Vortrag beim Dienstagfrühstück Plüderhausen, 30.9.2014

Der Vortrag geht zurück auf eine Rezension, die in der württembergischen Pfarrerzeitschrift a und b „für Arbeit und Besinnung“ erschienen ist. Das Buch heißt: Jugend heute. Zwischen Leistungsdruck und virtueller Freiheit (Sabine Trautmann-Voigt, Bernd Voigt (Hg.), 206 Seiten, 19,90 Euro. Die Folien dürfen vermutlich nicht ohne Weiteres im Internet weiterverbreitet werden, sie entstammen den Studien, die am Ende des Beitrags verlinkt sind. Auf Anfrage kann ich gern mitteilen, welche ich verwendet habe.

1. LEISTUNGSDRUCK

Sie sind da an einem aktuellen Thema dran und ja sicher auch im Gespräch mit der jungen Generation. Da hört man öfter Sätze wie „Der kann nicht mitkommen, muss noch auf eine Arbeit lernen, hat sein Referat oder wie das heute heißt „GFS“ noch nicht fertig. Verräterisch ist schon der Begriff „Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen“. Ein Referat, das direkt bewertet wird. Oft ist die ganze Familie eingespannt, denn wer will schon eine schlechte Note haben.

Eine Erfahrung ist vielleicht typisch: Im Religionsunterricht der 7. Klasse des Gymnasiums gab es Schüler, für die eine vier eine furchtbare Note war. Ich sah mich als Lehrer in einer völlig untypischen Rolle, als ich der Klasse erklärte, sie sollten die Note nicht so ernst nehmen. „Welche Note ihr in Reli in Klasse 7 habt spielt für eure Leben keine Rolle. Viel wichtiger ist, dass ihr etwas fürs Leben lernt.“ Ich war scheinbar der erste Lehrer, der ihnen erklärte, dass Noten unwichtig sind. Im Konfirmandenunterricht habe ich immer wieder erlebt, dass Schüler/innen ihre schulische Existenz als wenig sinnvoll beschreiben. „Wir leben ja noch gar nicht richtig, sondern bereiten uns nur aufs Leben vor“, war der Tenor. Aber ist das ein Leben, in dem die wichtigste Form von Anerkennung als Zahl am Ende des Schuljahrs schicksalhaft auf einen wartet? Hoffentlich gibt es daneben noch anderes – aber die Zeit-Räume werden enger, in denen das möglich ist, der Ganztagesschule sei Dank. Darüber muss man nicht nur klagen, es hat sicher für viele auch große Vorteile. Aber die Schule muss sich wandeln vom Leistungsraum zum Lebensraum, wenn wir nicht eine ganze Generation von auf Leistung abgerichteten, von Anfang an burnoutgefährdeten Menschen ausbilden wollen.

Wie dran das Thema ist, zeigt das Thema unserer nächsten Jahrestagung Konfirmandenarbeit. Es heißt „Konfis unter LeistungsDRUCK“. Viele Pfarrer/innen machen die Erfahrung, dass die Konfis einem derartigen Druck ausgesetzt sind, dass sie nicht mehr die Puste haben für ein sinnvolles Angebot wie die Vorbereitung auf die Konfirmation, bei der man sich mit Lebensthemen auseinandersetzt statt mit Lernstoff.

Woher kommt dieser enorme Leistungsdruck, dem unsere Jugend heute ausgesetzt ist?

Folie 2: Wenn wir über Jugend reden, reden wir immer über eine Gesellschaft, in der diese Jugend lebt und groß wird. Viele Phänomene betreffen alle Altersstufen gleichzeitig, z. B. die Zunahme der Internetnutzung, die Abnahme des Rauchens, das Um-Sich-Greifen der Spaß-Orientierung (suchen Sie mal Kirchengemeinderäte oder Leute, die ein Forum wie dieses oder einen Seniorennachmittag verbindlich verantworten …).
Wir sind eine Arbeits- und Leistungsgesellschaft – schon lange. Wir sind dadurch reich geworden. Neu ist: Vermutlich wird es nicht so weitergehen wie in der Nachkriegszeit. Die Zunahme des Wohlstands durch Fleiß ist an eine Grenze gekommen. Ob diese natürlich ist, kann hier offen bleiben. Tatsache ist: Wir leben in einer gesättigten Gesellschaft auf hohem Leistungsniveau, die davon bedroht ist, im weltweiten Vergleich eingeholt oder überholt zu werden.

