Tipps zur Gestaltung der Konfirmation

Diese Punkte habe ich für die Vikarsausbildung in Württemberg zusammengestellt. Gerne kann ich noch sinnvolle Hinweise aufnehmen, die ich aus irgendwelchen Gründen vergessen oder zu wenig betont habe.

Konfirmation – ein Gottesdienst zwischen Jugendgottesdienst und traditionellem Kirchenfest

Die Konfirmation ist eine der spannendsten Kasualien, zusammen mit dem Heiligen Abend sind dies die öffentlichkeitswirksamsten Gottesdienste des Jahres. Es ist eine große Kunst, hier die richtige Balance zu finden zwischen einem peppig gestalteten, schrägen, überraschenden Jugendgottesdienst und einer Konfirmation, die allen Generationen das Signal gibt, zur selben heimeligen evangelischen Kirche mit dem einen vertrauten Bekenntnis zu gehören. Entscheidende Signale werden durch die Liedauswahl, den Einsatz von Medien und Symbolen (Kirchenschmuck) gesetzt. Konfis können stark selbst aktiv sein und über weite Strecken selbständig moderieren und das Programm gestalten, man kann sich aber auch aus guten Gründen dafür entscheiden, eher etwas für die Konfis zu machen und sie ihre eigenen Beiträge schon vorher in Katechismusgottesdienste o. ä. einbringen zu lassen. 




Ein wichtiger Hinweis – nicht nur für alle Mitglieder von  liturgischen Kommissionen, die Angst haben, dass jetzt keiner mehr die Agende liest: Die württembergische Konfirmationsagende bietet viele wertvolle Anregungen, die hier nicht zu wiederholen sind. Seit der neuen Fassung 2009 versteht sie sich nicht mehr als „Ableseagende“, sondern bietet eine Grundstruktur, die variiert werden soll (S. 19). 

Wie komme ich zu einem Thema?

Es ist sehr empfehlenswert, sich bei der Konfirmation auf ein Thema zu konzentrieren. Wer alles unterbringen will, erreicht am Ende höchstens ein diffuses Gefühl, dass alles nur angerissen wurde. Besonders gelungen ist eine Konfirmation, wenn die Konfis das Gefühl haben, das war ihr Thema. Gute Erfahrungen habe ich mit einem Themenwahlspiel gemacht: Zuerst berichtet man über gelungene Konfirmationen aus den letzten Jahren – diese Themen sind ohnehin „verbrannt“. Man kann einige mögliche Themen (s.u.) nennen, Dinge, die im Konfijahr besonders eindrücklich waren. Als Leitung behält man sich ein Vetorecht vor: Nicht jedes Thema ist für eine Konfirmation geeignet. Dann schreibt jeder auf einen Zettel ein mögliches Konfirmationsthema, am besten ergänzt um ein paar Stichworte zur Umsetzung. Dann schließen sich immer zwei Konfis zusammen und diskutieren, welches Thema sich wohl besser eignen würde und spannender wäre. Dieses Thema geht in die nächste Runde mit vier Personen (je nach Gruppengröße auch sechs). Zum Schluss sollten drei bis vier Themen übrig bleiben. Sie werden der ganzen Gruppe vorgestellt, Fürsprecher und Gegner dürfen sich äußern. Ideen können auch neu kombiniert werden. Dann wird öffentlich abgestimmt. Dieser Vorgang ist sehr wichtig, weil am Ende klar sein muss: Die überwiegende Mehrheit der Gruppe steht hinter dem Thema. Je nach Kreativität der Gruppe kann dann fast die ganze Konfirmation zusammen mit der Gruppe entwickelt werden.

Mögliche Themen:

• Wunschthema der Konfis (s.o.)

• Besondere Themen und Aktionen aus dem Konfijahr (z. B. Exkursion, Konfi-Wochenende)

• Symbole (Leiter, Herz, Rucksack; vgl. die – allerdings ziemlich konventionelle – Liste von Leitmotiven in der Agende S. 44-46)

• Bibeltext/-vers (eher nicht: Texte der Perikopenordnung für die Konfirmation, Agende S. 46, die passen gut zu goldenen Konfirmationen)

• aktuelle Jahreslosung (kombiniert mit dem Jahreslosungslied)

• ein Katechismusstück (aber bitte lebensweltlich gegen den Strich gebürstet)

• ein Leitmotiv-Song

Wichtig: Das A und O einer gelungenen Konfirmation ist die gelungene selbständige Mitwirkung der Konfis!

Beteiligungsmöglichkeiten:

• Anspiel/Theaterstück/Pantomime

• Fotoaktion passend zum Thema, auch bei der Einsegnung kann ein Bild Namen projiziert werden.

• Konfiband

• Ein selbst gedrehtes Video / Vor Beginn des Gottesdienstes Einblick in das Konfijahr mit Bildern / Video.

