Das war eine spannende Erfahrung: Das ZDF macht eine Sendung zum Thema Spielen und will einen Beitrag machen zum Thema digitale Spiele und Gottesdienst. Und sie landen in Ostfildern Kemnat …

Hier sieht man das Ergebnis (ab Minute 21:20):

Was hinter dem Dreh steckt

Zuerst kam eine Anfrage per Email aus Mainz. Irgend jemand hatte meinen Namen genannt, dank google war ich schnell gefunden. Das Stuttgarter ZDF-Studio wurde mit der Durchführung beauftragt. Als Termin kam schließlich nur noch ein Gottesdienst in Frage, in dem auch vier Taufen stattfinden sollten. Immerhin war die Kirche dadurch fast komplett voll. Der Predigttext am Sonntag Kantate: Paulus und Silas landen im Gefängnis. Trotzdem loben sie Gott und erleben ein Wunder: die Gefängnistüren gehen auf, der Gefängniswärter ist schwer beeindruckt, bekehrt sich und lässt sich taufen. Passt zu einer Taufe, aber auch zu Minecraft?

Was kann man denn dazu mit Minecraft/Minetest machen? Ich habe lange hin und her überlegt, bin dann aber doch beim Klassiker gelandet: die Geschichte nachspielen. Es geht ja um Gebäude wie das Gefängnis und das Haus des Gefängniswärters. Damit es spannend bleibt bis zum Gottesdienst, sollte aber kein Video erstellt, sondern live im Gottesdienst gespielt werden. Wir hatten einen Freitagabend zur Vorbereitung und haben uns dann am Sonntag um 8 Uhr direkt vor dem Gottesdienst getroffen, um alles in der Kirche einzurichten und noch einmal zu proben. Wer nachgespielte Bibelgeschichten in Minecraft sehen will, kann z. B. hier schauen https://www.youtube.com/watch?v=P-QMTMPehn4 oder hier https://www.youtube.com/watch?v=3gr7zJr5Hx0.

Der Zeitplan war eng, hat aber funktioniert, weil die Begeisterung und die Motivation groß waren. Trotz aller Vorbereitung hatten wir vor allem am Sonntag mit technischen Problemen zu kämpfen. Was man im Beitrag nicht so gut versteht und sieht: Wir hatten jeweils eine Minecraft-Welt und eine Minetest-Welt am Laufen und die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine baute die Gefängnisszene, die andere die Taufszene mit Haus des Gefängniswärters. Während am Freitag die Router problemlos funktionierten, zickten beide am Sonntag herum. Naja, Adrenalin war ja eh genug vorhanden, wenn ständig Kamera und Mikrophon dabei sind, und schließlich hat alles geklappt.

Welches Spiel man nimmt, hat übrigens durchaus auch eine soziale Dimension. Minecraft kostet nämlich Geld (24 Euro in der Java-Version) und braucht einen Rechner, der dafür schnell genug ist. Im Gegensatz dazu ist Minetest kostenlos und Open Source (vgl. https://blogs.rpi-virtuell.de/minetest/anleitungen/erste-schritte/) und läuft auch auf älteren Rechnern problemlos. Den Minetest-Server hatte ich selbst vorbereitet und einige Mods installiert, die das Spiel gleich deutlich aufwerten (vgl. https://blogs.rpi-virtuell.de/minetest/anleitungen/mods-installieren/). In der Durchführung haben beide Welten problemlos funktioniert, eine Spielerin meinte hinterher sogar, ihr gefalle Minetest deutlich besser. Die Rechner waren fast alle von den Teilnehmer selbst mitgebracht, ich selbst habe drei gestellt. (Vgl. zum Einstieg in das Spiel meinen Beitrag Minecraft/Minetest im Konfi.)

Bei der Durchführung im Gottesdienst gab es dann einen technischen Hänger, der sich aber schnell auflöste: Weil der Minecraft-Server, der als Kamera fungierte, versuchte, auch noch ein Game-Video aufzuzeichnen (geht unter Windows 10 sehr einfach mit der Windows-Taste + G), war zunächst für einige Zeit nur ein Standbild zu sehen. Der Moderator überbrückte diese Pause aber sehr geschickt durch eine ausführliche Nacherzählung der Geschichte, so dass die Gemeinde das kaum mitbekam.

Beeindruckend übrigens wie viel Aufwand hinter den 5 1/2 Minuten Film steckt: Eineinhalb Drehtag mit drei Profis, Kameramann, Tonmann und Redakteurin. Da weiß man, wo die ganzen Rundfunkgebühren hinfließen. Und tatsächlich sieht man es dem Video auch an. Wer sehen will, was herauskommt, wenn das eine Person alleine macht, kann den Film des Kirchenfernsehens anschauen, der in einem ähnlichen Setting gedreht wurde in der Jugendkirche Stuttgart:

Wie eine Familie den Gottesdienst erlebt und wie sogar die Blumen für das ZDF besonders schön waren

Kathrin Fechner hat für den ptz-Blog einen schönen Bericht geschrieben, wie sie mit ihren Kindern den Gottesdienst erlebt hat:

http://www.ptz-stuttgart.blog/2019/05/zu-besuch-beim-digitalmissionar-gottesdienst-von-pfarrer-dr-thomas-ebinger-im-zeitalter-von-minecraft-und-multimedia/

Dass das Fernsehen kommt, hat sich übrigens im Ort sogar bis zum schönen Blumenladen Gehrung herumgesprochen, der sich an diesem Sonntag besondere Mühe mit dem Kirchenschmuck gegeben hat. Vielen Dank dafür! Und schaut doch mal dort digital oder real vorbei: http://blumen-gehrung.de/

Die ganze Predigt nachhören

kann man über diese Seite https://www.kemnat-evangelisch.de/15-02-2019-downloads/23-04-2019-predigten/ oder direkt hier herunterladen: https://www.kemnat-evangelisch.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_kemnat/Downloads/Predigten/19_05_19__Predigt.MP3

Was meint ihr?

Wie gefällt euch der ZDF-Beitrag? Wer hat ähnliche Pläne, um mit aktuellen Games Gottesdienste zu gestalten oder die Jugendarbeit zu bereichern? Freue mich wie immer über Rückmeldung hier im Blog oder auf den verschiedenen Social Media Kanälen. Ich selbst bin jedenfalls nach dieser Erfahrung mehr denn je davon überzeugt: Gaming-Arbeit in der Jugendarbeit hat Zukunft!

Print Friendly, PDF & Email
Unser Kemnater #Minecraft-Gottesdienst im ZDF
Markiert in:         

Ein Gedanke zu „Unser Kemnater #Minecraft-Gottesdienst im ZDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.