Folie 3: Das Risiko abgehängt zu werden, ist nicht nur eingebildet. Es nimmt durchaus zu. Bildung ist in unserer Gesellschaft ein Schlüssel zum Erfolg, das wissen alle. Das Wissen wird komplexer, einfache praktische Tätigkeiten sind immer weniger gefragt, dafür umso mehr hochintelligente, innovative Spezialisten. Bildungsgewinner und Bildungsverlierer werden durch unser Schulsystem relative früh sortiert und auf eine Spur gesetzt, aus der man nicht so leicht wieder herauskommt. Wer klug ist, optimiert seine Möglichkeiten, obwohl keiner so genau weiß, was von dem, was man gelernt hat, später tatsächlich gebraucht wird. Denn der Wandel der Gesellschaft (vgl. die Texte des Soziologen Hartmut Rosa) hat sich enorm beschleunigt.

Die Leistungsorientierung in den Schulen wurde enorm verstärkt durch die PISA-Studien der OECD, nicht zufällig einer Organisation zur Wirtschaftsförderung. Der erste groß angelegte internationale Schulvergleich (Veröffentlichung Ende 2001) brachte für Deutschland ernüchternde Ergebnisse, man spricht vom PISA-Schock: Deutsche Schüler/innen und Schulen sind nur Mittelmaß. Die für die Wirtschaft wichtigen Schlüsselkompetenzen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften (bemerkenswerterweise fehlen musische Fächer und Ethik/Religion) sind bei deutschen Schüler/innen nur mäßig entwickelt. Die soziale Herkunft entscheidet stark über den Schulerfolg. Wir geben für Bildung im Verhältnis zu den Ergebnissen viel zu viel Geld an den falschen Stellen aus.

Im Schulalltag ist der PISA-Schock deutlich zu bemerken. Während vor allem ältere Lehrer/innen weitermachten wie bisher, kam eine junge Generation von Lehrpersonen an die Schulen, die im Geist von PISA die Anforderung deutlich nach oben schraubten. Parallel dazu kam die Verkürzung des Gymnasiums in den meisten Bundesländern auf acht Jahre, es sollte also in weniger Zeit mehr gelernt werden. Das ist ein ehrenwertes Ziel, manches davon ist ja auch gelungen, Deutschland hat sich im PISA-Ranking nach oben geschoben. Aber alles hat seinen Preis: Deutsche Schüler sind nicht nur besser, sondern auch anfälliger für Stress und Burnout geworden, haben sie doch längst verinnerlicht, dass sie ohne gute schulische Leistung auch keine gute berufliche Zukunft haben. Ähnliche Effekte hat man übrigens auch in Polen festgestellt (vgl. http://www.zeit.de/2014/26/pisa-studie-polen/komplettansicht ). Der Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort berichtet im Gespräch mit der Zeit, wie die typische Erschöpfungsdepression aussieht, die v.a. Mädchen entwickeln:

Schulte-Markwort: Die typische Geschichte einer Erschöpfungsdepression sieht so aus: „Ein Mädchen, 17 Jahre, kommt mit ihren Eltern zu uns. Sie hat massive Schlafstörungen, auch tagsüber kommt sie nicht zur Ruhe. Sie hat Angst vor jeder Klausur, obwohl sie gut vorbereitet ist. Sie ist dünnhäutig, weint schnell und auch ohne Anlass, hat kaum noch Appetit. Sie sagt: „Ich bin nichts mehr wert“, und: „Ich kann nicht mehr.“
Jungen werden dagegen eher offensiv und aggressiv oder ziehen sich zurück, nehmen selten psychologische Hilfe in Anspruch, obwohl gerade sie es laut PISA-Studien nötiger hätten als die Mädchen, ihre Leistungen zu verbessern, gelten sie doch als die größte Gruppe der Bildungsverlierer im deutschen Bildungssystem.

Fragt sich, wie wir, die ältere Generation, zu der ich mich gern mitzähle, reagieren sollen? Da die meisten Jugendlichen sich den Druck selbst machen, ist es nicht nötig, diesen zu verstärken. Eher sollten entlastende Signale kommen, die Warnung vor zu viel Perfektionismus, die Erfahrung, dass im Leben viel mehr zählt als das, was man in der Schule gelernt hat.

