Andacht gehalten im Haus Birkach am 26.10.15

Mal wieder so ein Lied, das hängen bleibt. Der Lieblingsmensch von Namika, einer gebürtigen Frankfurterin mit marokkanischen Wurzeln, erst 23 Jahre alt und vor allem durch diesen Song plötzlich in aller Ohren und Mund.

 

(Den Songtext findet man z. B. hier: http://www.magistrix.de/lyrics/namika/Lieblingsmensch-1232283.html )

Hallo Lieblingsmensch. An wen denke ich da? An die beste Freundin, an meinen Geliebten? Der vielleicht nur in Träumen existiert. Oder gibt es den wirklich? Vielleicht auch an meine Eltern und Großeltern, ohne deren Liebe es mich nicht gäbe. Hallo Lieblingsmensch.

Klar, wird der Lieblingsmensch idealisiert. „Ich brauch gar nichts sagen, ein Blick reicht.“ Dem Lieblingsmenschen kann man alles sagen: „Niemand darf’s erfahren, aber dir vertrau‘ ich’s an. Weil du’s sicher aufbewahrst, meine Area 51.“  Ein streng geheimes militärisches Sperrgebiet des amerikanischen Verteidungsministeriums (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Area_51).

Der Lieblingsmensch ein Traum, eine Hoffnung, die im Leben viel zu leicht enttäuscht wird? Wie sieht das aus, wenn aus dem Lieblingsmensch die bessere Hälfte wird, wenn die Plateauphase der Liebe zu Ende geht und der Beziehungs-Alltag einkehrt? Gibt es vielleicht auch eine Vielzahl von Lieblingsmenschen=

Namika heißt mit bürgerlichem Namen „Hanan Hamdi“. Ihr Lied ist veröffentlicht auf ihrem ersten Album namens „Nador“. Es heißt so nach einer marokkanischen Großstadt, in der Namika ihre Urlaube bei den Großeltern verbrachte.

Im Interview mit dem Radio-Sender FFH sagt Namika dazu:

Für mich ist Nador ein Synonym für Selbstfindung. Als Kind hat mich das ein bisschen getroffen. Das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass ich hier nicht so richtig zu Hause bin. Als Kind war ich traurig, keine richtige Deutsche zu sein, aber je älter ich wurde, desto mehr habe ich festgestellt: Hey, das ist doch voll das Geschenk, ein Kulturhybrid zu sein.

Quelle: http://www.nh24.de/index.php/panorama/22-allgemein/85096-lals-kind-war-ich-traurig-keine-richtige-deutsche-zu-seinr

Nador sei für sie ein Synonym für Selbstfindung, sagt sie. Und dazu gehört eben diese Erkenntnis vom Lieblingsmenschen, bei dem ich so verrückt und schräg sein kann, wie ich es manchmal bin. Der Song beginnt mit einem Gefühl der Heimatlosigkeit: „Manchmal fühl ‚ich mich hier falsch, wie ein Segelschiff im All.“ Aber er geht so weiter: „bist du mit mir an Bord, bin ich gerne durchgeknallt“.

Dass Beziehungen das Leben erst lebenswert machen gilt für jeden, egal wo die Wurzeln sind, egal ob es einen als Flüchtling in ein anderes Land verschlägt oder ob man sich nur innerlich fremd fühlt, dort wo man herkommt und hineingeboren oder wie Sartre es sagt hineingeworfen wurde, senkrecht von oben quasi.

Mich erinnert dieses Lied an einen Bibeltext aus dem 1. Johannesbrief (4,7-12, Basisbibel)

Ihr Lieben, wir wollen einander lieben. Denn die Liebe kommt von Gott. Und wer liebt, hat Gott zum Vater und kennt ihn. Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Denn Gott ist Liebe.

So ist Gottes Liebe bei uns sichtbar geworden: Gott sandte seinen einzigen Sohn in die Welt, damit wir durch ihn das Leben bekommen. Die Liebe besteht nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat. Er hat seinen Sohn gesandt, der für unsere Schuld sein Leben gegeben hat. So hat er uns mit Gott versöhnt. Ihr Lieben, wenn Gott uns so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Aber wenn wir einander lieben, ist Gott in uns gegenwärtig. Dann hat seine Liebe in uns ihr Ziel erreicht.

Das gibt vielleicht auch die Antwort auf die Frage, was ich machen soll, wenn mir kein Lieblingsmensch einfällt, von dem Namika so bewegend singt. Gott hat mich zuerst geliebt. Er hat zu mir und dir gesagt „Hallo Lieblingsmensch, schön, dass ich dich kenne. Ich bin der Grund, warum es dich gibt.“ Dass wir lieben können und sollen, liegt zuletzt an Gott. Wenn wir einander lieben, ist Gott in uns gegenwärtig. Das sind starke Worte. Sicher nicht weniger ideal als der Songtext von Namika. Aber entlastender. Ich bin immer schon Lieblingsmensch, auch wenn ich gerade keinen habe. Und ich kann jederzeit anfangen, andere Menschen zu lieben, ihnen mit Gottes Augen und seinem großen Herzen zu begegnen.

Übrigens auch den Flüchtlingen, die gerade aus vielen Ländern zu uns kommen. Übrigens auch den Menschen, denen wir heute begegnen, selbst wenn wir manche davon eher in die Kategorie Hassmensch einordnen würden. Selbst die.

Liedvorschlag

Dazu passt gut der Song „Deine Liebe“ (Markus Witzgall 2010), Das Liederbuch ejw Nr. 159

 

 

Hallo Lieblingsmensch

Ein Gedanke zu „Hallo Lieblingsmensch

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