich jung wie ein Adler.

Psalm 103,1-5 Basisbibel

Spürt ihr das, spüren Sie das, wie revolutionär dieser Text ist: Jeder Mensch wird gekrönt. Hier mit Güte und Barmherzigkeit, in Psalm 8 mit Ehre und Herrlichkeit. Jeder ist gleich viel wert, hat eine königliche, göttliche Würde.

Vielleicht müssen wir das mit unseren Worten ausdrücken, um zu verstehen, wie radikal das ist: Jeder wird von Gott zum Chef ernannt, jeder ist Präsident und Klassensprecher, jeder Rektor und CEO. Du und ich, dein Nebensitzer und dein Nachbar.

Das sind wir nicht aus uns heraus. Auch das wird deutlich. Wir sind es, weil Gott uns Gutes tut, uns vergibt, uns heilt, uns innerlich erneuert. Dafür ist Jesus gestorben, dafür hat er die Dornenkrone getragen. Aber er erneuert uns so, wie er uns geschaffen hat. Er sagt zu uns wie im Film vorhin: „Du bist wertvoll, Du bist etwas ganz Besonderes.“ Jeder Mensch ist nach dem Schöpfungsbericht Abbild Gottes und damit sein königlicher Stellvertreter auf Erden.

Nun war der König ja keinesfalls immer der ideale König. Israel hatte viele Könige, die Versager auf der ganzen Linie waren. Politisch schwach, ohne Gottvertrauen, dem Luxus ergeben. Selbst König David hatte menschliche Schwächen, beging Ehebruch, ja indirekt sogar einen Mord. Deshalb gibt es im ganzen Orient ein Königsideal, das auch in unserem Psalm anklingt: Gott krönt uns mit Gnade und Barmherzigkeit.

[Folie 5]

Was heißt das? Zunächst versteht man es meist so, dass Gott uns gnädig ist. Davon ist in den Versen davor ja auch die Rede. Aber vermutlich ist es anders gemeint. Chäsäd und Rachmim, Gnade und Barmherzigkeit wenden sich an die anderen, die Mitmenschen. Wer als königlicher Mensch lebt, kann zu den anderen gnädig, mitfühlend sein. Er hilft ihnen, wo er kann, weil er die Macht und Kraft dazu hat. Und beim Wort Barmherzigkeit klingt sogar etwas Mütterliches an, denn es spielt an auf den Mutterschoß. Wer um seine Würde als Gotteskind weiß, kann andere trösten, ihnen Mut zusprechen, wenn sie vergessen, was ihr Leben wert ist. Wer von Gott her um seinen Wert weiß, kreist nicht ständig um sich selbst, sondern ist offen für andere. Dass wir mit anderen gnädig umgehen können, adelt uns.

Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, weitergehen.

Wie wird das aber praktisch, wie können wir das leben? Die Botschaft von Ps. 103 lässt sich zusammenfassen mit vier Begriffen: Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, weitergehen.

[FOLIE 6]

Leben als Königskind heißt leider nicht immer, auf einer Sänfte durchs Leben getragen zu werden.

[FOLIE 7]

Hinfallen ist leider normal. Wolke 7 der Ausnahmezustand, viel zu schnell kommen wir auf dem Boden der Tatsachen an. Sind überfordert. Reagieren aggressiv, wenn wir uns missverstanden fühlen. Der Spruch „Da bricht dir kein Zacken aus der Krone“, hilft leider oft nicht weiter. Zack, die Kränkung saß und sie sitzt tief. Und zack – austeilen können wir auch. Und versuchen andere mit runter zu ziehen.

Jeder weiß, was jetzt kommt. Aber es ist nicht leicht: Wieder aufstehen.

[FOLIE 8]

Manchmal braucht es einfach Zeit. Oft aber auch einen Anstoß von außen: Steh auf, bleib nicht liegen. Und eine helfende Hand. Gott bietet uns seine helfende Hand an, er schenkt Vergebung und richtet uns wieder auf.

Trotzdem bleibt oft etwas zurück nach einem Sturz. Schrammen, Blutergüsse. Da ist der nächste Schritt entscheidend, zu dem dieser Gottesdienst ermutigen soll.

[FOLIE 9]

Richte deine Krone. Das ist nichts Angemaßtes, Gott selbst hat uns ja diese Krone geschenkt, damit wir mit Würde durchs Leben gehen. Übersetzt heißt das: Mach dir wieder bewusst, dass dein Wert als Gotteskind nicht von dem abhängt, was andere sagen, davon wie selten du stolperst und fällst. Gott sagt zu dir: Sei cool und souverän. Souverän wie ein Herrscher. Souverän wie Bonhoeffer im Gefängnis [Vgl. das Gedicht „Wer bin ich?“].

Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

In ihm drin sah es anders aus, er hatte Zweifel, fühlte sich zerrissen und mutlos. Und doch hatte er diese geschenkte Souveränität, die andere ihm abspürten. Es kommt noch ein letzter Schritt:

[FOLIE 10]

Weitergehen. Wer stehen bleibt mit seiner gottgeschenkten Würde und sich um sich selbst dreht, macht etwas falsch. Weitergehen heißt, Kontakt zu anderen aufnehmen, sich einbringen, Neues wagen. Als Christen bleiben wir leider viel zu oft stehen, sehnen uns nach der Vergangenheit, wo angeblich alles viel besser war. Christen leben von der Zukunft Gottes her und auf sie hin. Radikal. Ohne Blick zurück.