2. GRENZENLOSE FREIHEIT (?)

Kommen wir zur anderen Seite der Medaille: Nie zuvor gab es eine Generation, die solche Freiheiten hatte wie die jetzige. Das ist vielleicht gar nicht so sehr die Erziehung durch die Eltern – da gab es schon andere Zeiten, dazu später mehr – sondern die Möglichkeiten, die der virtuelle Raum eröffnet. Wissen ist dank google und Wikipedia in Echtzeit überall verfügbar, vorausgesetzt man hat die Datenflat fürs Smartphone – aber welcher Sekundarstufen-Schüler hat das heute nicht?
Auch die Kommunikation hat sich deutlich verändert. Durch das Internet ist es möglich geworden, mit großen Gruppen von Menschen gleichzeitig in Kontakt zu sein und viele Jugendliche nutzen diese Möglichkeiten. Zu Absprachen, zur Selbstdarstellung oder einfach zum Zeitvertreib, oft abends vor dem Schlafengehen. „Muss nur noch schnell mein Facebook-Profil checken.“

Folie 4: Wie sieht das ganze aus? Hier ein Screenshot einer echten Situation auf Facebook, damit man sich etwas vorstellen kann. Emails liest ja heute keiner mehr … [mündlich erläutern]
– „likegeil“
– Ca. 300 Freunde hat jede/r Jugendlich im Durchschnitt auf Facebook
– Privatsphäreeinstellungen existieren, werden aber von vielen nicht besonders ernst genommen.
– Das Beispiel (ein Bild vom Gang auf den Stuttgarter Wasen mit zahlreichen likes und ein paar Kommentaren) wirkt eher oberflächlich, hat aber im Jugendalter, wo die Bestätigung von den Peers kommt, eine enorme Bedeutung.

Folie 5: WhatsApp und Snapchat und Co., Ausfransen der Kommunikation, viele Apps haben auch eine Chatfunktion.
– Z. T. eingesetzt zur Klärung von Hausaufgaben etc.
– Möglichkeit Bilder, Videos und Sprachnachrichten zu verschicken
– Möglichkeit, Gruppen zu gründen
– Problem des Cybermobbings durch Whatsapp-Gruppen
Folie 6: Häufigkeit von Cybermobbing (JIM-Studie 2013)
Folie 7: Hintergrund: Quasi ständige Onlinenutzung („always on“). „Warum reagierst Du nicht, ich sehe doch, dass Du online bist.“ (WhatsApp-Status zuletzt online um …)
Folie 8: Was Jugendliche Online tun …
Damit kein falscher Eindruck entsteht:
Folie 9: Apps auf dem Smartphone
Folie 10: Nicht-mediale Freizeitaktivitäten

Folie 11: Wie sieht es bei Kindern aus?

Kinder und vor allem Jugendliche erleben die mediale Welt und soziale Netzwerke immer mehr als reale Welt. Auch dort findet Beziehungspflege und Austausch statt. Freilich mit eigenen Gesetzen, die Jugendliche erst durchschauen müssen, etwa den Trend zur Skandalisierung (Shit-Storm) und das Problem, dass alles, was einmal im Netz ist fast nicht mehr herauszubekommen ist (Anleitungen zu Screenshots für Snapchat/eigene Apps, die sich einklinken).

Folie 13: Grenzenlose Freiheit? Veränderungen in der Gesellschaft. Grenzen müssen gefunden und definiert statt überwunden werden. Gib deinem Leben Struktur statt „Passe dich bestehenden Strukturen an!“ Vgl. Jean-Paul Sarte „Condamné á être libre“ – Verurteilung zur Freiheit. Dies ist grundsätzlich Teil des Menschseins und der menschlichen Würde. Aber die Herausforderungen in einer Welt der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten wachsen auch ins Unermessliche.