• Selbst formulierte Texte (zum Thema, zu zentralen Konfi-/Katechismusthemen)

• Präsentation und Kommentierung von Kunstwerken

• Ein Ausstellung in der Kirche / im Vorraum

• Denkspruch mit eigenem Kommentar, ein Kunstwerk dazu

• Die Auswahl der Konfirmationsfrage im Vorfeld

Der Katechismus-Lernstoff

Katechismustexte gehören traditionell zur württembergischen Konfirmation, eine Überbetonung des Lernstoffs schafft aber nur vor der Konfirmation schlechte Stimmung, bei der Konfirmation unnötige Nervenbelastung und hinterher schlechte Erinnerungen. Es soll und muss aus dem Katechismusstoff ausgewählt werden und dieser schon im Vorfeld sinnvoll auf andere Gottesdienste, z. B. einen separaten Abendmahlsgottesdienst oder einen früh im Konfijahr stattfindenden Taufgottesdienst verteilt werden. Das Sprechen in der Gruppe ist weniger belastend als einzeln vor dem Mikrophon zu stehen. Ein schönes Signal ist es, die Gemeinde oft mitsprechen zu lassen. Beim Glaubensbekenntnis ist das in der Agende ohnehin vorgesehen.

Die Einsegnung

Sowohl theologisch als auch von der Erlebnisqualität her ist die Einsegnung der Höhepunkt der Konfirmation. Die Konfis knien in der Regel zu zweit (evtl. eine Runde zu dritt, nie eine/r allein) auf der Kniebank. Es sollte eingeübt werden, wie man dort hinkommt, ohne sich den Rücken zuzukehren, und wie man gemeinsam niederkniet. Den Segen am besten einzeln unter echter Handauflegung, bei der man den Kopf seitlich von oben berührt. Bei paarweiser Segnung besteht die Gefahr des „Tunnelblicks“ in die Ärmel des Talars. M. E. reicht die Nennung des Vornamens, der volle Name kann im Liedblatt nachgelesen werden. Ich empfehle vier Segensworte auswendig zu lernen und diese abwechselnd zu sprechen. Wenn ein Team an der Konfirmationsvorbereitung beteiligt war, kann dieses mit vorne stehen und vielleicht sogar die Hände auf die Schulter der Konfis mit auflegen. Die Gemeinde steht und wird zur Fürbitte eingeladen. Es empfiehlt sich, direkt im Anschluss an die Einsegnung mit Handschlag – unterstützt durch einen Kirchengemeinderat oder eine Teamerin – den Konfirmationsspruch zu überreichen.

Die Taufe im Rahmen der Konfirmation

Wenn man sich tatsächlich – das ist auch im Vorfeld oder zu Beginn der Konfizeit gut möglich – dafür entscheidet, die Taufe in den großen Konfirmationsgottesdienst zu integrieren, bietet sich m. E. die 2. Variante der Agende an (S. 29), bei der die Einsegnung der Neugetauften zusammen mit den anderen Konfis vorgenommen wird. Die Trennung zwischen Täuflingen und Konfirmanden ist zwar kirchenrechtlich richtig, aber theologisch nicht zwingend und von den Konfis meist nicht gewünscht. Sie wollen i. d. R. wie die anderen Konfis auch konfirmiert werden. Da die confirmatio seit der alten Kirche die mit der Taufe zusammengehörige Segenshandlung ist, muss hier kein künstlicher Gegensatz konstruiert werden.

Die Abendmahlsfeier

Für die Abendmahlsfeier gibt es je nach Zahl der Konfirmanden verschiedene Möglichkeiten:

• Eine separate Abendmahlsfeier, besser vor der Konfirmation, sehr schön tatsächlich abends.

• Konfis feiern als eigene Gruppe, was die Selbständigkeit und Mündigkeit betont, manchmal wird noch im Kreis der Kernfamilie gewünscht, was aber für Konfis mit schwierigen Familienverhältnissen oft heikel ist.

• Bei großen Konfirmationen sollte das Abendmahl nicht zu lange dauern („Raucherpause“). In Herrnhuter Form kann das Abendmahl durch die Reihen gegeben werden, die Konfis können beim Austeilen helfen, es kann auch ein Wandelabendmahl gefeiert werden.

Das Liedblatt/Programm

Es lohnt sich große Sorgfalt auf das Liedblatt/Programm zu verwenden, denn es ist eine beliebte Erinnerungshilfe, nicht nur für Konfis, auch für Eltern und Paten. Manche Gemeinden lassen es sogar professionell layouten und farbig drucken. Die Konfis können in die Gestaltung einbezogen werden und z. B. die Vorderseite gestalten, ein Gruppenbild gehört hinein, die Nennung aller Namen, stichwortartig der Ablauf des Gottesdienstes, wichtige Teile auch wörtlich.