Weitergehen heißt auch zu den anderen gehen. Als sich die Jünger Jesu darüber stritten, wer von ihnen der Größte, der King sei, da schärfte Jesus ihnen ein: Wer unter auch der Größte sein will, der sei der Diener von allen. Die Krone besteht aus Güte und Barmherzigkeit, nicht aus Herrschsucht und hohlen Überlegenheitsgefühlen.

Es geht nicht um eine falsche Demut. Aber es heißt: Geh aufrecht durchs Leben, lass deinen Blick schweifen. Und dann bücke dich für jeden, der gebeugt durchs Leben geht oder am Boden liegt.

[FOLIE 11 Anfangsansicht]

Wie sieht das konkret aus? Vielleicht hast du eine Klassenkameradin, die in der Schule ständig auf die Nase fällt. Wie wäre es, mal mit ihr zusammen zu lernen. Da gibt es den Kollegen, den nie jemand fragt, ob er mit in die Kantine kommt. Sprechen Sie ihn doch einfach mal an. Sagen Sie ihm wie im Film vorhin, dass er wertvoll, etwas Besonderes ist, dass sein Beitrag wichtig ist.

Da gibt es Flüchtlinge in Deutschland. Wer sagt ihnen, dass sie willkommen sind, dass wir ihnen gerne helfen hier anzukommen. Da ist die verwitwete Frau, die sich einsam fühlt, weil die Kinder so weit weg leben und sie nicht mehr so kann, wie sie will. Wer besucht sie, um zu fragen, was ihr Leben wertvoll gemacht hat und heute noch trägt? Das ist Aufgabe der ganzen Gemeinde!

Lasst uns Gott loben von ganzem Herzen, indem wir wie König David die Krone würdevoll und bescheiden zugleich tragen, die er uns verliehen hat. Die Krone aus Güte und Barmherzigkeit. Dann wird Gottes Herrschaft unter uns lebendig und konkret. Amen

Lieder und Psalmen

  • Eingangslied: EG 316,1-5 Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren (Orgel)
  • Du bist Du (Singteam)
  • King of Kings (im Kanon, Singteam)
  • Psalmgebet: Ps. 8 (EG 705) mit Ehr sei dem Vater
  • Schriftlesung und Predigt über Ps. 103,1-5
  • Lied: Du bleibst an meiner Seite / Du bist treu (Singteam)
  • Segenslied EG 171,1-3 Bewahre uns Gott (Orgel)

Gebete

Eingangsgebet

Herr, unser Gott, König der Welt, wir loben Dich und beten Dich an. Damit wir nicht vergessen, wer die Fäden in der Hand hält. Damit wir nicht vergessen, wer die Macht hat. Nicht die Könige, Kanzlerinnen und Präsidenten, die das Fernsehen präsentiert. Du regierst und wir vertrauen, dass dir nichts entgleitet, was uns Sorgen macht.

Herr, unser Gott, König unseres Lebens, du willst keine Untertanen, sondern Söhne und Töchter. Zu Königskindern hast Du uns gemacht. Wir dürfen aufrecht durchs Leben gehen und die Welt in Deinem Sinne gestalten. Danke.

Höre uns jetzt, wenn wir zu Dir beten und uns Dir anvertrauen, mit allem, was uns auf dem Herzen liegt.

Fürbittengebet

Sprecher/in 1: Barmherziger, gnädiger Gott. Du bist ein König, der sich herabneigt zu uns. Der uns aufrichtet und aufrecht gehen lässt. Wir bitten dich um Mut für die kommende Woche. Lass uns aufrecht und erhobenen Hauptes durchs Leben gehen. Du sagst uns: Du bist wertvoll. Erinnere uns daran, wenn andere uns als Versager dastehen lassen.

Sprecher/in 2: Gütiger Gott, wir bitten dich für alle, die in unserer Leistungsgesellschaft auf der Strecke bleiben. Die krank und schwach sind. Auf die andere herabsehen ohne echten Grund. Hilf ihnen, neuen Mut zu fassen, zeige ihnen, welchen Wert ihr Leben hat. Schicke ihnen Menschen, die ihr Leid mit ihnen teilen und alles tun, um es zu lindern.

Sprecher/in 3: Gott, Du König der Welt, vieles macht uns Sorgen, was wir in den Nachrichten hören. Kriege, die kein Ende nehmen wollen. Flüchtlinge, die kein neues Zuhause finden. Finanzkrisen, die die Ärmsten besonders treffen. Du sitzt im Regiment. Lass uns erleben, dass du es gut zu Ende bringst. Hilf uns, unseren Teil dazu beizutragen.

Filmtipp

Gut zum Thema passt übrigens der schöne Film „Validation“, den man auf Youtube anschauen kann:

Es gibt auch eine deutsche Version, die ist aber leider nicht sooo besonders gut synchronisiert … (Vgl. https://youtu.be/dc7rK1MGM6w)

Ich freue mich immer über Reaktionen und natürlich auch, wenn andere dieses schöne Thema aufgreifen und so die Botschaft weitertragen …

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Gottesdienst zum Thema „Das ist die Krönung“ – Wert und Würde des Menschen
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