Folie 14: Stichwort Wertewandel In den vergangenen gut fünfzig Jahren hat ein bemerkenswerter Wertewandel stattgefunden, der durchaus nicht linear ist, sondern eher einer Schaukelbewegung oder einer Spirale gleicht.
Heiner Keupp beschreibt diesen Wertewandel als Normalitätskrise unserer spätmodernen Gesellschaft, in der gar nicht mehr klar ist, was als normales Erwachsensein zu gelten hat. Ein extremer Wertewandel von der Maxime Selbst-Kontrolle über Selbst-Verwirklichung hin zum neuen Leitbild Selbst-Management hat stattgefunden und stellt Jugendliche wie Erwachsene vor große Herausforderungen (in: Sabine Trautmann-Voigt, Bernd Voigt (Hg.), Jugend heute. Zwischen Leistungsdruck und virtueller Freiheit, S. 27-29). Entsprechend wollen Jugendliche, wie Jürgen Junglas darstellt, heute mehr Partizipation als früher und haben auch rechtmäßigen Anspruch darauf. So gilt zwischen Eltern und Kindern eine wechselseitige Beistands- und Rücksichtspflicht (BGB §1619). In Fragen der Erziehung sollen Eltern die wachsenden Fähigkeiten ihrer Kinder zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln berücksichtigen und bei Fragen der elterlichen Sorge nach einer Besprechung mit ihrem Kind Einvernehmen anstreben (BGB §1626 Abs. 2).

Folie 15: Wertesynthese aus Selbständigkeit/freiem Willen und Ordnungsliebe/Fleiß: Die wollen die Leistung selbst, aber keine Fremdbestimmung mehr.

Haben wir also die Jugend, die wir uns immer gewünscht haben? Eine Jugend, die nicht aufbegehrt, sondern die Dinge engagiert selbst in die Hand nimmt, sie zielstrebig voranbringen will? Es scheint fast so. Und doch bleibt vieles auf der Strecke, was wertvoll ist, gerade auch aus Sicht des Glaubens und der Kirche:
– Der Glaube an sich selbst ersetzt scheinbar den Glauben an Gott. Und wer diesen Glauben nicht aufbringen kann, weil er die Erfahrung macht, dass nicht alles gelingt, was man sich selbstbewusst vornimmt, wird für krank erklärt, ein Fall für psychologische Beratung. Das Bewusstsein, dass es auch im 21. Jahrhundert Grenzen des Machbaren gibt, ist im Hintergrund wohl vorhanden, darf aber nicht zugelassen werden.
– Die Gewissheit, dass ich wertvoll bin, auch wenn ich nichts leiste (Rechtfertigugslehre). Viele denken: Gott ist zwar ein lieber Gott, aber er ist zu allen gleich lieb. Er ergreift nicht Partei zugunsten der Schwachen; eher noch hilft er den Tüchtigen. (Beispiel Kl. 11: Wo steht Gott? Beim Täter oder beim Opfer, bei Kain oder bei Abel? Antwort: Er hat zu allen die gleiche, grundsätzlich positiv bejahende Einstellung.)
– Die Einbindung in einen Traditionszusammenhang, zu dem auch die kirchliche Praxis gehört (Gottesdienstbesuch, Gebet, Formen der Andacht, traditionelle Feste).
– Familie ist ein extrem hoher Wert für Jugendliche, der aber oft nicht durch eigene Erfahrungen gedeckt ist. Erfreulich ist, dass viele Jugendliche dank eines neuen eher partizipativen Erziehungsstils (Mitsprache) besser mit ihren Eltern und Großeltern auskommen als früher. Die Pubertät führt seltener zu Auflehnung und Protest gegen Eltern und Erwachsenenwelt. Eher nimmt man eine sanfte Umorientierung wahr hin zur Autorität der peer group, der Gleichaltrigen in der Clique. Eltern und Großeltern sind als Bezugs- und Autoritätspersonen trotz aller Konflikte weithin anerkannt, auch die Lebens- und Musikstile von Eltern und Kinder haben sich z. T. deutlich angeglichen.
– Aktuelle Jugendstudien (Shell Jugendstudie 2010, Sinus-Jugendstudie 2012) zeichnen die Jugendlichen als optimistische Pragmatiker – abgesehen von einer kleineren sozial ausgegrenzten Gruppe, die abgehängt zu werden droht. Zielstrebig bereiten sie sich auf das Berufsleben vor, wollen als „Ego-Taktiker“ ihre Chancen optimieren. Großen Utopien und weltanschaulich fundierten Träumereien haben sie abgeschworen. Die Schule fordert seit „Pisa“ und G8 mehr Zeit und Leistung, entsprechend enger werden die Spielräume im außerschulischen Bildungsbereich und in der Freizeitgestaltung. Die große stille Frage, die viele Jugendliche umtreibt, lautet: „Was wird aus mir und wann werde ich es?“ Optionen gibt es mehr als genug, aber Kriterien sind Mangelware.
– Jugendliche in der Kirche sind heute kirchenkritische Theolog_innen: Sie sind leidenschaftliche Sinnsucher_innen und finden Sinn vor allem im persönlichen Glauben, der für sie nicht zwingend über Religion bzw. Kirche vermittelt sein muss. Glaube wird von ihnen gern als etwas Veränderbares und Individuelles gesehen, das man mit sich selbst ausmacht. (Sinus-Studie S. 77) Als Reaktion darauf versucht die Konfirmandenarbeit ähnlich wie die schulische Religionspädagogik die Theologie der Jugendlichen ernster zu nehmen als früher. Theologisieren mit Jugendlichen und Jugendtheologie ist deshalb nicht nur ein Modetrend, sondern eine sachliche Notwendigkeit.
Leider ist das Image der sichtbaren Kirche nicht besonders gut: „Sie hat für viele etwas Statisches, wenig Formbares, Langweiliges, und das macht sie unattraktiv. Jugendliche assoziieren mit Religion v.a. die Kirchen, Religionsunterricht und religiöse Konflikte. In ihrer Wahrnehmung sind viele der kriegerischen Auseinandersetzungen der Gegenwart religiös motiviert. Darüber möchten die Jugendlichen oft mehr erfahren.“ (Sinus-Studie S. 78)
– Digital Natives, Religious Immigrants: Jugendliche in der Kirche lassen sich kennzeichnen als „religiöse Touristen“, aber solche, die durchaus auch sesshaft werden können: In der Zeit der Konfirmationsvorbereitung etwa sind Konfis häufig wie in einem fremden Land als „religiöse Touristen“ unterwegs. Gerne sind sie bereit, das eine oder andere Souvenir für ihre Lebensreise mitzunehmen, bevor sie wieder in ihre gewohnte Lebenswelt zurückkehren. Wie kann es gelingen, dass aus religiösen Touristen Einheimische werden, die sich in der Welt des Glaubens und in der Kirche, die ihm Raum gibt, zu Hause fühlen?
– Eine umfangreiche Studie zum Thema Gottesdienst von Karlo Meyerr zeigt, wie wichtig es beim Thema Gottesdienst ist, dass auch und gerade die ältere Generation diesen als wichtiges Ereignis in der Woche sehen. Wenn Großeltern, Onkel und Tanten dabei sind, fühlen auch sie sich heimisch. Die „Ureinwohner“ (Jugendarbeit, Erwachsene) müssen eine Kultur der Offenheit und Neugier aufeinander einüben und vorleben.
– Kirche und das Reich Gottes sind kein DDR-Staat und keine Sekte, die ihre Bewohner daran hindert, das Land der Verheißung wieder zu verlassen. Nur ein freiheitliches Land ist heute noch attraktiv für Einwanderer! Aussteigen ist erlaubt, Wiedereinsteigen erwünscht. Wer nur über die Jugend klagt – „Die können doch mit Kirche eh nichts anfangen! Die wissen noch nicht mal, dass man im Gottesdienst still sein muss!“ – wird kaum erreichen, dass sie sich dort zu Hause fühlt.