Beteiligung von Eltern und Paten

Eltern sind in der Regel auf Anfrage gern bereit, sich in irgendeiner Form an der Gestaltung der Konfirmation zu beteiligen. Möglich ist z. B.:

• Verfassen und/oder Vortragen der Fürbitten

• Ein besonderes Elterngeschenk, z. B. ein Büchlein mit guten Wünschen für das Leben, in das auch die Konfirmationsgäste etwas eintragen können.

• Eine Aktion organisieren, z. B. Gasballons steigen lassen nach dem Gottesdienst.

• Ein Elternchor, eine Elternband

Das kirchliche Patenamt endet mit der Konfirmation und der Mündigkeit der Patenkinder. Eine Entlassung aus dem Patenamt, ein Dank der Kirche und möglichst auch der mündig gewordenen Patenkinder gehört – auch wenn das in der Agende relativ unverbindlich dem Grußwort zugewiesen wird – m. E. auf jeden Fall in die Konfirmation hinein. Häufig schenken Konfis ihren Eltern und Paten eine Rose, während Musik gespielt wird o. ä.

Rahmenbedingungen

Eltern müssen im Rahmen eines Elternabends gut informiert werden, wie die Konfirmation abläuft und wann sie das Mittagessen ansetzen können. Der Blumenschmuck (auch die Ansteckblume) ist in der Regel Aufgabe der Eltern, ebenso die Organisation des Fotografen.

Weil sich bei der Konfirmation Familien(systeme) nach außen darstellen, ist es wichtig, als Kirche hier klare Rahmenbedingungen zu setzen. Es empfiehlt sich, die vorderen Sitzplätze auszulosen und namentlich zu kennzeichnen.

Eine Konfirmation sollte mindestens einmal in der Kirche mit Mikrophon vollständig durchgeprobt sein. Es lohnt sich, dafür auch professionelle Sprecher/innen zum Training zu engagieren. Auch das Bewegen in der Kirche, der Gang zum Mikrophon und zur Kniebank, der hüftbreite Stand will geübt sein und lässt die Konfirmation selbst entspannter ablaufen.

Eine alte Tradition ist die sog. Konfirmandengabe. Zur Mündigkeit gehört auch, dass Konfis zur Konfirmation nicht nur Geld bekommen, sondern auch ermutigt werden, von diesem Geld etwas für Bedürftige abzugeben. Im Vorfeld können die Konfis in die Auswahl des Konfirmationsopfers einbezogen werden. Zahlreiche Organisationen machen hierfür Angebote, die in eine Auswahl einbezogen werden können (Gustav-Adolf-Werk, EVA Stuttgart, Weltmissionsprojekt der Kirchengemeinde etc.). Eltern sollten beim Elternabend auf dieses Thema hingewiesen werden. Nach der Konfirmation kann das Ergebnis im Gemeindebrief bekannt gemacht werden. Dafür ist es hilfreich, separate Umschläge auszuteilen, die bei oder nach der Konfirmation in den Opferstock geworfen oder im Pfarramt abgegeben werden können.

Der feierliche Einzug gehört zur Konfirmation und sollte gut inszeniert werden. Die Gemeinde erhebt sich. Schön ist es, wenn alle bei der Konfirmationsvorbereitung mitwirkenden (Teamer etc.) mit einziehen, genauso wie der ganze Kirchengemeinderat. Auch ein schöner Auszug gehört an den Schluss mit Möglichkeit für Fotos, möglichst nicht mit Profifotograph, das geht besser im Vorfeld.

Nach der Einsegnung werden Konfis im Rahmen eines Grußworts auf ihre neue Rolle angesprochen. Hier ist es schön, wenn auch Vertreter der Jugendarbeit zu Wort kommen.

Dass die Konfirmation auch der Auftakt für ein Familienfest mit eigenem Recht und eigener Würde ist, sollte ernst genommen werden. Deshalb sollte eine Konfirmation m. E. auf keinen Fall länger dauern als 90 Minuten. Laut Agende übernehmen übrigens die Konfis „einen wesentlichen Teil der Verkündigung“ (S. 43) Auch die Predigt des Pfarrers sollte lieber kurz und knackig sein als der Versuch, all das, was man in 60 Zeitstunden Konfirmationsvorbereitung nicht an die Konfis herangebracht hat, erschöpfend zu abzuhandeln.

Gruppenbilder der Konfirmation – am besten mit Namen versehen und nach Jahrgang sortiert – sind eine schöne Erinnerung, wenn sie öffentlich aushängen. Fotografen stellen auf Nachfrage in der Regel ein kostenloses Exemplar für die Kirchengemeinde zur Verfügung.

Print Friendly, PDF & Email
Wie gestaltet man eine gute Konfirmation?
Markiert in:             

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.