Es folgte eine angeregte Aussprache, bei der auch viele Ängste zur Sprache kamen. Kaum jemand aus dem (eher älteren) Publikum war z. B. auf Facebook angemeldet. Spannend war die Frage, ob sich die Spaltung der Gesellschaft in solche, die mit digitalen Freiheiten umgehen können und solchen, die das nicht (gut genug) können, eher verschlimmern wird, oder ob das Internet einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung und Homogenisierung der Gesellschaft leistet, weil ja schließlich Wissen und Bildung immer einfacher zugänglich werden.

Empfehlenswerte Links:

Und hier die Dokumentation von 37° zum Anschauen:

 

Nachtrag 30.5.15

Bei der Jahrestagung Konfirmandenarbeit der württembergischen Bezirksbeauftragten (vgl. http://anknuepfen.de/ansprechpartner/bezirksbeauftragte-wrttemberg/jahrestagung-2015.html ) gab es ein eindrucksvolle Gespräch zwischen Prof Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm und Prof. Wilfried Härle, einem der führenden systematischen Theologen in Deutschland, zum Thema „Konfis unter Druck. Leistung macht Lust und Frust“. Anschauen lohnt sich … Danke an Thomas Binder fürs Aufnehmen und Schneiden!

 

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Jugend heute zwischen Leistungsdruck und grenzenloser Freiheit
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